König Ödipus – Theaterfahrt nach München

  • Im Münchner Residenztheater besuchten die Griechischschülerinnen und -schüler die Aufführung des „König Ödipus“ von Sophokles.
  • Rege Gespräche über die moderne Inszenierung und über den antiken Stoff gab es im Foyer des Münchner Residenztheaters.

„König Ödipus“ stand auf dem Plan einer Theaterfahrt nach München. Im Rahmen des Griechischunterrichtes hatten sich gut 30 Jugendliche und ihre Griechischlehrkräfte der 10. bis 12. Klasse ins Münchner Residenztheater aufgemacht und erlebten eine eindrucksvolle Aufführung des zeitlosen Textes. In einer unglaublich dichten, 80-minütigen Strichfassung des „Tatort Theben“-Klassikers vom ahnungslosen Mörder Ödipus, der sich selbst als den gesuchten Übeltäter entlarven muss, begegneten die Jugendlichen dem berührenden Stoff.

Sophokles’ großartiges Drama war gepackt in einen engen, schmalen Gang mit Glaswand zum Publikum und zwei Türen zu einem Sitzungssaal. In diesem Politbüro-Flur spielte sich das eingeglaste und mit Mikroports akustisch durchformte Geschehen ab. Besonders beeindruckte der fast 80-jährige Hans-Michael Rehberg als Seher Teiresias, der in seiner Blindheit mehr sieht als der dynamische, staatspolitisch zupackende Ödipus. Dessen Selbstblendung am Ende, von sich selbst enttarnt als Vatermörder und Gatte der eigenen Mutter, setzt dadurch einen zwingenden Schlusspunkt unter eine fesselnde Kette von Enthüllungen.

Bühnenbild und -technik, der Chor des Ältestenrates als kettenrauchende Politclique, packende Symbole (vom pinselgereinigten Gang-Aschenbecher bis zu einem Staubsturm im Flur des Palastes) und tolles, kontrolliertes Körperspiel gaben der Inszenierung von Mateja Koležnik große Dichte und Wirksamkeit. Die Schülerinnen und Schüler äußerten sich sehr berührt, von „super“ bis „eindrucksvoll“ war einhellig viel Lob zu hören. Und vor allem war der Dramen-Klassiker – was bei Staatstheater-Aufführungen nicht immer erwartbar ist – gerade für ein junges Publikum in der Erstbegegnung packend herübergekommen. „Ich wollte immer, dass ich ihm helfen könnte in seiner Verstrickung“, gab ein Mädchen ihre Gefühle preis. Das dürfte ganz in Sophokles’ Sinne empfunden sein.