Ein denkwürdiger Tag – KZ-Gedenkstätte Dachau

  • Blicke direkt hinein in den Lageralltag: Der Besuch der KZ-Gedenkstätte in Dachau bringt Eindrücke, denen man sich stellen muss.
  • Das Denkmal „Der unbekannte Häftling“ von Fritz Koelle ist ebenfalls sehr beeindruckend.
  • In den zugänglichen Baracken ist die Beklemmung und Entwürdigung für viele Besucher mit Händen zu greifen.

Am 29. April begingen wir, 127 Neunt- und Zehntklässler, nach einer zweijährigen, coronabedingten Pause einen weiteren Schritt zurück zur Normalität. Auf den Tag genau 77 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Dachaus durch die 7. US-Armee war uns durch eine Exkursion der Besuch der dortigen Gedenkstätte gestattet.

Bereits in den Häftlingsbaracken sahen wir die menschenunwürdigen Lebensbedingungen. Kaum vorstellbar: In den ursprünglich für jeweils 52 Menschen entworfenen sogenannten „Stuben“ einer Baracke hatten schlussendlich über 300 Inhaftierte wie Juden, politische Gegner und Geistliche gelitten. Neben der Peinigung durch Lageraufseher waren vor allem Krankheiten, z. B. Typhusepidemien, an der Tagesordnung. Noch erschütternder wirkte jedoch das Krematorium auf uns Schülerinnen und Schüler. In mehreren Öfen gleichzeitig waren die Leichen der im Lager zu Tode gekommenen Inhaftierten verbrannt worden.

Daraufhin konnten wir die ebenfalls in der „Baracke X“ befindliche und 1942 errichtete Gaskammer mit eigenen Augen wahrnehmen. Die bloße Existenz und der Anblick eines solchen Instruments stellte für alle eine zutiefst bedrückende Erfahrung dar. Eine völlig andere Art des Gedenkens erwartete uns Mittelstufenschülerinnen und -schüler in den verschiedenen Orten des Glaubens mehrerer Religionen und Konfessionen auf dem Gelände der Gedenkstätte. Ein Besuch in der Evangelischen Versöhnungskirche oder den anderen religiösen Gedenkorten ermöglichte es uns über das Gesehene nachzudenken und in der Stille neue Kraft zu schöpfen. Als eine greifbarere Erfahrung zeigte sich allerdings der durch die Erlebnisse von Zeitzeugen gestützte Besuch des Lagergefängnisses. Besonders erschreckend: Die in Einzelhaft isolierten Häftlinge waren teilweise mitten in der Nacht geweckt und auf dem Hof erschossen worden. Anschließend konnten wir anhand der realitätsnahen, aber aufgrund des unsagbaren Grauens surreal wirkenden Originalaufnahmen und Augenzeugenberichte des Films der Gedenkstätte einen Eindruck des tatsächlichen Alltags im Lager gewinnen.

Nach dem Ende des durch die Lehrkräfte geführten Teils der Exkursion entschloss sich ein Großteil von uns – teils nach einem Zwischenstopp im Bistro – zum Besuch der Museumsausstellung. Auch wenn die Hälfte dieser aufgrund einer für den Nachmittag angesetzten Gedenkveranstaltung für uns nicht zugänglich war, wurde die Geschichte des Lagers und des Holocaust in Details, Zahlen und durch historische Quellen und Dokumente erfahrbar. Resümierend lässt sich eines feststellen: Auch wenn wir alle über die Gräueltaten der Nationalsozialisten und das Leiden der unrechtmäßig inhaftierten Minderheiten in Konzentrationslagern im Geschichtsunterricht aufgeklärt worden waren, zeigte sich beides in Dachau noch einmal in einem vollständig anderen Licht. Somit ist eine schulische Exkursion in eine Gedenkstätte ein unverzichtbarer Bestandteil für die Erinnerungsarbeit.