Dornen mit Rosen

  • Eine erblühte Orchidee zeigte bei den ökumenischen Adventsgottesdiensten, wie das Warten „Früchte“ hervorbringen kann: Ein zutiefst adventlicher Gedanke.
  • Kahle Zweige können – ganz in der Tradition der adventlichen Barbarazweige – auch im Winter zum Blühen gebracht werden, wenn sie Wasser und Licht bekommen: Diese adventliche Gabe durfte jede Schülerin und jeder Schüler mit nach Hause nehmen.

„Wann ist denn nur endlich Weihnachten?“, hört man zur Zeit aus so manchem (Kinder-)Mund. Kein Wunder, gibt es doch die Lebkuchen und Spekulatius schon seit Monaten im Supermarkt, die Christbäume erstrahlen seit Anfang Dezember und die Weihnachtsmärkte eröffneten mancherorts Mitte November. Mit diesen Gedanken eröffneten die diesjährigen ökumenischen Adventsgottesdienste ihre Gedanken zum herannahenden Weihnachtsfest.

Dabei ist die Adventszeit die Zeit des Wartens auf die Ankunft des Herrn. Doch das Warten fällt uns zunehmend schwerer. Alle Wünsche sollen möglichst gleich erfüllt werden. Der Lebenstakt wird immer schneller, alles soll gleich gelingen. Aber vieles braucht Geduld. Geduld mit sich selbst und auch mit den Mitmenschen. In das ein oder andere Unterrichtsfach muss man sich erst einarbeiten, es fällt einem vielleicht anfangs schwer, doch wenn man genug Ausdauer mitbringt und nicht vorschnell aufgibt, kann einem mancher Durchbruch gelingen. Auch Freundschaften müssen sich langsam entwickeln und hat man dann einen guten Freund gefunden, braucht es auch hier manchmal Geduld mit dem anderen.

Dass man Warten können muss, sieht man auch in der Landwirtschaft: An den Ähren zu ziehen, damit sie schneller wachsen, ist nicht erfolgversprechend, wie wir in einer Geschichte aus China hörten. Und auch so mancher Obstbaum benötigt einige Jahre, bevor er Früchte trägt (so auch im Gleichnis vom Feigenbaum im Lukasevangelium, Kapitel 13). Der Dornwald, durch den Maria ging, trug sieben Jahre kein Laub, aber dann endlich erblühten die Rosen. Und auch eine Orchidee sollte nicht gleich weggeworfen werden, wenn sie abgeblüht ist. Manchmal muss man lange warten, aber irgendwann erscheint ein neuer Trieb.

Am Ende des Gottesdienstes, nach gemeinsamen Texten, Liedern und Gebeten, erhielt jede Schülerin und jeder Schüler einen Zweig, den man zu Hause ins warme Wasser stellen kann. Und wenn man lange genug wartet, erscheinen sicher irgendwann die ersten grünen Blättchen.

Damit wünschen die Religionslehrer von St. Stephan allen Schülern und Eltern ein besinnliches und ruhiges Weihnachtsfest und viel Geduld mit sich selbst und den Kindern und Jugendlichen!