Abiturlektüre hautnah erleben: „Der zerbrochne Krug”

  • Residenztheater München am Max-Josef-Platz: Gespannt lauschen die Literaturinteressierten der Einführung im Foyer des Theaters …
  • … wo Jette, Valentina, Charlotte und Livia (v. l. n. r.) voller Vorfreude auf den Beginn der Vorstellung warten: Kleists Der zerbrochne Krug”, Pflichtlektüre fürs Abitur 2027.
  • Gute Laune und große Vorfreude zeigt die Gruppe rund um Deutschlehrerin Alexandra Puhle, die den Theaterausflug in die Landeshauptstadt organisierte.
  • Deutsch- und Lateinlehrer Markus Müller diskutiert angeregt über die Inszenierung – oder geht es doch um die Verteilung der Tickets?
  • Zwischen roten Samtsesseln und der Hauptbühne beginnt ein besonderer Theaterabend, besucht von vielen Schülerinnen und Schülern.
  • Richter Adam, Schreiber Licht und Gerichtsrat Walter liefern sich eine hitzige Auseinandersetzung.

Am Dienstagabend, dem 30. Juni, hatte die Q12 die Möglichkeit, gemeinsam mit ihren Deutschlehrkräften Claudia Ehrenwirth und Alexandra Puhle sowie mit Matthias Ferber und Markus Müller das Lustspiel Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist im Residenztheater in München zu besuchen.

Der Abend begann auf dem Innenbalkon des Residenztheaters. Dort erhielten die Zuschauerinnen und Zuschauer eine kurze Einführung in das Stück sowie interessante Hintergrundinformationen. Im fiktiven niederländischen Dorf Huisum wird Dorfrichter Adam vom überraschenden Besuch des Gerichtsrats Walter aufgeschreckt. Ausgerechnet an diesem Gerichtstag bringt die Dorfbewohnerin Marthe Rull eine Klage vor: Am Vorabend ist im Zusammenhang mit einem unerlaubten Männerbesuch bei ihrer Tochter Eve ein Krug zerbrochen.

Marthe macht dafür Eves Verlobten Ruprecht verantwortlich. Dem Publikum ist jedoch von Anfang an klar, dass der wahre Schuldige auf dem Richterstuhl sitzt: Adam hatte versucht, Eve am Vorabend sexuell zu erpressen. Im Verlauf der Handlung verstrickt er sich zunehmend in Widersprüche, während er verzweifelt versucht, den Verdacht von sich abzulenken. Am Ende wird er jedoch von den übrigen Figuren entlarvt.

Gelungenes Zusammenspiel von Bühne und Kostümen

Die Bühne im Residenztheater bestand aus einer Drehbühne mit zwei Schauplätzen: Auf der einen Seite befand sich das Zimmer des Dorfrichters mit einem kleinen Vorraum, auf der anderen das schlicht eingerichtete Gerichtszimmer. Die beengende Atmosphäre wurde durch die düsteren Kostüme zusätzlich verstärkt. Lediglich Eves Kleid hob sich durch dezente blaue Farbakzente von den übrigen Kostümen ab.

Moderner Ansatz mit feministischem Schlussmonolog

Wie bereits in der Einführung angekündigt, endete die Inszenierung mit einem eigens vom Residenztheater verfassten Monolog Eves. Darin präsentiert sie sich als selbstbestimmte junge Frau und steht für feministische Emanzipation. Inwieweit dieses Selbstbild einer gesellschaftlich noch immer unterdrückten jungen Frau stimmig in die Handlung eingebunden ist, lässt sich durchaus diskutieren. Nichtsdestotrotz war der Theaterbesuch ein gelungener Abend und mit Sicherheit eine Bereicherung für die Abiturvorbereitung.