„Dort wo man Bücher verbrennt …”

  • Gedenkveranstaltung zum 84. Jahrestag der Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933: Autoren, Denker, Bibliophile in der Auseinandersetzung mit nationalsozialistischen „Aufräumern“
  • Gedrückte Stimmung in einer Szene der Beklemmung bei der Gedenkveranstaltung für die 9. Klassen, gestaltet von der Jahrgangsstufe 11
  • Christoph Reichensdörfer in der Rolle als Joseph Goebbels: Die Neuntklässler lernen bei der Veranstaltung aber nicht nur die Bücherverbrenner und ihre geistigen Feindbilder näher kennen …
  • … sie geben gerade auch den verbrannten Dichterinnen und Dichtern wieder eine Stimme und das unverlierbare Recht, sich zu äußern.

„Das war ein Vorspiel nur! Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen“.

Diese hellsichtige Warnung Heinrich Heines aus dem Jahre 1820 hat nach wie vor höchste Aktualität. Daher waren es auch diese Worte, die neun Schülerinnen und Schüler aus der Q11 an den Schluss ihrer Veranstaltung anlässlich des Gedenktages der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 (Leitung Markus Müller) setzten.

„Ich übergebe den Flammen die Schriften von …“

In der großen Aula unserer Schule erlebten die Schülerinnen und Schüler der gesamten Jahrgangsstufe 9 am Donnerstag, den 11.5.2017, eine bedrückende Atmosphäre. Auf der Bühne stand hoch aufgereckt und bedrohlich kalt Joseph Goebbels (Christoph Reichensdörfer) und belegte jeden der vorgelesenen Texte mit der schneidenden Feuerspruchformel: „Ich übergebe den Flammen die Schriften von …“

… Rosa Luxemburg, Lion Feuchtwanger, Thomas Mann et al.

Äußerungen von Rosa Luxemburg und Karl Marx zu Klassenkampf und Kommunismus wie auch theoretische Überlegungen Sigmund Freuds zum Triebleben des Menschen fanden ebenso Berücksichtigung wie Auszüge aus literarischen Werken verbrannter Schriftsteller. Erich Kästners berührendes Gedicht „Jahrgang 1899“, das in verknappter Sprache das Schicksal einer gesamten Generation des deutschen Volkes darstellt, war zu hören, das schließlich mit den Worten „Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat!“ diffamiert wurde. Aus Lion Feuchtwangers wunderbarem Roman „Exil“ war die Stelle ausgewählt, in der der Aufstieg des Rupert Kutzner alias Adolf Hitler beschrieben wurde. Eine Episode aus Erich Maria Remarques Antikriegsroman „Im Westen nichts Neues“ diente der Darstellung eines offenkundigen Verrates an den deutschen Soldaten („Gegen literarischen Verrat am Soldaten des Weltkrieges, für Erziehung des Volkes im Geist der Wahrhaftigkeit!“).

Auch Thomas Mann kam zu Ehren, freilich nicht als verbrannter Autor, sondern als Schriftsteller, der auch homoerotische Neigungen literarisierte („Der Tod in Venedig“), ging es der Projektgruppe doch darum, dass auch dieses Thema Anlass zu Diskreditierung und Vertreibung von Schriftstellern bot. Überhaupt lag es den Schülern am Herzen, nicht nur Texte verbrannter Autoren darzubieten, sondern sie auch auf ihre Aktualität hin abzuklopfen. So wurden die jeweiligen Textpassagen immer wieder durch Zeitungsmeldungen etwa zur Pressefreiheit in unserer Zeit angereichert.

Dieser Brückenschlag ist den Schülern fein gelungen. Gratulation an die engagierten Freiwilligen Lena Peter, Isabella Probian, Donata Ott, Marina Schepetow, Lukas Faschingbauer, Serge Mateso, Benedikt Müller, Jakob Neu und Christoph Reichensdörfer.