Adventsgedanken vom 19. Dezember

  • Advent – Zeit der Gedanken, die ein Tor ins Licht aufstoßen können

Vorweihnachtliche Gelassenheit

Als ich neulich mal wieder mit dem wie immer überfüllten Bus nach Hause fuhr, nickte ich auf meinem Platz ein. Der Bus musste an einer Haltestelle ruckartig bremsen, da schreckte ich aus meinem Halbschlaf auf.

Noch mit halb geschlossenen Augen beobachte ich im matten Ganglicht, wie ein betagter Herr sich mühsam mit hinkendem Bein nach hinten bewegt.

„Ach Gott, wie denn …, was soll das denn …, kein Respekt mehr …, Ach-diese-verdammte-Jugend-aber-auch …“ Schimpfend hinkt er dahin, als ich ihm einfach ins Wort fallen muss: „Entschuldigen Sie, gibt es ein Problem?“ – „Das fragst du? Dass sich keiner von euch nichtsnutzigen Jugendlichen für einen alten Mann erbarmt und ihm seinen Platz anbietet!“

Irgendwie muss mich das Genörgel des Alten hellwach gemacht haben. Ich sagte ganz ruhig: „Ach, wenn ich bloß ein bisschen mehr Wut im Bauch hätte, dann würde ich sie auch gerne anschreien!“ Gefasst und ruhig erwiderte er: „Da hast du aber recht. Also komm, mach Platz!“

Wenn wir im Alltag – und besonders jetzt in der Adventszeit – unseren Mitmenschen ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern, dann kommt dies zu uns zurück. Selbst vor Unbelehrbaren will ich nicht zurückschrecken. Vorweihnachtliche Gelassenheit ist ein starkes Argument.

Entstanden in der Schreibwerkstatt „Adventsgedanken“ der Jahrgangsstufe 10