Erinnerung an Wolfgang Bernheim

  • Gäste bei der Enthüllungsfeier des Erinnerungsbandes legen Blumen für Wolfgang Bernheim in das Erinnerungszeichen.
  • Bei der kleinen Feier im Klosterfoyer von St. Stephan sprach auch Br. Lambertus als Vertreter der niederländischen Benediktinerabtei Vaals, der Wolfgang Bernheim als Frater Paulus angehörte.
  • Erinnerungszeichen für Wolfgang Bernheim: Seine letzte in Augsburg gemeldete Adresse war das Internat von St. Stephan, Stephansplatz 6.

Seit einigen Wochen ist an einem Pfosten bei der Grünanlage am Stephansplatz ein „Erinnerungsband“ angebracht; Erinnerungbänder stellen eine Augsburger Variante der „Stolpersteine“ dar und erinnern wie diese an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors. Das Studienseminar St. Joseph bei St. Stephan, Stephansplatz 6 war die letzte Augsburger Meldeadresse von Wolfgang Bernheim, der in einem polnischen Arbeitslager ermordet wurde.

Mehr als 75 Jahre danach, am 18. Mai 2018 um 16.30 Uhr, wurde das Erinnerungsband an Wolfgang Bernheim feierlich enthüllt. Anwesend waren Verwandte, die zum Teil bis aus den Vereinigten Staaten angereist waren – unter ihnen auch Wolfgangs Halbschwester Ursula (*1935), die in Zürich lebt – sowie Vertreter der niederländischen Benediktinerabtei Vaals.

Wolfgang Bernheim (1923-1942): Lebensstationen

  • Wolfgang Bernheim wird am 7. Mai 1923 im Augsburger Wöchnerinnenheim an der Gögginger Straße geboren. Seine Eltern sind Karolina und Kurt Bernheim, der in der gleichnamigen Pferseer Familienfirma arbeitet.
  • Am 23. Mai 1928 erklärt Kurt Bernheim für sich und seinen Sohn Wolfgang den Austritt aus der israelitischen Kultusgemeinde. Am gleichen Tag wird Wolfgang in der katholischen Pfarrkirche Herz Jesu in Pfersee getauft.
  • Wolfgang tritt im September 1933 in die Klasse 1b des Gymnasiums bei St. Stephan ein. Als sein Vater Kurt mit dessen zweiten Frau Anna im Juli 1937 nach München umzieht, wohnt Wolfgang seit dem Schuljahr 1937/38 als Vollinternatsschüler im Studienseminar St. Joseph bei St. Stephan.
  • Da jüdische Schüler nach den Rassengesetzen der Nationalsozialisten vom 15. November 1938 an kein Gymnasium mehr besuchen dürfen, muss auch Wolfgang das Gymnasium bei St. Stephan verlassen.
  • Wegen fehlender Ausreisepapiere scheitert der Versuch, zu seinem inzwischen nach Zürich ausgewanderten Vater zu gelangen. Von Köln aus beantragt Ende 1939 Wolfgang ein Visum für die Niederlande, wo er in der Benediktinerabtei Vaals (Provinz Limburg) zunächst sein Abitur nachholt.
  • Am 11. April 1941 beginnt er mit einem positiven Leumundszeugnis aus St. Stephan das Postulat in Vaals. An Allerheiligen 1941 wird Wolfgang Bernheim eingekleidet und erhält den Ordensnamen Frater Paulus.
  • Im August 1942 wird er – wie alle getauften Juden – von den deutschen Besatzungsbehörden aufgefordert, sich zu melden. Ein Mitnovize, der Kontakte zum Widerstand besitzt, drängt ihn, sich zu seinem Vater in die Schweiz bringen zu lassen. Der Abt des Klosters weist jedoch Frater Paulus auf die Gefahr hin, in die er sein Kloster durch die Flucht bringen kann, und fordert ihn auf, „sich für das Kloster zu opfern“.
  • Am 25. August wird Frater Paulus mit einem Bus nach Maastricht abtransportiert und am folgenden Tag in das Durchgangslager Westerbork eingeliefert. Von hier wird er am 28. August mit dem Zug in Richung Auschwitz deportiert.
  • Am Nachmittag des 29. August wird er in Kosel (Koźle), das etwa 50 km vor Auschwitz liegt, mit 157 anderen Männern aus dem Zug geholt und in das Arbeitslager Sakrau überstellt. Nach dem Bericht eines überlebenden Augenzeugen wird er dort im Oktober / November 1942 ermordet.
  • Auszug aus dem Jahresbericht 1938/39 von St. Stephan mit dem Datum im November 1938, zu dem Wolfgang Bernheim die Schule verlassen musste.
  • Die Bernheims in einem alten Familienfoto von 1936: links Wolfgang als 13-Jähriger, in der Mitte seine Halbschwester Ursula und rechts sein Halbbruder Peter