Griechenlandaustausch: Kultur und Gastfreundschaft

  • Ein Austausch verleiht Flügel! Luftsprünge vor dem eindrucksvollen Panorama unserer Austauschpartnerstadt Ioannina
  • In Chorformation vor dem Betreten des Theaters von Dodoni
  • Einblicke in traditionelle Berufe im Volkskundemuseum von Elafotopos im Zagori-Gebirge
  • Ein gemeinsames Kunstprojekt: Embleme in Ytongstein
  • Künstlerstolz über das geschaffene Werk

Land, Leute und die Literatur des antiken Griechenland hautnah – das eröffnete sich sieben Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums bei St. Stephan während des Austausches 2018 mit der Partnerschule in Ioannina in Westgriechenland, dem Experimentellen Modellgymnasium Sosimäas.

Die diesjährige Kooperation steht unter dem Motto „Theater und Mythos“ und ermöglichte den Mitreisenden, die die neunte Jahrgangsstufe des humanistischen Zweiges besuchen, wiederholt eine Begegnung mit den Wurzeln der europäischen Kultur. Während des achttägigen Besuches in der Hauptstadt der westgriechischen Region Epirus, die auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurückblicken kann und bei jedem Stadtrundgang beeindruckt mit ihrer byzantinischen Festungsanlage und ihren schmalen Kaufmannsgebäuden aus osmanischer Zeit, beschäftigten sich die Austauschschülerinnen und -schüler mit antiken Mythen, Demokratie und Theater. Mag Ioannina auf den ersten Blick wenig Bezug zur Antike aufweisen, so ist die altgriechische Tradition im Modellgymnasium Sosimäas, der Stadt und der Region dennoch lebendig und greifbar: In englischsprachigen Unterrichtsstunden erhielten die gemeinsam unterrichteten Schülerinnen und Schüler eine Einführung in den Zusammenhang von Theater und der antiken Demokratie, die in Athen auf offener Bühne den Diskurs ihrer Werte erprobte. Sie erfuhren von der Bedeutung des Chores als Sprachrohr der einfachen Bevölkerung des antiken Athen, rezitierten und sangen als Chor einen griechischen Textausschnitt aus Euripides’ Tragödie „Helena“. Der Besuch der ältesten Orakelstätte Griechenlands, Dodona, führte diese Beschäftigung mit Antike, Mythos und Theater fort: In der Stätte des Zeus-Orakels überraschte eine griechische Theatergruppe die Austauschpartner mit Ausschnitten aus Homers Epos „Odyssee“ sowie Sophokles’ Tragödie „Antigone“ vor historischer Kulisse, im Theater der Anlage, das einst im weiten Halbrund rund 17.000 Besuchern Platz geboten hatte. Hier lauschten Stephanerinnen und Stephaner mit Blick auf die mit Eichen bewachsene Hochebene den Worten von Hoffnung und Verzweiflung griechischer Heldinnen und Helden, bevor sie gemeinsam mit den Laien-Schauspielern den zuvor erprobten Chor aus Euripides’ „Helena“ sangen.

Welche Bedeutung die Orakelstätte für die Menschen in antiker Zeit gehabt hatte, dies erfuhr die Austauschgruppe anschaulich bei einem Besuch des Archäologischen Museums in Ioannina, in dem Abteilungen von der steinzeitlichen bis zur römischen Geschichte der Region berichten und u. a. antike Bitten von Ratsuchenden, die auf Kupferblättchen eingeritzt worden waren, ausgestellt sind.

Doch was wäre Griechenland und ein Austausch ohne seine Menschen? Herzlichkeit und Offenheit im Umgang miteinander nahmen alle Teilnehmer füreinander ein und die Begegnungen vertieften sich in den Familien sowie bei Besuchen im Silberschmiedemuseum Ioanninas, der byzantinischen Zitadelle „Its Kalé“, der Tropfsteinhöhle von Perama, bei der Wanderung zur Vikos-Schlucht im Zagori-Gebirge, beim traditionellen Tanz oder beim gemeinsamen Familienausflug zu den Städten Preveza und Parga, gelegen am Ionischen Meer.

Zum vertrauensvollen Umgang zwischen Deutschen und Griechen wird auch die wiederum gepflegte Tradition des Austausches, das Dorf Lingiades zu besuchen, beigetragen haben. Die Bevölkerung des Ortes wurde 1943 während des Zweiten Weltkrieges von der deutschen Wehrmacht ermordet, das Dorf anschließend niedergebrannt. Die Jugendlichen legten Blumen am Mahnmal nieder und trugen Gedichte vor, um das Andenken an die mehr als 80 erschossenen Kinder und Alten, Männer und Frauen zu wahren. Diese Gesten stoßen in Griechenland auf große öffentliche Resonanz:

Noch beim Besuch im vergangenen Schuljahr 2017 wurde die damalige Austauschgruppe von einem Kameramann begleitet und Szenen und Gespräche von Schülern und Lehrern des Gymnasiums bei St. Stephan sind nun Teil des Dokumentarfilms „The Balcony – Memories of Occupation“ von Chrysanthos Konstantinidis (www.tobalkoni.gr), der in Griechenland in Kinos und auf Festivals gezeigt wird.

  • Der Abschlussabend mit Musik und Tanz
  • Abschiedsschmerz und Vorfreude auf das baldige Wiedersehen in Augsburg

Mit dem Abschlussabend und der Besichtigung der beeindruckenden Gräber des Makedonenkönigs Philipps II. in Vergina, die die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums bei St. Stephan auf dem Weg zum Flughafen in Thessaloniki besichtigten, wurde der bedauerliche Abschied von den Austauschpartnern und von Griechenland bewusst:

Wir kamen als Partner und gingen als Freunde. Efcharisto! Auf ein baldiges Wiedersehen in Augsburg!