Hier leben – global denken und handeln

  • Prof. Paulo Suess kann über Brasilien und die dortigen Aufbrüche und Impulse in Kirche und Gesellschaft aus erster Hand berichten.
  • Aufmerksame Zuhörer fand Paulo Suess in St. Stephan: Seine Botschaft ist voll Hoffnung und ruft zur Verantwortung auf.

Prof. Paulo Suess und seine Eindrücke aus Brasilien

Bei Regen müssen Schüler am Amazonas nicht zum Unterricht kommen. Diese Perspektive fanden viele der anwesenden Schülerinnen und Schüler zunächst verlockend. Sie wurden dann aber nachdenklich, als ihnen Prof. Suess aus seiner langjährigen Erfahrung als Pfarrer in Amazonien erklärte, dies habe seine Ursache im bedenklichen und unzulänglichen Zustand des Straßennetzes und in den mehrstündigen Schulwegen.

 

Europäische Jugendliche erlebten, dass sie zwar oft in touristischen Zusammenhängen unterwegs sind, Brasilien aber viel mehr und andere Perspektiven als sie mit der Fussballweltmeisterschaft, mit der bevorstehenden Olympiade 2016 und dem Katholischen Weltjugendtag in den Blick gerückt und international wahrgenommen werden und wurden.

Kritisch und voll Hoffnung die Welt betrachten

Prof. Suess, der sich selbst auf dem Zweiten Bildungsweg seinen akademischen Weg bahnte, die Philosophische Hochschule bei St. Stephan für zwei Jahre besuchte und sich dann 1966 auf das Abenteuer eines Wechsels nach Brasilien einließ, ermutigte die Schülerinnen und Schüler, sich die Welt mit wachen, kritischen Augen anzuschauen und sich die Hoffnung auf Veränderung nicht nehmen zu lassen. Er begründete dies aus seiner Erfahrung als Christ und verwies auf die hoffnungsvollen Initiativen, die derzeit Papst Franziskus anstoße und die gerade jene in den Blick rückten, die sonst oft an den Rand gedrängt würden. Er wies die Jugendlichen darauf hin, dass die ökonomischen, ökologischen und klimatischen Veränderungen die Ärmsten zuerst negativ beträfen. Er ermutigte die Schüler, ihren Lebensstil zu hinterfragen, teilen zu lernen etwa beim Carsharing und beim Foodsharing (z. B. Augsburger Tafel) und vor allem dankbar wahrzunehmen, welche Möglichkeiten ihnen in Europa im weltweiten Maßstab offen ständen, in welche Verantwortung sie aber auch gerufen seien.

 

Das Fremde und den Fremden als Bereicherung und nicht als Bedrohung zu sehen, diese ermutigende Perspektive durchzogen Vortrag und Gespräch. Leben vor Ort und zugleich Denken und Handeln in globaler Perspektive, dazu ermutigte diese Begegnung mit unserem Gast.