Fenster in die Antike

  • Ausstellunsgeröffnung mit inhaltsreichen Forschungsdarstellungen: Die Eröffnung der Sonderschau „Antike Chirurgie“ bot kompetente und anschauliche Einblicke in dieses spannende Forschungsgebiet.
  • Das „Baseler Arztrelief“ in einem Abguss aus den Münchner Sammlungen gehört zu den Highlights der Augsburger Ausstellung.
  • Hier wird ein medizinischer Bohrer erläutert, den das Projektteam des P-Seminars nachgebaut hat.

„Hier sind wissenschaftliche Fördergelder bestens angelegt“, sagt der Münchner Archäologie Rolf Schneider. Er meint damit die Sonderausstellung „Antike Chirurgie“, die das gleichnamige Projekt-Seminar des Gymnasiums bei St. Stephan am vergangenen Donnerstagabend im Römischen Museum in Augsburg eröffnen und dem Publikum vorstellen konnte. Die Schülerinnen und Schüler boten Einblicke in die von ihnen konzipierte und erarbeitete Sonderschau: Punktgenau hatte das eindrucksvolle Projekt sein Ziel erreicht, wie der lebendige und inhaltsreiche Eröffnungsabend unter Beweis stellte.

  • Schulleiter Bernhard Stegmann hatte gut lachen: Die Sonderschau im Römischen Museum, die Wissenschaftsgeschichte der Antike mit einem durchdachten Ausstellungskonzept (auch für Blinde) und einem Sozialprojekt für ein deutsch-indisches Hilfswerk verbindet, ist ein außergewöhnliches Schulprojekt.
  • Manfred Hahn, der Leiter des Römischen Museums Augsburg, begrüßte als Gastgeber alle, die zur Eröffnung gekommen waren.
  • Manuel Förg und Katharina Link, zwei Münchner Nachwuchsarchäologen mit Augsburger Wurzeln, hatten das Projekt über viele Monate wissenschaftlich begleitet und freuten sich mit den Schülerinnen und Schülern über das beeindruckende Ergebnis.
  • Prof. Dr. Rolf Schneider, Emeritus des Instituts für Klassische Archäologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, war voll des Lobes über das Ausstellungsprojekt: Hier sei eine schwere Thematik in guter Präsentation und Zugänglichkeit entstanden.
  • Prof. Dr. Mariacarla Gadebusch Bondio vom Lehrstuhl für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der LMU München war ebenfalls voll des Lobes für die erreichte Arbeit des P-Seminars. Mit Blumen bedankten sich die Projektschüler für ihre Unterstützung.

Die Ausstellung war über Monate in enger Zusammenarbeit mit dem Römischen Museum Augsburg sowie externen Partnern von der Universität München entstanden.

Interessierte erhielten – und erhalten in den kommenden Wochen – im Römischen Museum auf anschauliche sowie spannende Weise Antworten auf viele Fragen der Heilkunde zur Zeit der griechischen und römischen Antike: Wie wurden Knochenbrüche von Gladiatoren behandelt? Gab es den „Kaiserschnitt“ bereits in der Antike? Wie wurden Schädelöffnungen im 4. Jahrhundert vor Christus durchgeführt? Welche Formen der Schmerzbehandlung gab es?

Auf Schautafeln bereiteten die Gymnasiasten von St. Stephan die Forschungsergebnisse ihrer monatelangen Arbeit im Rahmen des P-Seminars „Antike Chirurgie“ auf, das von Oberstudienrätin Anja Reichelt betreut wurde. Daneben galt es auch, Schaukästen zu bestücken, in denen etwa antike chirurgische Instrumente aus lokalen Funden mit heutigem Chirurgiebesteck zu vergleichen sind. Die Ausstellung folgt auch der Absicht, eine „Schau“ zum „Anfassen“ zu sein: Ein Teil der Originalexponate wurde für die Besucher zusammen mit einem Metallkünstler zum Befühlen nachgebildet.

Mittels eines Audio-Guides können Besucher die Ausstellung auch akustisch erfahren. Hierbei, so Bernhard Stegmann, Schulleiter vom Gymnasium bei St. Stephan in seinen Begrüßungsworten, sei das Anliegen der Schüler gewesen, die Ausstellung möglichst „barrierefrei“ zu gestalten. Deshalb wurden auch Beschriftungen der Tastobjekte in Blindenschrift verfasst. Das P-Seminar erstellte zudem einen umfangreichen Katalog zur Ausstellung, der im Römischen Museum für 3,80 € erworben werden kann. Der Erlös kommt dem Deutsch-Indischen Kinderhilfswerk zugute, das sich unter anderem für die medizinische Versorgung von Kindern engagiert, die vom Erblinden bedroht sind.

Die Schüler hätten sich bei ihrer Arbeit, erklärte Katharina-Luise Link vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Technischen Universität München, einem schwierigem Feld genähert. Denn die medizinischen Texte seien im altgriechischen bzw. lateinischen Original zu erschließen. Doch die Projektgruppe hätte diese Aufgaben „ganz wunderbar gemeistert.“ Begeistert zeigte sich am Eröffnungsabend auch Prof. Dr. Rolf Schneider, Emeritus des Instituts für Klassische Archäologie der Ludwigs-Maximilians-Universität München (LMU), der die von der Graduiertenschule „Distant Worlds“ der LMU geleisteten Fördermittel in diesem Projekt gut angelegt sieht.

  • Neben Schautafeln sind auch Vitrinen und offen ausgelegte, für das „begreifende“ Betrachten taugliche Objekte der Medizingeschichte in der Sonderschau zu sehen.
  • Antikes Arztbesteck neben modernem chirurgischen Gerät: Anschaulich zeigt sich hier, wie weit die antike Chirurgie bereits entwickelt war.
  • Zangen, Pinzetten, Löffel und Skalpelle belegen den hohen technischen Stand der römischen und griechischen Chirurgen.
  • Antike Medizin zum Anlangen: Mit Blindenschrift versehene Ausstellungsstücke, die die Sonderschau, die Schülerinnen und Schüler im Römischen Museum zeigen, auch für Sehbehinderte und Blinde attraktiv machen möchte.

Die Sonderschau „Antike Chirurgie“ ist im Rahmen der Übergangsausstellung des Römischen Museums in der Toskanischen Säulenhalle des Augsburger Zeughauses bis 31. März von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10.00 bis 17.00 Uhr zu sehen.