Wenn Fremde Freunde werden

  • Ein Ausflug im strahlenden Sonnenschein zu den Wasserbecken von Papingo im Nationalpark Vikos-Schlucht nördlich von Ioannina
  • „Reise nach Jerusalem“ zum Kennenlernen unmittelbar nach der „Anreise nach Ioannina“: Die Austauschpartner kommen schnell in Kontakt.
  • Jeder gestaltet ein griechisches Osterei.
  • In einem Gemeindezentrum erfahren wir, wie schnell sich mobile Boxen in einem Flüchtlingslager zu Medienstationen und Spieltischen verwandeln können.
  • Verrät auch uns das geheimnisvolle Rauschen der heiligen Eiche im ehrwürdigen Zeus-Orakel von Dodoni die Zukunft?
  • Der Familienausflug zu Schloss Linderhof – ein königliches Vergnügen bei bayerisch-griechischem Himmel!
  • Der Goldene Saal im Augsburger Rathaus bietet ein prachtvolles Umfeld für ein gemeinsames Gruppenfoto
  • Wir sammeln gemeinsam Informationen über das Schicksal von Flüchtlingen.
  • Ein Austausch über das Leben im Ausland beim Besuch der beiden Augsburger Fußballprofis Konstantinos Stafylidis und Ioannis Gelios an unserer Schule
  • Nach zwei intensiven Wochen kann man sich blind aufeinander verlassen!

Die Woche in Ioannina vom 01. – 08.04.2017

Wenn man nach einer langen Anreise freundlich willkommen geheißen, eine intensive Woche lang aufmerksam und zuvorkommend betreut wird und nach einer erlebnisreichen Zeit neue Freunde mit dem guten Gefühl verlässt, sie bald zu einem Gegenbesuch im eigenen Land begrüßen zu dürfen, ist das eine große und beglückende Erfahrung.

Nachdem wir von unseren Kolleginnen und den Gastfamilien am Samstagabend vor unserer Partnerschule in Ioannina herzlich empfangen worden waren, trafen wir uns bereits am nächsten Morgen, um gemeinsam einen Ausflug in das Zagori-Gebirge zu unternehmen und die eindrucksvollen Wasserbecken bei Papingo zu besichtigen. Am Dienstag hatten wir dann die Gelegenheit, bei einem Schulausflug mit ungefähr 100 Schülerinnen und Schülern unserer Partnerschule das Museum in Aktio, dem Ort der berühmten Seeschlacht zwischen Octavian auf der einen und Marc Anton und Kleopatra auf der anderen Seite, zu besichtigen und die reizvolle Insel Levkada zu erkunden. Die zahlreichen Unternehmungen in Ioannina, der Hauptstadt von Epiros, und ein Ausflug zum altehrwürdigen Zeus-Orakel bei Dodoni trugen dazu bei, dass wir bald die wunderschöne und geschichtsträchtige Region im Norden Griechenlands immer mehr kennen und schätzen lernten. Doch sind es natürlich vor allem die Gespräche miteinander, die Aufnahme in den familiären Kreis und die Erfahrungen und Eindrücke vom Schulleben eines anderen Landes, die einen Schüleraustausch so besonders machen und von einer Studienreise unterscheiden. An den gemeinsamen Schultagen spielten wir zunächst in Griechenland die „Reise nach Jerusalem“, um uns besser kennenzulernen, probten unter anderem einen griechischen Tanz und verzierten in fröhlicher Runde jeweils ein großes Osterei. Sehr bewegend war der Moment, als wir Hand in Hand mit unseren Austauschpartnern in Lingiades vor dem Denkmal für die Opfer eines furchtbaren Massakers der deutschen Wehrmacht rote Nelken niederlegten.

Das gemeinsame Projekt „Flucht und Asyl“

Bei dem diesjährigen Austausch stand das Projekt „Flucht und Asyl“ im Mittelpunkt unseres Interesses und wir näherten uns der Thematik auf vielfältige Weise. So befassten wir uns in einer Altgriechischstunde mit dem Begriff „Hikesia“, dem Hilfegesuch eines Fremden, der im Normalfall schon aufgrund der sprichwörtlichen griechischen Gastfreundschaft, ge- und erhört wurde, so wie auch Achill sich schließlich erbarmte, die Leiche Hektors seinem flehenden Vater zu übergeben. Wir besuchten eine Ausstellung über die Auswanderung vieler Epiroten in die Vereinigten Staaten. Die oscarnominierte Kurzdokumentation „4.1 Meilen“ öffnete uns die Augen, wie nahe die Insel Lesbos an der türkischen Grenze liegt und wie viele Flüchtlinge sich, von gewissenlosen Menschenschleppern auf kaum seetaugliche Boote verfrachtet, auf den überaus riskanten Weg nach Europa begeben, um dort bessere Lebensumstände zu finden. In einer Schule bastelten wir gemeinsam mit syrischen Flüchtlingskindern kleine Schalen aus Luftschlangen und wurden in einem Gemeindezentrum für jugendliche Flüchtlinge, in dem wir zunächst versuchten, unsere Namen auf Arabisch zu schreiben, über die Ziele und Möglichkeiten der Betreuung der heimatlosen Heranwachsenden informiert. Dabei wurden uns auch sehr praktische, mobile Boxen vorgestellt, die sich zum Beispiel sehr schnell in einem Flüchtlingscamp in eine digitale Informationsbörse verwandeln können oder eine überraschend große Bücher- und Spielesammlung im Inneren verbergen und sich leicht zu Tischen umbauen lassen.

Die Woche in Augsburg vom 29.04. – 05.05.2017

Bei dem Gegenbesuch unserer griechischen Austauschpartner und Freunde setzten wir uns in einer Geschichtsstunde mit dem Thema „Flucht, Vertreibung und Emigration damals und heute“ auseinander, wobei besonders die deutsche Geschichte im Zusammenhang des Zweiten Weltkrieges beleuchtet wurde. Bei einem Besuch der Organisation „Tür an Tür“ wurden wir über die aktuelle Rechtslage von Asylsuchenden in Europa und die Ziele des Vereins informiert, der es Flüchtlingen ermöglichen will, Hilfe und Beratung an einem Ort und somit mit kurzen Wegen zu erhalten. Dabei wurde besonders die Bedeutung des Erlernens der Sprache als Schüssel zur Integration in das Gastland betont, wozu die Organisation sowohl Sprachkurse anbietet als auch ein Café betreibt, in dem sich eine Vielzahl Ehrenamtlicher zu Gesprächen mit Asylanten trifft, um sie in der deutschen Sprache zu fördern. In einer Gesprächsrunde mit Konstantinos Stafylidis und Ioannis Gelios, zwei Fußballspielern des FC Augsburg mit griechischen Wurzeln, die der Einladung an unsere Schule folgten, konnten die Jugendlichen die Fußballprofis darüber befragen, was es bedeutet, im Ausland Fußball zu spielen und sich dort zu integrieren, aber auch worin sie Gemeinsamkeiten und mögliche Unterschiede in den Mentalitäten der beiden Länder sehen.

Natürlich konnten wir im Anschluss an die projektbezogene Diskussionsrunde mit den beiden Fußballspielern noch unbeschwert fachsimpeln und sie über den spannenden Abstiegskampf befragen. Fußballspiele der Jugendlichen, Besichtigungen und Unternehmungen in Augsburg, aber auch in München und der gemeinsame Familienausflug nach Schloss Linderhof und Kloster Ettal, bei dem sich der bayerische Himmel in strahlendem Weißblau, den Landesfarben der beiden Länder, zeigte, trugen unter anderem dazu bei, dass sich bestehende Freundschaften vertieften und nach zwei gemeinsamen Wochen zunächst Fremde zu Freunden geworden sind.