Landtag entscheidet im Januar über gymnasiale Lernzeit

Im Januar 2017 stimmt der bayerische Landtag über die Reorganisation der gymnasialen Bildungslaufzeit ab und entscheidet damit, wie lange künftig der Weg in Bayern zum Abitur sein wird. Bekannt sind aktuell folgende Eckpunkte:

  • Das Gymnasium in Bayern soll weiterhin als G8 konzipiert bleiben.
  • Jedes Gymnasium vor Ort soll jedoch die Entscheidung für acht oder neun Jahre Lernzeit treffen. D.h. Schulen können sich für die neunjährige, achtjährige Lernzeit oder für beide entscheiden. An der Entscheidung muss die gesamte Schulgemeinschaft beteiligt werden.
  • Der jeweilige Sachaufwandsträger – in unserem Fall die Stadt Augsburg – besitzt ein Vetorecht. Über den Antrag der Schulen zur Laufzeit entscheidet das Kultusministerium.
  • Bietet eine Schule die neunjährige Lernzeit an, bleiben die Jahrgangsstufe fünf und die Oberstufe (Q11 / 12) unverändert. Der neue, auf acht Jahre angelegte Lehrplan Plus bleibt auch Grundlage für die neunjährige Laufzeit. Es gibt noch keine Informationen, wie der Lehrplan dann in den Jahrgangsstufen sechs bis zehn angepasst wird.

Stellungnahme des Elternbeirats des Gymnasiums bei St. Stephan

Die Landes-Elternvereinigung der Gymnasien in Bayern und die regionale Arbeitsgemeinschaft der Landes-Eltern-Vereinigung Augsburg (ARGE) haben nun die Elternbeiräte der Region aufgefordert, Stellung zur aktuellen Diskussion zu nehmen. Ziel ist, durch eine Positionierung Druck auf den politischen Entscheidungsprozess auszuüben. Als Mitglied der LEV und ARGE haben wir als Elternbeirat des Gymnasiums bei St. Stephan folgende Stellungnahme verfasst:

  • Die Entscheidung über die Wahl der künftigen Laufzeit des Gymnasiums darf nicht auf die Gymnasien vor Ort bzw. den Sachaufwandsträger abgewälzt werden. Nicht alle Gymnasien werden in der Lage sein, beide Wege anzubieten. Insbesondere entsteht eine Konkurrenzsituation zwischen Gymnasien, die beide Laufzeiten anbieten können, und denen, die beispielsweise aufgrund ihrer Größe nicht dazu in der Lage sind. Gymnasien, die beide Wege zum Abitur anbieten, werden mit enormen Ressourcen- und Organisationsproblemen konfrontiert werden. Wir lehnen deshalb ein Gymnasium der zwei Geschwindigkeiten ab.
  • Bislang ist völlig unklar, wie das Gymnasium der zwei Laufzeiten finanziert werden soll. Die bedarfsgerechte Ausstattung von Schulen ist bereits heute in Hinblick auf materielle und personelle Ressourcen nicht gewährleistet.
  • Eine Reform der gymnasialen Bildungslaufzeit kann aus unserer Sicht nur gelingen, wenn diese mit einer Reform des Lehrplans verbunden wird: Die aktuellen Pläne sehen jedoch vor, dass der neue, auf acht Jahre ausgerichtete Lehrplan Plus Grundlage für das G8 und das Gymnasium mit neunjähriger Lernzeit ist. Damit wird die Chance verpasst, anstatt über Laufzeitmodelle über pädagogische und didaktische Fragen zu diskutieren. Im Vordergrund muss die Frage stehen, wie gymnasiale Bildung in Bayern sinnvoll weiterentwickelt werden kann und wie die Probleme, die durch die übereilte und unausgegorene Einführung des G8 entstanden sind, behoben werden können.

Online-Umfrage der LEV

Um ein umfassendes Meinungsbild einzuholen, hat die LEV nun eine Umfrage zur zukünftigen Ausrichtung des Bayerischen Gymnasiums gestartet. Die LEV schreibt dazu:

„Die Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern e. V. (LEV) setzt sich dafür ein, die gymnasiale Bildung in Bayern strukturiert weiterzuentwickeln. Die LEV tritt vehement für ein qualitativ hochwertiges Gymnasium ein. Bisher hat der LEV-Vorstand sich aus der Debatte um die Laufzeit des Gymnasiums herausgehalten, um den gegensätzlichen Auffassungen der Elternschaft gerecht zu werden. Da aber die ungeordnete Diskussion über die Dauer der gymnasialen Schulzeit die Weiterentwicklung des Gymnasiums verhindert, sollten Eltern ihre Haltung nun deutlich machen. Daher hat der LEV Gesamtvorstand in seiner Vorstandssitzung am 14. Dezember 2016 beschlossen, kurzfristig eine Online-Umfrage für alle LEV Mitgliedsschulen zu starten, um das aktuelle Meinungsbild der Elternbeiräte und Eltern abzufragen.“

Wer sich an der Online-Umfrage beteiligen möchte, kann diese hier direkt aufrufen. Wer selbst eine Stellungnahme zur künftigen Ausrichtung der Gymnasien formulieren möchte, kann diese per E-Mail direkt an die ARGEARGE-A{at}gmx.de, senden. Wir werden Sie als Elternbeirat des Gymnasiums bei St. Stephan über die weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden halten.