Adventsgedanken vom 22. Dezember

  • Advent – Zeit der Gedanken, die ein Tor ins Licht aufstoßen können

Warmes Herz

Jeden Tag laufe ich an ihm vorbei. Ich nehme jeden Tag seine Stimme wahr und immer denselben Wortlaut. Seine Begrüßung wirkt bittend, fast flehend, doch keine Sekunde später bedankt er sich bei mir, sobald ich seinen Gruß erwidert habe.

Die seltsame Begegnung ist vorbei, doch weiß ich, dass sie sich am nächsten Tag aufs Neue abspielen wird. Die Gedanken an ihn suchen mich bereits am Abend heim.

Endlich frage ich bei ihr (sie ist eine Vertrauensperson, die nicht näher genannt werden muss) um Rat. „Diese Zeitschrift, die der verkauft, ist eigentlich ganz interessant. Aber mach’ dir keine Sorgen, der hat schon eine Unterkunft und etwas zum Essen“, sagt sie. Das beruhigt mich. Doch als ich ihn tags darauf wieder sehe, lassen mich die beunruhigenden Gedanken nicht los.

Zwei Minuten und ein kurzes Gespräch später ist diese seltsame Unruhe vorbei. Ich bin zwar um 2,50 Euro ärmer. Doch noch mehr als die gekaufte Ware bereichert mich das Gefühl einer neuen Bekanntschaft. Und der Gedanke, etwas Gutes endlich verstanden und auch getan zu haben – in diesem Advent.

Entstanden in der Schreibwerkstatt „Adventsgedanken“ der Jahrgangsstufe 10