Spurensuche zwischen Erinnerung und Literatur

  • Lesen oder Erzählen? An diesem Abend mischte sich beides, sodass man der Autorin besonders nahe kam.
  • Seinetwegen“ ist eine persönliche Geschichte, in der sich eigene Erlebnisse und Erinnerungen der Autorin zu einem ungewöhnlich eindringlichen Text verbinden.
  • Einführende Worte fand Karin Bäumler, die den Abend organisiert und sich eine Herzensautorin“ eingeladen hatte.
  • Eine lange Schlange bildete sich beim Signieren der Bücher, abgeführt von vielen Kolleginnen und Kollegen, die bekennende Fans der Autorin sind.
  • Musikalisch umrahmt wurde die Lesung von einem wunderbaren Bläserquintett unserer Schülerinnen und Schüler.
  • Betreut von Schülerinnen und Schülern wurde auch dieses Mal der Büchertisch, der verschiedene Texte aus Zora del Buonos Werk bereithielt.

Zora del Buono las aus ihrem aktuellen Roman Seinetwegen“, der 2024 für den Deutschen Buchpreis nominiert war und den Schweizer Buchpreis gewann. Das Buch erzählt eine zutiefst persönliche Geschichte: Die Autorin war erst acht Monate alt, als ihr Vater 1963 bei einem Autounfall ums Leben kam. Über den Verlust wurde in der Familie kaum gesprochen – der tote Vater blieb eine schmerzhafte Leerstelle. Jahrzehnte später macht sich die Erzählerin auf die Suche nach dem Mann, der den Unfall verursacht hatte. Was wurde aus ihm? Wie lebt ein Mensch mit einer solchen Schuld? Aus dieser Recherché entwickelt sich ein eindringlicher Roman über Erinnerung, Verlust, Schuld und die Frage, ob und wie Heilung möglich ist.

Nahe an der Autorin und ihrem Leben

Doch der Abend bot weit mehr als eine Lesung. Offen und mit viel Humor erzählte Zora del Buono von ihrem eigenen Lebensweg und gewährte dem Publikum persönliche Einblicke in ihr Schreiben. Sie berichtete von ihrer Zeit als Architektin im Berlin der Nachwendejahre, von der Gründung und Mitherausgabe der Zeitschrift mare sowie von ihrem Weg zur Schriftstellerin. Immer wieder betonte sie, dass sie das Glück gehabt habe, zu verschiedenen Zeiten die richtigen Menschen zu treffen, die ihrem Leben und Arbeiten neue Richtungen eröffneten.

Heute lebt und arbeitet Zora del Buono in Zürich und Berlin. In Seinetwegen blickt sie jedoch neben ihrer Schweizer Heimat auch auf das Berlin der 1980er- und frühen 1990er-Jahre – eine Zeit, die sie als großes Geschenk“ beschreibt: aufregend, voller Aufbruchsstimmung und geprägt von einem besonderen Gefühl der Freiheit. Diese Atmosphäre ist auch in ihrem Roman spürbar und verleiht vielen Passagen eine besondere Lebendigkeit.

Vom Bauen eines Romans

Besonders eindrucksvoll war ihre Offenheit im Gespräch über das Schreiben selbst. Den Begriff Autorin“ verwende sie für sich erst seit vergleichsweise kurzer Zeit, erzählte sie schmunzelnd. An das Schreiben und den Bau“ eines Romans habe sie sich langsam herangetastet. Ich habe halt einfach angefangen zu schreiben, wie ich mir das dachte“, berichtete sie. So wurde die Lesung zu einem sehr persönlichen Abend, an dem das Publikum der Autorin – und ihrer pfiffigen Hündin Natalia, die begeistert die Aula eroberte und für Heiterkeit sorgte – ungewöhnlich nahe kam.

  • Natalia, die Hündin von Zora del Buono, ist immer dabei und kommentierte die Lesung auf ihre ganz individuelle Weise.