Ein Geburtstag und vier spannende Tage

  • Beim Jubiläum 60 Jahre Städtepartnerschaft mit Nagahama und Amagasaki bieten die Stephaner ein Oboenkonzert von Vivaldi. (Quelle: Ruth Plössel / Stadt Augsburg)
  • Blicke auf das japanische Gastorcherster im Goldenen Saal des Rathauses (Quelle: Ruth Plössel / Stadt Augsburg)
  • „Open Lesson“, gemeinsames Probenkonzert mit jungen Musikern aus Augsburg und Amagasaki unter der Leitung des renommierten japanischen Dirigenten Professor Eiji Oue (Quelle: Annette Zoepf / Stadt Augsburg)
  • Professor Eiji Oue bei der Darbietung der Ouverture der „Meistersinger“ (Quelle: Annette Zoepf / Stadt Augsburg)

Die Städte Augsburg und Amagasaki liegen etwa 9200 km auseinander, sind sich aber dennoch in den letzten 60 Jahren durch ihre Städtepartnerschaft immer wieder nahe gekommen. Im Mai konnten nun die beiden Städte zusammen mit Nagahama den 60. Geburtstag dieser Städtepartnerschaften feiern. Mit den offiziellen Delegationen aus Nagahama und Amagasaki reisten noch 30 jugendliche Musikerinnen und Musiker aus der Sosei Senior Highschool und der Amagasaki Municipal High School nach Augsburg: eine musikalische Begegnung der besonderen Art für die Bläser unseres Orchesters.

Zusätzlich wurde durch eine großzügige Zuwendung der Yamaoka-Stiftung, die in Augsburg bereits den Rudolf-Diesel-Gedächtnishain im Wittelsbacher Park stiftete, den Schülerinnen und Schülern aus Amagasaki zusammen mit unseren Schülerinnen und Schülern die einmalige Gelegenheit geboten, eine „open lesson“ mit dem japanischen Stardirigenten Eiji Oue zu erleben.

Am Donnerstag, den 9. Mai ging es für die Gäste vom Flughafen, nach einem Zwischenstopp im Wittelsbacher Park, zur Begrüßung durch ihre Gastfamilien. Daheim angekommen konnte man sich dann beim Abendessen gegenseitig besser kennenlernen.

Der Freitag bot dann sogleich die Gelegenheit bei einer gemeinsamen Probe musikalisch aufeinander zuzugehen. Beide Orchester probten zusammen die Ouvertüre der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ von Richard Wagner.

Der Auftakt zur offiziellen Geburtstagsfeier fand dann am Abend im Goldenen Saal des Rathauses statt, der passend mit japanischen Bonsai-Bäumchen dekoriert war. Das Orchester des Gymnasiums bei St. Stephan durfte mit einem Oboenkonzert von Vivaldi, das meisterlich von Anna Mangold und Sophie Olbrich dargeboten wurde, den Abend eröffnen.

Zum Abschluss des Festaktes spielten beide Orchester zusammen die Meistersinger-Ouvertüre in einer Fassung für Bläserorchester.

Der Goldene Saal war direkt am nächsten Tag Schauplatz einer besonderen „Öffentlichen Musikstunde“. Unsere japanischen Gäste erarbeiteten zusammen mit ihren Gastgebern noch einmal die Meistersinger-Ouvertüre diesmal aber unter der Leitung des japanischen Dirigenten Prof. Eiji Oue, der als erster japanischer Dirigent überhaupt zu den Bayreuther Festspielen eingeladen wurde. Es ist ihm ein Anliegen, Jugendlichen „Musik als universelle Sprache“ näher zu bringen, was er durchaus schon einmal in drei verschiedenen Sprachen – japanisch, deutsch und englisch in einem Satz – versuchte. Die Zuhörer durften zwei Stunden lang einen leidenschaftlichen Dirigenten erleben, der den jugendlichen Musikern einiges abverlangte und sich zum Abschluss des „open lessen concerts“ sehr zufrieden ob der erbrachten gemeinsamen Leistung zeigte. Beim Mittagessen im Rathaus wurden dann unzählige Selfies und Gruppenfotos mit diesem wirklich charmanten und nahbaren Musikprofessor gemacht.

Den freien Nachmittag nutzten die Jugendlichen dann, um den Gästen die Stadt Augsburg und Umgebung, diverse Supermärkte und die City Galerie zu zeigen. Gerüchten zufolge sollen die Schokoladen- und Süßwarenabteilungen einiger Augsburger Supermärkte deutlich geplünderte Regale am Samstagabend aufgewiesen haben. Viele haben auch die Gelegenheit genutzt, den japanischen Gästen einige bayerische Spezialitäten wie Leberkäse, Brezen, Spätzle und Weißwürste samt süßem Senf näher zu bringen.

Sonntags stand dann noch der obligatorische Besuch im Schloss Neuschwanstein auf dem Programm. Leider war das Wetter nicht besonders gnädig: 2 Grad Celsius und Schneefall sind eigentlich für Mitte Mai nicht üblich.

  • Die Bürgermeisterin von Amagasaki Kazumi Inamura zusammen mit Herrn Stegmann und einer Übersetzerin
  • Ein Ständchen des japanischen Gastorchesters
  • Der Dank von Schulleiter Stegmann (links) an das japanische Gastorchester aus Amagasaki
  • Die Schüler der Amagasaki Municipal High School singen spontan ein japanisches Volkslied ...
  • ... welches mit vielen Gesten untermalt wird.
  • Das bayerische Essen hat auch den Gästen allen geschmeckt.
  • Das gesamte japanische Bläserorchester
  • Völkerverständigung ganz ohne Worte
  • Fachgerechtes Zerteilen von Weißwürsten will gelernt sein ....

Am Abend fand dann noch die große Farewell Party in der Kleinen Aula und der Mensa unserer Schule statt. Sogar die Oberbürgermeisterin von Amagasaki, Kazumi Inamura, und der Vorsitzende der Yamaoka-Stiftung, Takehito Yamaoka, waren gekommen, um zusammen mit unserem Schulleiter Bernhard Stegmann ein paar Gruß- und Dankesworte zu sprechen.

„Ein Austausch zwischen zwei Ländern bedeutet nicht nur, dass man andere Kulturen besser kennenlernt, sondern auch sich selbst“, betonte Kazumi Inamura.

Unsere japanischen Gäste hatten für uns Gastgeber ein bayerisches Ständchen, einen amerikanischen Klassiker und ein japanisches Stück „Hana wa Saku“ (Die Blumen werden blühen) einstudiert. Das japanische Stück wurde von Musikern komponiert, die direkt vom schrecklichen Erdbeben im März 2011 in Fukushima betroffen waren.

Den letzten Abend ließen alle dann bei bayerischem Essen in unserer Mensa ausklingen. Spontan fanden sich einige zu einem Fußballspiel auf dem Sportplatz zusammen und die Schüler der Amagasaki Municipal Highschool gaben eine Choreinlage eines japanischen Volksliedes.

Leider war der japanische Besuch sehr kurz, aber dafür umso intensiver für beide Seiten. Trotz großer Müdigkeit und nach anfänglichen Kommunikationsschwierigkeiten, die unter Zuhilfenahme von Händen, Füßen, Englisch und diverser Übersetzungsapps gemeistert wurden, entwickelte sich ein sehr herzlicher Kontakt mit unseren Gästen aus dem Land des Lächelns.

Alle hatten bis zum Abschied am sehr frühen nächsten Morgen auch „Auf Wiedersehen“ gelernt. Die Bedeutung hatte Herr Stegmann in seiner Rede am Vorabend erläutert.

Alle Beteiligten würden sich sehr auf ein solches „Wiedersehen“ in der Zukunft freuen, gerne auch im Heimatland unserer Gäste.

Der Dank geht an alle Gasteltern und an alle Helfer, die am Samstag unermüdlich die Instrumente wieder in die Schule zurückgefahren haben, und natürlich an Dr. Graba für die tolle Organisation.