Ein „silbernes Band“ zwischen Bayern und Epirus
Gut gelaunt und mit einem Koffer voller Vorfreude machte sich die Gruppe aus zehn Schülerinnen und Schülern sowie zwei Lehrkräften am Samstag, den 14. März, auf den Weg nach Griechenland. Ziel: Die wunderschöne Stadt Ioannina im Nordwesten des Landes. Nach der Landung in Thessaloniki und einer längeren Busfahrt wurden wir in Ioannina am Modellgymnasium Sosimäas äußerst herzlich empfangen. Die Austauschpartner hatten sich schnell gefunden und freudig begrüßt. Es war uns bereits jetzt klar, dass uns eine erlebnisreiche und gelungene Woche bevorstehen würde.
Der Sonntag durfte mit den Gastfamilien verbracht werden, und wurde von den meisten für einen Ausflug nach Nikopolis genutzt. Die antike Stadt wurde von Octavian, dem späteren Kaiser Augustus, nach seinem Sieg in der Seeschlacht von Actium gegründet und war einst ein bedeutendes Zentrum der Region. Von dort ging es weiter nach Preveza ans Meer – bei strahlendem Sonnenschein, Meeresrauschen und gutem Essen ließen viele den Tag ausklingen.
Am Montag lernten wir die Schule näher kennen: In der Turnhalle wurde bei Kennenlernspielen schnell das Eis gebrochen. Auch der Unterricht kam nicht zu kurz: In einer gemeinsamen Altgriechischstunde erarbeiteten sich die Schülerinnen und Schüler die Schildbeschreibung aus der Ilias – passend zu unserem diesjährigen gemeinsamen Austauschmotto „Silber“. Es folgten interessante Schülerpräsentationen über Ioannina, seine Geschichte sowie über die Zosimades-Brüder, bedeutende Förderer der Stadt und Namensgeber unserer Austauschschule. Ein weiteres Highlight war der anschließende Ausflug zur antiken Orakelstätte von Dodona, dem ältesten Orakel Griechenlands, in dem einst die rauschenden Blätter der heiligen Eiche des Zeus als Stimme des Gottes gedeutet wurden.
Der Dienstag stand ganz im Zeichen von Kreativität und Moderne: Im Kunstunterricht fertigten wir nach dem Vorbild der antiken Orakeltäfelchen von Dodona eigene Täfelchen an. Auf solchen Täfelchen schrieben die Menschen ihre Fragen an das Orakel. Danach ging es zur Universität, wo wir nicht nur griechische Tänze lernten (mit viel Gelächter und erstaunlichem Rhythmusgefühl), sondern auch in die Zukunft eintauchten: Mithilfe von Virtual-Reality-Brillen erkundeten wir eine Art digitales Museum zu griechischen Tänzen, das derzeit von Studierenden entwickelt wird.
Am Mittwoch erfuhren wir Spannendes zur Geschichte und dem Handwerk der Region. Im archäologischen Museum bestaunten wir zahlreiche Funde aus der Antike und konnten auch die originalen Orakeltäfelchen sehen. Besonders eindrucksvoll war jedoch der Besuch im Silberschmiedemuseum. Ioannina ist für seine Tradition des Silberschmiede-Handwerks bekannt: Fein gearbeiteter Schmuck und kunstvolle Alltagsgegenstände zeugen davon. Passend zu unserem Austauschmotto „Silber“ durften die Schülerinnen und Schüler in einem Workshop sogar selbst kleine Wachsfiguren für dekorative Silberbäume gießen.
Auch der Donnerstag hatte einiges zu bieten: Im Chemieunterricht stellten die Schülerinnen und Schüler selbst „Slime“ her. Anschließend ging es zur beeindruckenden Tropfsteinhöhle von Perama, deren faszinierende Formationen für Staunen sorgten. Weiter führte uns der Tag zur Insel im Pamvotis-See, wo wir das Museum von Ali Pascha und der Revolutionszeit besuchten. Eine kurze Bootsfahrt (nicht ohne vorherigen Baklava-Kauf!) brachte uns zurück ans Festland. Das gemeinsame Abendessen mit Schülern, Eltern und Lehrkräften bildete den stimmungsvollen Abschluss der gelungenen Woche.
Auf unserer Rückfahrt nach Thessaloniki legten wir einen Zwischenhalt in Vergina, der antiken Hauptstadt der Makedonen ein, um in dem beeindruckenden archäologischen Museum die Königsgräber der Makedonen anzusehen. Besonders sehenswert war das Grab von Philipp II., Vater von Alexander dem Großen.
Am Freitag mussten wir schweren Herzens Abschied nehmen, doch es bleibt – getreu nach unserem Austauschmotto – ein „silbernes Band“ zwischen Bayern und Griechenland. Wir bedanken uns bei unseren Gastgebern für die große Herzlichkeit und die schöne Zeit!