Ukulele im Handgepäck

  • Discoparty mit Oldies und Luftballons im Oberstufenzimmer – Schule mal anders!
  • Gegenlicht und Tieftöne im Schattenreich der Kellergewölbe
  • Museumsbesuch ohne Betitelung der Skulpturen: Das Publikum darf mit seiner Kreativität ideenreich mitspielen.
  • Das ist Schule: Katheder und Pult. Doch was die Texte aussagten, konterkarierte die scheinbare Lehreridylle. Off-Stimmen stellten Fragen zu Bruttosozialprodukt und amtierenden Präsidenten.
  • Nachdenkliche und kritische Momente mit Blicken in die oft verdeckten Seelenkammern junger Menschen
  • Ukulele im Handgepäck: Kleine Fluchten mit Musik aus den Zwängen einer durchrationalisierten Generation

„Einige von uns … sind froh, wenn sie nicht mehr in die Schule müssen!“ – „Einige von uns … gehen jeden Tag mit Freude in die Schule!“

Und nicht nur einige im Publikum dieser Performance namens „Schule … mal anders“, sondern ausnahmslos alle erlebten an diesem Abend im Januar St. Stephan auf ungewöhnliche Weise heiter-leichtfüßig und schwer-verängstigend. Denn das Projekt-Seminar „Performance“ der Q12 bot zum Ende seiner 15-monatigen Arbeitsphase eine Präsentation, die das Schulgebäude in einem Parcour durchlief und an vielen ungewöhnlichen Orten Stimmungen, Emotionen und Gedanken höchst unterschiedlicher Art übermittelte.

Auftakt im Foyer: Träume und Phantasien, Fluchtgedanken vor einer Welt der reinen Zwecke und der Vernunft, postfaktische Lebensentwürfe zwischen Geigenkästen, Ukuleleköfferchen und Mathematikbüchern – und ganz konventionelle Urlaubs- und Auszeithoffnungen. Schon hier wurde klar: Dieses Team ist ehrlich, offen, unverstellt und hemmungslos mitteilungsfreudig.

Intermezzi: In Gängen und Kellerkatakomben gab es Schwarzlichthorror und Tiefentönungsbeschallung, im Fahrstuhl einen Schminkzickenstreit und vor den Elternsprechzimmern eine Standpauke wegen Unterschriftenfälschung. Gleich darauf durfte das Publikum auf der nächstgelegenen Glasscheibe selber unterschreiben.

Interaktion: Man konnte in dieser Schulhauswanderung durchaus sitzen, stehen und schauen. Oft aber spielten die Besucher mit. Die schönsten Momente stiftete der Museumsbesuch, in dessen Sammlung von Körperstandbildern die Skulpturentitel fehlten. Da wurde der Performance-Mitgeher kurzerhand zum Taufpaten.

Finale: „Einige von uns … “ sind bereit, viel über sich und ihre Gefühle wie Hoffnung und Angst preiszugeben. Denn Schule ist ein Ort der wirren, unterschiedlichen und ungleichzeitigen Emotionen. Und der notorisch nörgelnde Besserwisser und Ordnungsfanatiker aus der Mathematikfachschaft, der so manche Szene durchtobt, Fenster bei minus 15 Grad aufgerissen oder Fluchtwege freigepeitscht hatte, hatte hier endgültig ausgespielt. Denn wir alle, ob auf oder vor den Bühnenflächen, haben so viele Hoffnungen. Und auch dafür ist Schule der ideale Ort.

Schule … mal ganz, ganz anders! Und so, wie sie tatsächlich einfach ist!