G9: Erste Infos für Neu(n)gierige

Ministerialdirektor Herbert Püls hat in einem Schreiben an die Gymnasien vom 6.4.2017 erste Informationen über die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium in Bayern mitgeteilt, die wir hier in Kürze zusammenfassen wollen.

Grundzüge des neuen G9

  • Betont wird, dass die jetzt anlaufende Reform eine „Weiterentwicklung“ der Schulform Gymnasium darstellt, keine Rückkehr oder Rückwärtsorientierung: Das Gymnasium muss zahlreichen „Herausforderungen Rechnung tragen – zu nennen wäre hier z. B. die zunehmende Digitalisierung aller Lebensbereiche oder die gestiegene Bedeutung von Werte- und Persönlichkeitsbildung (auch im Sinne eines “Reifeprozesses„) oder der politischen Bildung. Andererseits gilt es, auf geänderte Erfordernisse wie die zunehmende Heterogenität der Schülerschaft pädagogische Antworten zu finden.“
  • Zum Schuljahr 2018/19 wird sich die „Einführung eines grundständig neunjährigen Gymnasiums“ vollziehen, und zwar „unter Einbeziehung der Jahrgangsstufen 5 und 6“. Dies bedeutet, dass alle Kinder, die sich im Mai für das Schuljahr 2017/18 einschreiben, lediglich „formal also noch in das bestehende achtjährige Gymnasium, faktisch (vorbehaltlich der Gesetzesänderungen durch den Landtag) aber bereits in ein neues neunjähriges Gymnasium“  einsteigen.

Details zum neuen G9

  • Die Fremdsprachenstruktur wird beibehalten: Die 1. Fremdsprache setzt in Jahrgangsstufe 5 ein, die 2. Fremdsprache in Jahrgangsstufe 6 und die 3. Fremdsprache in Jahrgangsstufe 8. Für alle Fremdsprachen ergibt sich somit ein zusätzliches Lernjahr in der 11. Jahrgangsstufe.
  • Der Nachmittagsunterricht in der Unter- und Mittelstufe wird spürbar reduziert.
  • Die Kernfächer werden gestärkt. Die Stundenausstattung sämtlicher Fächer „entspricht mindestens der im G8 (kein Fach wird schlechter gestellt)“.
  • Die Intensivierungsstunden bleiben („in bestimmtem Umfang“) erhalten.
  • Nach Jahrgangsstufe 10 wird der Mittlere Schulabschluss erreicht.
  • Jahrgangsstufe 11 ist gewissermaßen ein „neuer“ Jahrgang und „bildet künftig die Einführungsphase der Oberstufe“: Dafür sorgen die Punkte „berufliche Orientierung“ (durch „Vorverlagerung des P-Seminars“) sowie „Stärkung der digitalen und politischen Bildung“.

Individuelle Lernzeit – „Überholspur“ (achtjährige Gymnasialzeit)

Besondere Bedeutung wird – unter dem Stichwort „Individuelle Lernzeit“ – eine institutionell verankerte „Überholspur“ bekommen, mit der an jedem bayerischen Gymnasialstandort durch „Auslassen der Jahrgangsstufe 11“ die Gymnasialzeit auf acht Jahre verkürzt werden kann. Die „Überholspur“ liegt in den Jahrgangsstufen 9 und 10: Verkürzungswillige Schülerinnen und Schüler erhalten „am Nachmittag Zusatzmodule, i. d. R. in Kernfächern (d. h. Deutsch, Mathematik, Fremdsprache), im Umfang von bis zu vier Wochenstunden pro Schuljahr“ und werden durch Mentoren begleitet und beraten. Die Jugendlichen bleiben in dieser Zeit in ihrer Klasse und ihrem sozialen Umfeld.

Lehrpläne

Die beiden derzeit noch offenen Hauptfragen sind der Lehrplan und die Stundentafel. Die lange geplante und intensiv vorbereitete Einführung des neuen LehrplanPLUS mit allen neuen Schulbüchern kann zum Schuljahr 2017/18 erfolgen, da sich im künftigen G9 in Jahrgangsstufe 5 keine Änderungen und in Jahrgangsstufe 6 nur geringfügige Änderungen ergeben werden. Für die Jahrgangsstufen 7-10 werden (auf der Basis des LehrplanPLUS) zum September 2018 die Lehrpläne vorliegen; für die Jahrgangsstufen 11-13 bis September 2019. Die Grundstruktur der bisherigen Oberstufe wird beibehalten.

Stundentafeln

Für die Stundentafel wird sich durch das zusätzliche Lernjahr eine Erweiterung um „17-19 Wochenstunden […] gegenüber G8“ ergeben. Das Kultusministerium schlägt auf dieser Grundlage folgende Verteilung des Pflichtunterrichts vor:

  • Jgst. 5 mit 30 Wochenstunden
  • Jgst. 6 mit 30 Wochenstunden (zzgl. 3. Sportstunde)
  • Jgst. 7 mit 30 Wochenstunden (zzgl. 3. Sportstunde)
  • Jgst. 8 mit 30 Wochenstunden
  • Jgst. 9 mit 30 Wochenstunden (zzgl. Blockveranstaltung zur beruflichen Orientierung)
  • Jgst. 10 mit 33 Wochenstunden
  • Jgst. 11 mit 32 Wochenstunden (zzgl. zweistündiges Projektseminar zur Studien- und Berufsorientierung)