„Elias”: Bilder, gemalt mit Musik
Gerade heißt es noch begeistert: „Dank sei dir, Gott, du tränkest das durst’ge Land“, und wenig später tönt es schon dramatisch: „Wehe ihm, er muss sterben!“ – der Große Chor und das Große Orchester von St. Stephan führten unter der Leitung von Dr. Ulrich Graba ihr Publikum mit dem Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy in kürzester Zeit durch alle Emotionen.
Das Werk kombiniert barock anmutende Fugen mit romantisch-innigen Chören und macht so eine Jahrtausende alte Geschichte lebendig: Der alttestamentliche Prophet Elia kämpft gegen den Götzendienst und sendet als Strafe eine Dürre, bis das Volk Israel nach dem berühmten Feuerwunder auf dem Berg Karmel Jahwe als den einzig wahren Gott erkennt. Doch danach muss er vor der Rache der Königin in die Wüste fliehen, wo er Gott begegnet und schließlich in einem Feuerwagen in den Himmel entrückt wird.
Mendelssohn malt mit seiner Musik regelrecht Bilder zu der biblischen Handlung, indem er zum Beispiel die Melodie bei Elias’ Auffahrt zum Himmel wie den „feurigen Wagen“ steil nach oben steigen lässt oder durch eine Generalpause nach den Baalsanrufungen dem Publikum dessen Inexistenz zeigt. Und auch das Engelsterzett „Hebe deine Augen auf zu den Bergen“ klingt durch seine Komposition genauso schwebend und leicht, wie man es sich bei dem Namen vorstellt.
Ein so anspruchsvolles und langes Werk in großen Auszügen mit Schulensembles in der am 22. März dargebotenen Qualität aufzuführen, ist alles andere als selbstverständlich und zeugt von der Begeisterungsfähigkeit der Schüler sowie vom unermüdlichen Einsatz der Musiklehrkräfte.
Vor allem sind hier Ulrich Graba und Dobrochna Payer zu nennen, ohne die solche Aufführungen nicht möglich wären. Aber nicht nur die Aufführung eines solchen Stücks ist besonders, sondern auch die Tatsache, dass sämtliche Solopartien von Schülern von St. Stephan übernommen wurden. Die Rolle des Elias wurde von Samuel Winckhler (Q12) und Raphael Unger (Q13) übernommen, während Christoph Immler (Q13) beide Tenorpartien von Obdajah und Ahab sang. Im Sopran waren Giulia Heißler und Victoria Wohlfarth und im Alt Johanna von Ciriacy-Wantrup (alle Q13) zu hören.
Belohnt wurden der große Einsatz durch eine gut gefüllte Zwölf-Apostel-Kirche in Hochzoll und begeisterten Applaus zum Schluss. Und wenn das Konzert auch für manche mitten in die Klausurenphase fiel, so sind es doch Abende wie jener Sonntag, der 22. März 2026, an die man sich auch noch erinnern wird, wenn alle Klausuren längst vergessen sind. Ein Hoch also auf die klassische Musik!