Start ins Vorwärtsleben

  • Pure Freude am Entlasstag zum Abitur 2026 über ein erreichtes Ziel, zu dem Beharrlichkeit, Fleiß und Mut hinführen: Linda Bernert empfängt ihr Abiturzeugnis.
  • Tiefer Freude nach herausragenden Ergebnissen bis hin zum Landessieg beim Landeswettbewerb Alte Sprachen gab Anna Hartl vollen Ausdruck.
  • Joseph Kolland konnte seine Freude nicht ohne eine feste Umarmung an den Mann bringen.
  • Vincent Seßing gab einen Fingerzeig auf das, was ihm als erfolgreichem Absolventen als Ziel immer vor Augen stand.
  • Heitere Dankbarkeit brachte Victoria Wohlfarth mit ihrer herzlichen Art zum Ausdruck, als ihr Schulleiter Alexander Wolf gratulierte.
  • In diesem Jahr hatte St. Stephan auch eine größere Zahl an externen Abiturienten durch die Prüfungen zu führen: Erfreut nahmen auch hier die Erfolgreichen ihr Zeugnis im Rahmen der Feier entgegen.
  • Aufmerksam, wach, interessiert, nachdenklich, dankbar, heiter, gemeinsam … verfolgten die jungen Frauen und Männer der Absolvia 2026 ihre Zeugnisverleihung.

Es gibt Reden, es gibt Preise, es gibt Musik, vor allem aber gibt es Zeugnisse, wenn das Schülerleben mit der Überreichung der Hochschulreife” sein Ziel findet. Nach einem Jahr Pause gab es in St. Stephan wieder einen mehrstufigen Abschluss – und zwar ab sofort wieder nach neun Gymnasialjahren.

Abschied nehmen heißt in St. Stephan immer auch: Spuren legen, nochmals sichtbar werden und Menschen versammeln: Beim literarischen Abend Literatur lernt sprechen” am Dienstag, beim Abiturientenkonzert am Donnerstag und bei Abschlussgottesdienst und Zeugnisverleihung am Freitag. Traditionell folgt dann noch (diesmal eine Woche später) der Abiturball in der Eigenregie der Schülerinnen und Schüler.

  • Abitur heißt auch Abschiednehmen, hier von den Bühnen, die eine Schule bietet. Bei Literatur lernt sprechen” gehen die Spielfreudigen des Jahrganges ein letztes Mal aufs Theaterpodium.
  • Abschied einer talentierten Q13 vom Orchester – beim Abiturientenkonzert im Kleinen Goldenen Saal: In diesem Jahr auch mit einem Doppelkonzert für Metallophon und Marimbaphon.
  • Ein echter Gipfel beim Abiturientenkonzert 2026: Die Champagnerarie” aus Strauss’ Fledermaus” für sieben großartige Sängerinnen und Sänger der Q13.
  • Der ultimative Moment auf der Pausenhoftreppe neben der Kastanie: Das Absolvia-Foto 2026 am Entlassungstag.

Bei Literatur lernt sprechen” im Kleinen Goldenen Saal verabschiedete sich ein starker Theaterjahrgang, der aber neben seinen langjährigen Bühnen-Matadoren auch neue Gesichter auf die Bühne brachte, so dass ein großes Ensemble von 15 Mitwirkenden seine literarisch-poetische Lieblingsstellen und überraschend vielfältigen Inszenierungsideen in kraftvolle zwei Stunden packte. Von nachdenklich bis humoristisch, von lyrisch bis dramatisch reichten die Beiträge, die zugleich aufschlussreiche und unerwartete Einblicke in das Lebensgefühl eines ganzen Jahrgangs boten. Was dem Publikum vor allem gefiel: Tiefgang mit Energie, Lebensmut mit Nachdenklichkeit.

Zwei Tage später gehörte das Podium im Kleinen Goldenen Saal der klassischen Musik. Auch hier hieß es Abschied nehmen von starken und berührenden Talenten in den Instrumentalensembles. Blockflöten, Waldhorn und Fagott, Violine und Posaune zeigten die Vielfalt des Instrumentalspiels an St. Stephan. Nach der Pause an einem lichtdurchfluteten, sommerlichen Abend kamen gleich sieben Sängerinnen und Sänger gemeinsam auf die Bühne und brachten mit dem Champagnerlied” aus Johann Strauss’ Fledermaus” gelöste Stimmung in den Saal. Außergewöhnlich endete der Reigen der Solobeiträge mit einem Doppelkonzert für Marimba und Vibraphone, gefolgt vom Großen Orchester mit der Sinfonischen Dichtung Finlandia” von Jean Sibelius. Und als Zuckerle” zum Abschied gab’s lateinamerikanische Klänge für Sopransaxophon – ein Abend mit viel Gemeinschaftsgefühl.

Am Tag des Abschieds, der sich bei jeder und jedem Einzelnen im Moment der Zeugnisübergabe vollzieht, traf sich die Absolvia 2026 zu einem ökumenischen Gottesdienst in der Stiftskirche, den eine Gruppe des Jahrgangs musikalisch gestaltete und P. Emmanuel – einer der Deutschlehrer des Jahrgangs – mit einer gedankenreichen Predigt zu Goethes Iphigenie” versah. Nach dem obligatorischen Jahrgangsfoto mit allen im feinsten Zwirn kam man nun im Kleinen Goldenen Saal zusammen.

  • Schulleiter Alexander Wolf begrüßt die Gäste der Entlassfeier: Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte nehmen sich ein letztes Mal Zeit füreinander und schenken den Gedanken des Schulleiters in der Absolviarede zum Thema Freiheit” die gebührende Aufmerksamkeit.
  • Uto Meier, Absolvent des Jahres 1975, beleuchtete mit seiner Rede 50 Jahre später”, was man aus der Schule tatsächlich fürs Leben mitbekommt.
  • Der Verein der Freunde und Förderer stellte sich mit seinem Ersten Vorsitzenden Andreas Segmüller bei der Absolvia 2026 vor.
  • Musikalische Gestaltungselemente durchweben die Feier: Hier spielte Lysander Francescatti aus einem Violoncellokonzert von Edouard Lalo.
  • Der Chor der Absolvia 2026 sang dem Jahrgang ein klangvolles Ständchen aus Edward Elgars Bavarian Highlands”.

Grußworte prägten den ersten Teil. Uto Meier, emeritierter Professor für Religionspädagogik an der Katholischen Universität Eichstätt, sprach für die Goldene Absolvia und entwickelte tiefgreifende Gedanken, herausentwickelt aus seinen Erfahrungen an St. Stephan in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Er deutete das fraglose Geschenk des Lebens als Gabe und Aufgabe und entfaltete eine benediktinische Bildungserfahrung: Du bist willkommen und erwünscht – und du stehst in Verantwortung. Die Schule als Ort elementarer Bildung des Verstehens, des modellhaften Erfassens und des Schönen und Lebendigen möge auch den Jahrgang 2026 ein Leben lang tragen.

Andreas Segmüller, frisch gewählter Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer des Gymnasiums bei St. Stephan, gratulierte von Herzen und arbeitete heraus, wie die Schule in neun Jahren ein Teil von jeder und jedem geworden ist, und somit jeder auch ein Teil der Schule. Im Begriff vom Freund und zugleich Förderer spiegelt sich diese doppelte Rolle, zu deren bewusster Übernahme er herzlich einlud mit dem Zuruf: Auf die nächsten Kapitel des Lebens!”

Die zentralen Gedanken formulierte Schulleiter Alexander Wolf in seiner Rede unter dem Leitwort Es ist Zeit”. Der Jahrgang 2026 als erster G9-Jahrgang hat – endlich wieder – Zeit geschenkt bekommen, ein zusätzliches Jahr zum Entdecken, Wachsen und Reifen, das die 2026er reichlich genutzt haben. Engagement, Mitgestaltung des Schullebens und Verantwortung tragen hier erkennbar das zentrale Thema der Freiheit.

Da ist die Unabhängigkeitserklärung der USA von 1776, das Grundgesetz der Bundesrepublik, die Nationalhymne. Deutlich wird: Freiheit steht nicht allein, als grenzen- und hemmungslose Selbstsetzung, sie braucht Recht und Einigkeit als Stützpfeiler. Und im Persönlichen muss sie gestützt sein auf Überzeugungen und Bewusstsein, die das Leben aus Launen und Augenblicksimpulsen herausheben.

Alexander Wolf stützte sich auf Joachim Meyerhoffs Roman Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke”, wo der Großvater dem Enkel (im Abiturientenalter) vorwirft, in einer Beobachterrolle festzustecken, in der die Welt zu einem Ereignis-Zirkus degradiert” wird, statt im konkreten Kontakt zum Koordinatensystem des Daseins” zu leben. Und Cicero fordert (in einem Satz des diesjährigen Lateinabiturs), dass nur der herrschen könne, der auch cupiditatibus suis imperare potest” (in den Paradoxa Stoicorum), also Herr im eigenen Hause ist. Freiheit ist folglich nicht beliebige Ungebundenheit, sondern Lebensgestaltung in Verantwortung und Positionsbestimmung.

Wer dies tut, hinterlässt Spuren und reißt mit seinem Weggang eine Lücke, eine entsetzliche Lücke”. Und als weggehender” Absolvent begegnet er der Herausforderung der Freiheit, für die es keinen Erwartungshorizont gibt, sondern nur den Mut zur Selbstbestimmung in gewachsener Orientierung, zur Verantwortung in gewonnener Veränderungsbereitschaft.

Die letzten Worte überließ Alexander Wolf dem Dichter Paul Celan mit dem Gedicht Corona”: Es ist Zeit, dass der Stein sich zu blühen bequemt.” Wartet nicht ab, so Wolf, fasst Mut, macht aus dem Möglichen mit eurer je eigenen Kraft das Wirkliche! Tut es beherzt und zugleich – jenseits aller Funktionalität und Leistungsmessung – mit Gemüt und Sinn für das Lebendige. Es ist Zeit, dass es Zeit wird.”

  • Der Musikpreis 2026 aus der Hand von Stifter Rudolf Reisch ging an Luisa Schwarz (im Bild) und Jonathan Walcher, die im vorigen Jahr mit dem Gatsby” sogar ein eigenes Musiktheater realisiert hatten.
  • Unangefochten vorne lag Simon Thal in etlichen Naturwissenschaften, für die es Preise und Gaben der entsprechenden Vereinigungen gibt.
  • Sarah Engel, beste Absolventin in Griechisch, war wohl kurz verdutzt über die Auszeichnung des Deutschen Altphoílologenverbandes.
  • Der Sozialpreis des Elternbeirates aus der Hand von Ulrich Wohlfarth ging an Judith Becker, die immer da war, wo es Aufgaben und ein Miteinander zu organisieren galt.
  • Joel Dorn und Emma Nordmeyer sprachen für den Jahrgang: Wer sind wir eigentlich? Versuchskaninchen? Ehrenrundler? Elite? Stephaner halt!
  • Eine Einladung zum hemmungslosen Vorwärtsleben” mit der richtigen Dosis Rückwärtsverstehen” sprach Elternsprecherin Carolin Nordmeyer den Abiturientinnen und Abiturienten aus.
  • Martina Wiegner, Oberstufenkoordinatorin und Märchenerzählerin” hatte die Schmunzler auf ihrer Seite, als sie in ihrer Rede alle Lehrernamen in ein Märchen packte.

Die Zeugnisverleihung vollzog sich würdig, heiter und überaus individuell. Der Name jeder Abiturientin und jedes Abiturienten erklang, Zeit für ein Erinnerungsfoto mit dem Schulleiter wurde geboten und Würdigungen und Preise überreicht. Anna Hartl (Latein), Sarah Engel (Griechisch), Simon Thal (Biologie, Physik), Johannes Simmons (Informatik) sowie Luisa Schwarz und Jonathan Walcher (Musik) wurden gewürdigt. Den Sozialpreis des Elternbeirats erhielt eine überraschte Schülerin des Jahrgangs, die an vielen Stellen sich für andere einbrachte und dabei doch immer ganz sie selber blieb. Mit dem Satz Wenn sie in eine Gruppe kommt, wird diese Gruppe stabil” drückte Ulrich Wohlfarth für den Elternbeirat aus, wofür Judith Becker geehrt wurde.

Ein Höhepunkt der Feier ist stets auch die Rede der Jahrgangssprecher, diesmal Emma Nordmeyer und Joel Dorn. Sie machten sich mit der Frage Wer sind wir?” auf die Suche nach sich selbst. Dabei betrachteten sie ihren Jahrgang als Mischung aus dynamisch, besserwisserisch, divers, exzentrisch”, als Versuchskaninchen der Gymnasialreformitis und als in der Stadt oft vorschnell abgestempelte Eliteschüler”. Am Ende blieb eine ganz schlichte und zugleich selbstbestimmte Antwort: Wer sind wir? Stephaner!”

Die Sprecherin der Elternschaft, stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende Carolin Nordmeyer, folgte einem Gedanken von Sören Kierkegaard, dass das Leben nur rückwärts verstanden werden kann, aber zugleich nur vorwärts gelebt werden kann. Über all den Rückwärtsgedanken lud sie ein zum Vorwärtsleben voll Mut, Ideen und Leidenschaft. Stürzt euch hinein!”

Die Oberstufenkoordinatorin Martina Wiegner schließlich bot den launigen Abschluss: Vor zwei Jahren hatte sie alle Namen der letzten G8-Absolvia in einer Verballhornungsgeschichte zusammengepackt, diesmal waren nun die Lehrer dran. Von Weilandsack!” bis zum tapferen Kapferle” reichten die Sprachpointen, garniert mit den Lachsalven der Zuhörerschaft.

Musikalisch reichhaltig umrahmt von den Absolventinnen und Absolventen ging die Feier über zu einem gemütlichen Zusammensein bei den heiß ersehnten kalten Getränken des Elternbeirats und den Köstlichkeiten der Gesunden Pause, wo sich Lehrer, Schüler und Eltern in vielen angenehmen, erinnernden und dankbaren Gesprächen begegnen durften.