Cultural Harmonies – Indienaustausch 2017

  • Indisches Temperament trifft deutsches Brauchtum: Interkulturelle Begegnung beim deutsch-indischen Abend zum Abschluss der Phase 1 des Indienaustauschs
  • Father Thomas Mangara, Leiter der indischen Schule, mit seinen Schülern und ihren Augsburger Partnern beim Empfang durch Bildungsreferent Horst Köhler im Großen Goldenen Saal im Rathaus.
  • „Hello Augsburg, this is Akash from Bangalore…“. Sehr professionell meistert Akash die erste Radioansage seines Lebens mit Hilfe von Morningshow-Host Marc Hofmann im Studio von Radio Fantasy.
  • Die Geschmäcker sind verschieden: Kurzerhand modifizieren die kreativen Inder die klassisch bayerischen Gaumenfreuden und finden eine passendere Variante für indische Geschmacksnerven…
  • Schichtsalat neben Chicken Byriani und Naan-Bread: Ein kleiner Ausschnitt des interkultu-rellen Buffets am letzten Abend
  • Klassik meets Bollywood: Klangexperimente in der Gamelan-Sammlung im SoundLab des Münchner Stadtmuseums

Strömender Regen, wie es ihn hier schon lange nicht mehr gab – das perfekte Wetter zur Ankunft unserer indischen Austauschschüler vom Christ College in Bangalore. Bei 6°C stiegen sie mit kurzärmligen T-Shirts aus dem Bus, alle mit riesigen Koffern und ohne Jacken… Nachdem wir alle unsere Partner gefunden hatten, starteten wir mit Händen und Füßen und so etwas Ähnlichem wie Englisch erste Kommunikationsversuche. Aber was sagt man denn jetzt zu so einem Inder der bibbernd im überheizten Auto sitzt? Was fragt man ihn? Und war seine Antwort wirklich auf Englisch? Unglaublich eigentlich, dass wir schon am ersten Tag und trotz des gewohnten Umfeldes und der eigenwilligen Sprachmelodie der Inder anfingen teilweise auf Englisch zu denken!

Schnee, Regen und Schnitzel mit Nutella

Manche der Inder waren im Vorfeld von den Bildern unserer verschneiten Gärten begeistert und hofften, dass der Schnee noch bis zu ihrer Ankunft liegen bleiben würde, denn sie hatten noch nie Schnee gesehen. Unglaublich, aber wahr – am ersten Morgen war alles weiß! Und so begaben sich die Gäste während der ersten drei Stunden auf eine Erkundungstour durch Schule und Kloster, wobei sehr nette Bilder der Inder im verschneiten Klostergarten entstanden.

Nach der formellen Begrüßung in der Schule und dem offiziellen Empfang im Rathaus durch Kulturreferent Köhler besuchten wir in direktem Anschluss den goldenen Saal, von dem sich nicht nur die indischen Gäste beeindrucken ließen. Die mühevoll von zwei Teilnehmerinnen erarbeitete Cityrallye musste leider wortwörtlich „ins Wasser fallen“. Der Aufstieg auf den Perlachturm war zwar nur noch freiwilliges Programm, aber dennoch versammelten wir uns alle oben, pünktlich zum Glockengeläut. Der Abend wurde in den jeweiligen Familien verbracht, wobei einige Inder ihre Vorliebe für „Schniezel mit Nutella“ entdeckten.

Bei der Stadtführung am Tag darauf waren die indischen Gäste (mal wieder in vom Regen durchnässten, klammen Schuhen und leichten Jacken) hin und her gerissen zwischen den beeindruckenden Glasfenstern im Augsburger Dom  – und den in den Boden eingelassenen Gittern, aus denen warme, trockene Heizungsluft strömte…

Cultural Harmonies

Durch das diesjährige Projektthema „Cultural Harmonies – Musik und Kultur als verbindende Elemente“ durften wir uns ein Tonstudio von innen ansehen und bei einer Probe des Schulorchesters der (für indische Ohren ungewöhnlichen) Musik nicht nur zuhören, sondern auch einige Instrumente ausprobieren. So versuchte sich die indische Lehrerin vorsichtig an einer Geige, während ihre etwas mutigeren Schüler in eine Tuba bliesen. Beim Anschließenden Besuch in der Brauerei Riegele waren alle erstaunt zu hören, dass die Tanks in den Lagerkellern Tag und Nacht mit Beethoven beschallt werden, um das Bier zu einer besseren Entwicklung anzuregen. Ob wohl bei einer Bollywood-Dauerschleife eine andere Geschmacksnote im urbayerischen Kulturgut entstünde…?

Den ersten freien Tag gestalteten viele von uns mit einer Fahrt nach Stuttgart. Nach anfänglichen Problemen mit der Deutschen Bahn erreichten wir verspätet unser Ziel, das Porsche Museum. Viele unserer Austauschpartner waren schon von der eindrucksvollen Architektur des Gebäudes beeindruckt und noch mehr Erstaunen gab es beim Anblick der „Porsche-Flotte“. Mit Anleitung der Audio-Guides erkundeten wir das Museum mit großer Begeisterung.

Hello Augsburg...!

Dienstag war der erste Schultag nach dem langen Wochenende, an dem viele Inder eines der zahlreichen Maifeste in Augsburg live miterleben durften und sich einzigartige Eindrücke der bayrischen Tradition verschaffen konnten. Noch etwas müde hatten alle an den ersten drei Unterrichtsstunden teilgenommen und sich dann auf die mit dem Austausch einhergehenden Projektarbeiten konzentriert. Nachmittags empfing uns Marc Hofmann im Studio von Radio Fantasy. Vor allem die Finanzierung des Privatsenders und die tatsächliche kreative Arbeit im Vorfeld einer Show und am Mikrofon interessierten uns und unsere indischen Gäste. Luftanhalten und mucksmäuschenstill bleiben war angesagt, als alle live dabei waren, während Nick am Nachmittag seine Show moderierte. „Hello Augsburg, this is Akash from Bangalore. The next song is …“: Unter der genauen Anleitung von Moderator und Morningshow-Host Marc Hofmann sprach Akash seine erste Radioansage. Tags darauf erklärten einige der Inder der netten Dame vom akademischen Auslandsamt, die uns durch die Universität führte, dass sie schon Pläne für ein Auslandssemester an der Augsburger Uni hätten, weil die an die indische Schule angegliederte Christ University in Bangalore eine Kooperation mit Augsburg aufrecht erhält.

Klingende Experimente und leuchtende Augen in München

Kurz vor der Abfahrt nach München einen Tag später brachen noch einige Inder zum örtlichen Asia-Shop auf, um nötige Zutaten für das „große Kochen“ bei ihren jeweiligen Austauschpartnern für den deutsch-indischen Abend zu besorgen. Die 90-minütige Führung durch die „SoundLab-Klangaustellung“ im Münchner Stadtmuseum kam uns angenehm kurz vor, da uns unsere erstaunlich musikalische „Führerin“ ein ums andere Mal für Instrumente aus aller Welt begeistern konnte. Wir lernten unter anderem eine Vielzahl von Instrumenten aus unterschiedlichen Kulturen kennen und konnten sie auch ausprobieren. Das Highlight der Führung dürfte für die meisten die Vorführung des mehr als zwei Meter großen „Tam-Tams“, einer Art Gong, gewesen sein.

Im Olympiapark sangen wir unserem indischen Geburtstagskind ein Ständchen und erkundeten anschließend gut gelaunt in der BMW-Welt die neuesten Modelle, einige Rolls-Royce und MINI, saßen in Elektro- und Hybridfahrzeugen und auf Motorrädern. Fasziniert hat unsere Gäste, dass man in dem zwei Milliarden Euro teuren Gebäude seinen neuen BMW abholen und auch selbst aus dem Gebäude fahren kann.

Schneeballschlacht und die gewisse Schärfe

Beim Tagesausflug ins Allgäu staunten die Inder über die Architektur von Neuschwanstein, fast mehr aber noch freuten sie sich an der Schneeballschlacht auf dem Tegelberg und sahen fasziniert einem Paraglider beim Absprung zu.

Am deutsch-indischen Abschiedsabend ließen wir die vergangenen Tage nochmals Revue passieren und uns nebenbei die Köstlichkeiten auf der Zunge zergehen, die wir gemeinsam mit unseren Gästen nach den mitgebrachten Rezepten zubereitet hatten. Der Verbrauch an kühlen Getränken war weit größer als geplant – was wohl daran lag, dass die Inder bei der Zubereitung mancher Speisen wie gewohnt zu ihren „normalen“ Gewürzmengen griffen und eine teils recht scharfe Note kreierten. Passend zum vorherrschenden Wetter sangen sie (auf Deutsch!): „Ich lieb den Frühling, ich lieb den Sonnenschein, wann wird es endlich mal wieder Sommer sein?…“ und verkürzten uns den Abend mit diversen Musik- und Tanzeinlagen.

Kurzzeitiger Abschied

Nach ereignisreichen zwei Wochen hatten sich nicht nur zwischen den jeweiligen Partnern, sondern innerhalb der ganzen Gruppe Freundschaften und ein außerordentliches Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt, das die kulturellen und sprachlichen Barrieren mühelos überbrückte. Der einzige Trost beim tränenreichen Abschied war, dass wir uns in wenigen Wochen auf der anderen Seite des Globus wieder in die Arme schließen können. Vielen Dank an alle Lehrer und Eltern und auch an die Schulleitung, dass sie uns diese besonderen Erfahrungen ermöglicht haben!