Brechtbühne: Rap trifft Grundgesetz
„Erster Artikel, wird immer mehr vergessen.
Pass rein oder du wirst brechen.
Diese Blicke von allen Seiten,
die mich immer begleiten.
Ich weiß, ich bin nicht eure Norm,
Mädchen oder Junge? So abnorm.
Wieso sollte es euch interessieren,
Könnt ihr nicht akzeptieren?“ […]
Beim diesjährigen Brechtfestival standen Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums bei St. Stephan im Rampenlicht: Gemeinsam mit den „Young Rappers of Augsburg“ (u. a. von der Centerville-Schule und vom Gymnasium bei St. Anna) brachten sie das Grundgesetz auf eine ganz besondere Weise auf die Bühne. Unter dem Titel „Alle haben Rechte! Oder?“ setzten sich die Jugendlichen intensiv mit Fragen von Demokratie, Gleichheit und Meinungsfreiheit auseinander – und verwandelten ihre Gedanken in Rap-Texte.
Im Rahmen eines Workshops beschäftigten sich die Teilnehmenden zunächst mit zentralen Artikeln des Grundgesetzes. Schnell wurde deutlich, dass die darin formulierten Rechte im Alltag nicht immer von allen Menschen gleich erlebt werden. Aus diesen Diskussionen entstanden mit Unterstützung des Wortakrobaten Stefan Beckenbauer (aka „Der laute Gast“) persönliche Texte, die Wut, Hoffnung und den Wunsch nach mehr Gerechtigkeit ausdrücken.
Musikalisch begleitet wurden die jungen Rapperinnen und Rapper von der eigens für den Auftritt gegründeten „Grundgesetz-Band“ des Gymnasiums bei St. Stephan unter der Leitung von Bastian Walcher. Auf der Brechtbühne des Staatstheaters Augsburg präsentierten sie ihre Stücke, die in Zusammenarbeit mit den Profimusikern Tilman Herpichböhm, Jan Kiesewetter und Tom Jahn entstanden waren, vor Publikum und zeigten eindrucksvoll, wie politische Bildung, Musik und Kreativität zusammenfinden können.
Die ideengebende Kraft dahinter ist Ute Legner, Projektleiterin des Musikvermittlungsprogramms „Mehr Musik!“ der Stadt Augsburg. Ihr ist seit Jahren die musische Bildung junger Menschen ein Anliegen. Schon bei Brechts Schulopern sieht Legner, dass ihm die musikalische Ausbildung junger Menschen mit Gemeinschaftserlebnissen ebenfalls ein großes Ziel war.
Das Projekt machte deutlich: Wenn junge Menschen Raum bekommen, ihre Ideen künstlerisch auszudrücken, entstehen starke Stimmen – und ein lebendiger Zugang zu den Werten unserer Demokratie.