Ein ganz gewöhnlicher Jude

  • Ein-Mann-Theater für die Q11: „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ von Charles Lewinsky
  • Der jüdische Journalist Emanuel Goldfarb, gespielt von Matthias Klösel, gerät in inneren Aufruhr: Was heißt es, ein „ganz gewöhnlicher Jude“ zu sein?
  • In seinem Monolog tastet sich Goldfarb an die Aufgabe heran, vor einer Schulklasse Rede und Antwort zu stehen in der Frage, wie man nach der Nazi-Diktatur in Deutschland als Jude überhaupt leben kann.

Am letzten Freitag vor der Corona-Pause, am 13. März 2020, erlebte die gesamte Q11 ein Theaterstück der besonderen Art. Schauspieler Matthias Klösel von der Theaterwerkstatt Augsburg spielte das Ein-Mann-Theater „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ von Charles Lewinsky.

Im Mittelpunkt steht der jüdische Journalist Emanuel Goldfarb, der im Nachkriegsdeutschland nichts weiter sein möchte als ein ganz gewöhnlicher Mensch, ein ganz gewöhnlicher Deutscher, ein ganz gewöhnlicher Jude. Als er von einem Lehrer eingeladen wird, seinen Schülern die Begegnung mit einem „ganz gewöhnlichen Juden“ zu ermöglichen und von seinem Leben als Jude zu erzählen, gerät Goldfarb in Zweifel: Macht ihn denn nicht schon die Rolle als „ganz gewöhnlicher Jude“ zum Außenseiter? Es sind nicht antisemitische Vorurteile, sondern gerade die ostentative Judenfreundlichkeit, die überall spürbaren „Samthandschuhe“, die ihn fast aggressiv werden lassen. In einem Monolog entfaltet Goldfarb, Sohn zweier Holocaust-Überlebender, seine Hin- und Hergerissen-Sein zwischen betonter Anpassung und trotzigem Pochen auf jüdische Traditionen.

Das Stück beschäftigt sich mit dem Antisemitismus der Gegenwart und stellt aus sehr persönlicher Perspektive Fragen an die Gesellschaft. Formulierungen, Denk- und Verhaltensweisen werden auf ihren Gehalt hin geprüft und es wird eindringlich verdeutlicht, warum Jude zu sein in Deutschland immer noch nicht „gewöhnlich“ ist – und lässt offen, ob es das jemals sein kann.

Klösel zeigt den Menschen in seiner historischen Dimension, wirft Fragen auf, hinterlässt aber einen klaren gesellschaftlichen Auftrag: Sprecht miteinander! So gab es auch im Anschluss an das Stück die Möglichkeit, mit Klösel über die Inhalte zu sprechen und Leerstellen zu durchdenken.

Das Stück schuf spielerisch und doch mit Tiefe Verknüpfungen zwischen künstlerischer und dialogischer Auseinandersetzung.