Mitgliederversammlung der LEV: G9 im Optativ

  • Die Mitgliederversammlung der Landes-Eltern-Vereinigung war zu Gast im nördlichsten Gymnasium Bayerns. Erstmals war auch unser Elternbeirat mit Christine Sommer, Vorsitzende des Elternbeirats, und Birgit Bretthauer, stv. Vorsitzende, vertreten.
  • Minister Dr. Ludwig Spaenle skizzierte bei der LEV-Migliederversammlung ausführlich seine Vorstellungen für ein neues, grundständig neunjähriges Gymnasium – im Optativ, nicht im Irrealis, wie er betonte.
  • Über gut 20 Anträge wurde beraten und entschieden. Unverzichtbar dabei: Abstimmgeräte und Kaffee.
  • Der neu gewählte Vorstand der LEV bekommt Verstärkung aus Augsburg – die ARGE Augsburg und Umgebung schickte die Elternbeiratsvorsitzende Claudia Günther vom Gymnasium bei St. Anna erfolgreich ins Rennen (oberste Reihe, 2. v. l.).
  • Mit gerade einmal 4.000 Einwohnern liegt Mellrichstadt in Unterfranken und grenzt an Thüringen. In Rahmen eines Vortrags am Abend der Mitgliederversammlung ließ Reinhold Albert, Kreisheimatpfleger und ehemaliger Grenzpolizist, die Geschichte der innerdeutschen Grenze lebendig werden.

Auf den Weg in das nördlichste Gymnasium Bayerns machten sich aus Augsburg vier Elternbeiräte: Die Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern hatte zur Mitgliederversammlug nach Mellrichstadt eingeladen. Unsere Elternbeiratsvorsitzende Christine Sommer und ihre Stellvertreterin Birgit Bretthauer nahmen gemeinsam mit der Vorsitzenden des Elternbeirats des Gymnasiums bei St. Anna und dem stellvertretenden Vorsitzenden des Elternbeirats des Maria-Theresia-Gymnasiums an der zweitägigen Veranstaltung teil. Und so gestaltete sich bereits die dreistündige Fahrt in die Rhön als Auftakt für ein Wochenende des intensiven Austausches – dem Blick über den Tellerrand innerhalb Augsburgs folgten viele Gespräche mit Elternbeiratskollegen aus ganz Bayern.

„Wenn wir was verändern, dann ordentlich.“

Mit großer Spannung wurde selbstverständlich die Rede des bayerischen Kultusministers Dr. Ludwig Spaenle erwartet. Hatte er sich doch nur wenige Tage zuvor für das neunjährige Gymnasium ausgesprochen. Und so skizzierte er auch überraschend detailliert seine Vorstellungen für ein neues, grundständig neunjähriges Gymnasium – im Optativ und nicht im Irrealis, wie er betonte. So wünscht er sich, dass das Gymnasium von der Jahrgangsstufe 5 bis 13 ausgearbeitet wird und dabei der neue LehrplanPlus nicht aufgegeben, sondern grundlegend weiterentwickelt wird. Er plädiert dafür, dass die zweite Fremdsprache auch künftig ab der 6. Jahrgangsstufe beginnt und am Ende der 10. Jahrgangsstufe der mittlere Schulabschluss erreicht ist.

Die 11. Jahrgangsstufe müsse neu entworfen werden und der Hinführung zur Oberstufe dienen: Vertiefung von Lernstoff, erste Schritte zum wissenschaftlichen Arbeiten, Berufsorientierung und Möglichkeiten für Auslandsaufenthalte. Dabei kann sich Spaenle vorstellen, dass die P-Seminare in die neue 11. Jahrgangsstufe verlegt werden. Für die Weiterentwicklung der Oberstufe im neuen G9 sei laut Spaenle noch Zeit. „Die Reform der Oberstufe ist Auftrag.“

Das neue G9 müsse zudem die Möglichkeit bieten, das Gymnasium in acht Jahren zu absolvieren. In der achten Jahrgangsstufe könnten sich Schülerinnen und Schüler dafür entscheiden und über ein Enrichment in den Kernfächern schließlich von der 10. direkt in die 12. Jahrgangsstufe einsteigen. Trotzdem bleiben die Schülerinnen und Schüler bis zur 10. Klasse in ihrem Klassenverband und im gewählten Zweig. Ein Ausstieg aus der „Überholspur“ wäre laut Spaenles Vorstellungen jederzeit möglich.

„Die Entscheidung muss jetzt getroffen werden“

Wenn sich auch die Ausführungen des Kultusministers mit vielen Forderungen der Elternschaft deckten, fordert die LEV jedoch als ein Ergebnis der Mitgliederversammlung den bayerischen Landtag und die bayerische Staatsregierung auf, die Entscheidung zur Laufzeit sofort zu treffen. Denn die politische Entscheidung liegt schließlich beim Gesetzgeber. In der entsprechenden Resolution heißt es unter anderem: „Die LEV fordert den bayerischen Landtag und die bayerische Staatsregierung auf, sich JETZT auf die Einführung des neuen G9 festzulegen. Weitere Ungewissheit ist Eltern nicht zuzumuten, die in diesem Frühjahr über die schulische Zukunft ihrer Kinder zu entscheiden haben. Sie müssen wissen, wie die Schule gestaltet ist, der sie ihre Kinder für viele Jahre anvertrauen. Die exakte Ausgestaltung des Lehrplans kann später erfolgen – wesentlich ist zunächst die verbindliche Festlegung der Laufzeit.“

Bewegung im Unterricht

Über den positiven Einfluss von Bewegung im Unterricht – und damit ist nicht der Sportunterricht gemeint – informierten Prof. Dr. Stefan Voll, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, und  Klaus Drauschke, Ministerialbeauftragter a.D. und Vorsitzender des Ausschusses Sport in Schule und Verein im Bayerischen Landes-Sportverband. Dass es nicht nur bei der Information und Theorie blieb, dürfte die Konzentrationsfähigkeit der Delegierten nicht unerheblich gesteigert haben. Und so ging es direkt im Anschluss in die Informationsrunden zu insgesamt acht Themenschwerpunkten: Vorträge zu Augmented Reality, Extremismus-Prävention oder Berufsorientierung an Gymnasien boten beispielsweise vielfältige Anregungen.

Neuwahlen und Anträge

Während am ersten Tag Information und Austausch auf dem Programm standen, wurden am zweiten Tag der Vorstand neu gewählt und gut 20 Anträge an die Mitgliederversammlung beraten. Künftig sind die schwäbischen Gymnasien im LEV-Vorstand mit einer Augsburger Elternbeirätin vertreten: Claudia Günther, Elternbeiratsvorsitzende und Mitglied im Vorstand der ARGE Augsburg und Umgebung, stellte sich erfolgreich zur Wahl.

Ein weiteres positives Ergebnis konnten die Elternbeirätinnen unserer Schule mit nach Hause nehmen. Der vom Elternbeirat des Gymnasiums bei St. Stephan gestellte Antrag, die Reform des Artikels 56 des BayEUG voranzutreiben, wurde in den Leitantrag der LEV-Mitgliederversammlung aufgenommen und einstimmig angenommen. Dieser Artikel regelt die Nutzung von Mobiltelefonen und digitalen Speichermedien in Schulgebäuden.

Bei der Heimreise blieb noch einmal genügend Zeit, um die vielen Eindrücke, Informationen und Begegnungen zu rekapitulieren – und Ideen für erste Umsetzungen zu entwickeln.