Ausstellung „Antike Chirurgie“ im Römischen Museum

  • Inventar eines Kölner Arztgrabes: Löffelsonden und eine beschädigte Starnadel (2./3. Jhdt. n. Chr. – Römisch-Germanisches Museum Köln)
  • Asklepios behandelt die Schulter des Archinos. (Votiv-Relief aus Tyrea / Argolis 400-350 v. Chr. – Griechisches Nationalmuseum Athen)
  • Achilleus verbindet den von einem Pfeil getroffenen Patroklos. (Innenseite einer attischen rotfigurigen Kylix um 500 v. Chr. aus Vulci – Berlin, Antikensammlung)

„Antike Chirurgie“ wird im Römischen Museum Augsburg in den kommenden Monaten das Thema einer repräsentativen Sonderausstellung sein. Dazu beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler eines Projekt-Seminars am Gymnasium bei St. Stephan ein gutes Jahr lang intensiv mit der Chirurgie in der Antike. Bei der Vorbereitung arbeiteten sie mit griechischen und lateinischen Originaltexten aus der Medizinliteratur und gestalteten Plakate und einen ausführlichen Ausstellungskatalog, der im Museum erhältlich ist. Die Ausstellung wird ergänzt u. a. durch Exponate von chirurgischen Instrumenten aus dem Fundus des Römischen Museums und Leihstücke anderer Museen, z. B. einem Abguss des sogenannten Baseler Arztreliefs.

Studium antiker Medizinliteratur im Original

Ziel des Projekts ist es, der Öffentlichkeit einen Einblick zu geben, wie seit der frühesten griechischen bis in die späte römische Antike in der Chirurgie gearbeitet wurde. Bei der Auswahl der Themen ließen sich die Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer von der Frage leiten, welche operativen Eingriffe am menschlichen Körper, die wir heute noch als riskant und z.T. lebensgefährlich einstufen, bereits unter vergleichbar primitiven Umständen ohne moderne Anästhesie und Hygiene durchgeführt wurden. Dabei stießen sie auf eine große Menge medizinischer Originalliteratur, aus der die Werke des Hippokrates, des Galenos von Pergamon und des römischen Arztes Aulus Cornelius Celsus durch ihre Detailkenntnisse und die Menge des Schrifttums hervorstechen.

Faszinierende Operationen bei den Griechen und Römern

Neben einer Darstellung der Bedeutung des Asklepois-Kultes wurden die Themengebiete der chirurgischen Behandlung von Kriegsverletzungen, der Gladiatorenmedizin, der inneren Medizin, der Anästhesie, Kraniotomie, Augenheilkunde, Zahnheilkunde und Gynäkologie berücksichtigt. Um die Ausstellung aufzuwerten, wurden mit der Unterstützung des Messerschmieds Roger Isenschmid bestimmte Instrumente in Form von Repliken nachgebildet, die die Ausstellungsbesucher auch in die Hand nehmen können.

Zugänglichkeit der Ausstellungsinhalte für Blinde

Zur Zielsetzung des Projekt-Seminars gehört auch eine barrierefreie Gestaltung. Speziell für Blinde oder in ihrer Sehfähigkeit beschränkte Personen gestalteten die Schülerinnen und Schüler einen Audioguide, der die ausgestellten Objekte und Plakate erläutert. Dieser enthält zusätzlich Bildbeschreibungen, welche den Zuhörern eine Vorstellung der Darstellungen ermöglichen. Die Repliken der chirurgischen Instrumente sind mit Blindenschrift gekennzeichnet.

Wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität als externe Partner

Die Seminarteilnehmer wurden bei ihrer Arbeit unterstützt und begleitet von Katharina-Luise Link, M.A., und Manuel Förg, M.A., die als wissenschaftliche Mitarbeiter an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) bzw. Technischen Universität München (TUM) in den Bereichen der Alten Geschichte und der Medizingeschichte tätig sind. Beide sind Mitglieder der an der LMU verankerten Graduiertenschule für Altertumswissenschaften „Distant Worlds“, die als Kooperationspartner einerseits finanziell, andererseits institutionell am Projekt beteiligt ist.

Unterstützung des Deutsch-Indischen Kinderhilfswerks

Mit Geldern aus dem Erlös des Ausstellungskatalogs und Spenden soll das Deutsch-Indische Kinderhilfswerk unterstützt werden, das ein Hilfsprojekt für vom Erblinden bedrohte Kinder in Indien ins Leben gerufen hat.

Ausstellungseröffnung am 19.1.2017

Zur Eröffnung der Ausstellung am 19. Januar 2017 um 19.00 Uhr im Römischen Museum Augsburg, das derzeit in der Toskanischen Säulenhalle zu Gast ist, wird der Gräzist Prof. Dr. Martin Hose, Senatsvorsitzender der Universität München (LMU), einen Einführungsvortrag in das Thema „Medizin der Antike“ halten. Im Anschluss erläutern die Schülerinnen und Schüler die Ergebnisse ihrer Arbeit. Die Sonderausstellung ist bis Ende März 2017 zu sehen.