„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

  • Die Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der nationalsozialistischen Bücherverbrennung vom Mai 1933 fand dieses Jahr wieder im Atriumhof des Hauptbaues statt: Schülerinnen und Schüler der Q11 erinnern alle 9. Klassen an das damalige Geschehen.
  • Den destruktiven „Feuersprüchen“ von 1933 setzen die jungen Stephanerinnen und Stephaner ein symbolisches „Rückkehrzeichen“ entgegen.
  • Unter den Gästen befanden sich neben den 9. Klassen die beiden Austauschgruppen aus Griechenland und Italien: Ein zutiefst gesamteuropäisches Ereignis.
  • Und so erklang die Europahymne, Beethovens „Ode an die Freude“, aus den oberen Stockwerken. Von dort waren zuvor Flugblätter gefallen, auf denen die Europahymne zum Mitsingen für alle greifbar wurde.

Erinnern und Gedenken ist auch immer, wie es Erich Kästner schon sagte, eine Gedächtnisübung. Die Vergangenheit einer Nation ist Teil eines kulturellen Gedächtnisses, das das Handeln und Selbstverständnis auch in der Zukunft begleitet.

Nun gibt es am Gymnasium bei St. Stephan seit langen Jahren eine Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die nationalsozialistische Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933. Schülerinnen und Schüler der Q11 laden alle 9. Klassen in den Innenhof und ermöglichen eine Begegnung mit den damals verfolgten Autoren. Sie geben denen ihre Stimme zurück, die mundtot gemacht werden sollten.

Die Gedenkfeier zur Bücherverbrennung ist im Sinne Erich Kästners aber auch eine Andachtsübung, eine Besinnung auf das, was war. Auf das, was nicht sein sollte und trotzdem geschehen ist. Doch Andachtsübungen mahnen, erinnern und rufen ins Gedächtnis. Erinnerung soll aber insbesondere ein Wegweiser sein, zum Handeln anregen – sich für und gegen etwas einzusetzen.

Einige Schüler und Schülerinnen der Q11 mischten dieses Erinnern mit der guten Tat. Sie zeigten symbolisch Mut, nicht nur gegen das Vergessen, sondern auch für die Tat – die gute Tat. Denn, wie Kästner sagt: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Es war den Akteuren ein Anliegen, durch die Entnahme der Bücher aus der symbolischen Flamme ein Zeichen zu setzen, es vorzumachen und den sogenannten „Feuerspruch“ von 1933 ins Gegenteil verkehren. Für den Erhalt von Freiheit, Frieden, Menschenrechten und Diversität riefen die Schülerinnen und Schüler gegen die Feuersprüche an. Im Anschluss daran lasen sie jeweils einen kleinen Ausschnitt aus den Werken verbrannter Autoren wie Karl Marx, Bertolt Brecht und Sigmund Freud.

Am Ende flogen in Anlehnung an den Widerstand der Weißen Rose Liedtexte aus dem ersten Stock ins Atrium hinunter. Zeitgleich trompeteten Lucas Güntheroth (Q12) und Kilian Schmid (Q11) die „Ode an die Freude“ von Ludwig van Beethoven, die nun alle gemeinsam singen konnten. Im Beisein der derzeit anwesenden Austauschgruppen aus Griechenland und Italien erklang die Europahymne – gegen Nationalismus und für Solidarität.