ASKFORCE – die befreiende Kraft des philosophischen Fragens

  • ASKFORCE: Konzentriertes Nachdenken – Sabina Hüttinger im Dialog mit dem Ethikkurs der Q 11
  • Schülerarbeit von Talu Supe (7d) aus dem letztjährigen Wettbewerb „Der Mythos lebt!“
  • Homocomputers (Bild: Graham Steel)

Im Juni und Juli unterrichtete Frau Sabina Hüttinger von der Universität Augsburg als Gastreferentin die Ethikgruppe unserer Q11. Die Studentin ist Organisatorin des Projekts ASKFORCE, das vom Institut für Philosophie der Uni Augsburg ins Leben gerufen wurde. Ziel ist es, die Philosophie und ihre Studierenden an die Augsburger Schulen zu bringen.

So sollen nicht nur Schule und Universität einander näher kommen, sondern insbesondere den Schülerinnen und Schülern im Rahmen möglichst vieler Fächer Denkmodelle vorgestellt werden, die die im Lehrplan vorgesehenen Themen aus philosophischer Sicht ergänzen. Außerdem, so Hüttinger, gebe dieses Projekt den Studenten die Chance sich pädagogisch auszuprobieren und zugleich philosophische Konzepte auf den Prüfstand der Diskussion mit Jugendlichen zu stellen. „Bevor wir ASKFORCE aber im großen Stil aufziehen, wollte ich es erstmal selbst ausprobieren –  St. Stephan erschien mir da als die geeignete Pilotschule“, erläuterte Hüttinger ihre Wahl.

Für die ihr zur Verfügung stehenden vier Unterrichtsstunden hat die Studentin zwei Themenblöcke vorbereitet: zunächst geht es konkret um die Philosophie von Albert Camus und anschließend um ein weitläufiges und hochaktuelles Thema, das Sabina Hüttinger persönlich sehr am Herzen liegt, da sie sich damit auch in ihrer Bachelor-Arbeit beschäftigt: Wozu eigentlich Philosophie?

Warum ist Sisyphos glücklich?

Um den jungen Erwachsenen die Gedanken Camus‘ näherzubringen, setzt die Referentin bei deren Alltagsleben an und zeigt, wie vertraut uns doch das „Absurde“ ist, die Routine, „der Grauschleier der täglichen Wiederkehr“. „Aber eines Tages erhebt sich das Warum“ (Camus, Mythos des Sisyphos, S. 25)  – Aber wie geht man damit um? „Man muss sich einen Ausweg suchen, das Ziel ist, das Leben in die Hand zu nehmen“, schlägt Alexander vor und kommt damit schon näher an Camus‘ Lösung, als ihm vielleicht bewusst ist. Höchste Konzentration baut sich im Gespräch der Jugendlichen mit Sabina Hüttinger auf, die genau weiß, dass man als Moderator eines philosophischen Diskurses die quälende Spannung aushalten muss, bis ein Gedanke sprachliche Gestalt annimmt und eine Antwort kommt.

Was ist Philosophie und wozu brauchen wir sie?

Sinnsuche, Selbstfindung, Auseinandersetzung mit der Welt und dem Ich: ja, wir brauchen die Philosophie, gerade weil sie uns keine endgültigen Antworten gibt, sondern die Fragen lebendig hält, so die einhellige Haltung der Schülerinnen und Schüler. Auch so manche andere Antwort findet sich inhaltlich in einer von der Studentin vorgelegten Zitate-Auswahl verschiedener Philosophen verschiedenster Epochen zur Definition des Begriffs wieder.

„Philosophie ist der methodische und beharrliche Versuch, Vernunft in die Welt zu bringen.“ Max Horkheimer

Die Freiheit des Denkens verorte sich in dieser Disziplin, die sich in der letzten Zeit nur schwer an den Universitäten behaupten könne und deren Nutzen dennoch leidenschaftlich verteidigt werde und das nicht nur von ihren eigenen Vertretern, erklärt die junge Philosophin. Somit schießt sich für die Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer ein Kreis und eine wichtige Antwort auf die Frage nach der Freiheit ist gefunden, die im zweiten Ethik-Semester der 11. Jahrgangsstufe (Freiheit und Determination) im Mittelpunkt steht.

Was ist also die Aufgabe der Philosophie für unsere Gesellschaft? Ein Gegengewicht zu schaffen zu dem durch die Zwänge der ökonomischen Effizienz und durch den technischen Progress determinierten „homo digitalis“, dem aktuellen Standort der Menschheitsentwicklung. Ist die Philosophie geeignet und gewappnet, dies zu leisten? Die Stephanerinnen und Stephaner sind diesbezüglich zuversichtlich und bestärken Sabina Hüttinger in einem abschließenden Feedback darin, das Projekt ASKFORCE in der Augsburger Bildungslandschaft zu etablieren. „Es ist ungeheuer wichtig, dass auch die Schülerinnen und Schüler, die nicht Ethik belegt haben, einmal mit Philosophie in Kontakt kommen“, betont Marina voller Überzeugung.

Weitere Schulklassen oder Kurse, Lehrerinnen und Lehrer, die Interesse an ASKFORCE haben, können Sabina Hüttinger anschreiben: sabina.huettinger@outlook.de – sie wird sich sehr freuen!