Highlights aus der Kunst 2026/2: Kunst im Herzen der Stadt
Seminar-Projekt: Umgestaltung des Ernst-Reuter-Platzes
Im Rahmen unseres P‑Seminars „Kunst im öffentlichen Raum“ setzten wir uns intensiv mit den Herausforderungen auseinander, mit denen Künstler und Architekten in ihrer Berufspraxis konfrontiert werden. Als Einstiegsprojekt beschäftigten wir uns mit der Neugestaltung der Freifläche vor der Bibliothek am Ernst-Reuter-Platz. Bei der Entwicklung eines Entwurfs müssen zahlreiche Aspekte berücksichtigt werden, um den Bedürfnissen aller Altersgruppen und der Bevölkerung gerecht zu werden.
Am Beispiel von Josefines Entwurf zeigt sich, wie eine vertraute Fläche durch einen innovativen Ansatz neu gedacht werden kann. Sie erläutert ihren Entwurf wie folgt: „Ich orientierte mich an den Prinzipien klimaresilienter Stadtplanung. Die großzügige Freifläche des Platzes soll unter bestmöglichen Bedingungen genutzt werden – sowohl vertikal als auch horizontal. Ein wesentlicher Bestandteil meines Konzepts ist die umfangreiche Begrünung des Areals, die dazu beitragen soll, das sommerliche Stadtklima zu mildern und den Ernst-Reuter-Platz sowie unsere Bibliothek zu einem beliebten und belebten Treffpunkt zu machen.” Abschließend wurden unsere Entwürfe vom Herrn Engelhard vom städtischen Bauamt beurteilt. Wir hatten die Möglichkeit hilfreiche Feedbacks zu bekommen und uns interessierende Fragen über die Arbeitswelt zu stellen.
Elias verfolgte in seinem Projekt einen anderen Ansatz. Er beschäftigte sich mit dem historischen Kontext des Platzes und genauer mit der Person, nach der er benannt ist: Ernst Reuter war Bürgermeister Berlins zur Zeit der Teilung der Stadt. Diese Geschichte ließ Elias in seinem Projekt eine neue gestalterische Form finden: Der Boden des Platzes wurde neu konzipiert — als eine Art Flickenteppich, der die Teilung Berlins in Ost und West symbolisch aufgreift und sichtbar macht.
Im Vergleich zu den anderen Projekten war mein Entwurf eher minimalistisch gehalten, sprach jedoch gezielt das Thema Interaktivität an. Ich entwickelte eine Fuchsskulptur mit integriertem Beamer sowie ein bislang nichtexistierendes Maskottchen für die Bücherei — das den Ort einprägsamer und lebendiger machen würde.
Karl hingegen konzentrierte sich nicht direkt auf die Bücherei oder den Platz selbst, sondern auf den Eingangsbereich des danebenstehenden Gebäudes. Er gestaltete diesen zu einem begehbaren Buch um: Besucher schreiten sozusagen durch ein Buch hindurch — als würden sie aus der Bibliothek direkt in das Buch eintreten, das sie zu Hause lesen werden, und dabei in die neue erfundene Welt eintauchen.
Eigens geplantes Projekt: Kongress am Park
Für das zweite Projekt hatten wir die Möglichkeit, Gruppen zu bilden und uns eigenständig einen Ort für die Bearbeitung auszuwählen. Ich und mein Partner Karl Merk entschieden uns für das Gebäude des Kongresses am Park. Unser Ziel war es, den als „kalt” und unnahbar wahrgenommenen Kongressbau in einen lebendigen, einladenden Begegnungsort zu verwandeln.
Mithilfe von Holzstäben sollte der Eingangsbereich in einen fließenden Vorhang aus Holz umgestaltet werden, der die Besucher symbolisch in die Welt der Kunst, Musik und des Theaters eintauchen lässt. Dabei dachten wir nicht nur an das äußere Erscheinungsbild, sondern auch an die Bedürfnisse der Menschen während der Pausen: Der neu gestaltete Außenbereich soll gleichermaßen Raum für Entspannung und Reflexion bieten.
Im Laufe des P‑Seminars lernten wir, dass ein gelungener Entwurf weit mehr erfordert als ästhetisches Gespür. Analytisches Denken, Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse verschiedener Nutzergruppen sowie ein Bewusstsein für gesellschaftliche und ökologische Verantwortung gehören ebenso dazu. Durch die Ideen der anderen Teilnehmer lernten wir außerdem, denselben Ort aus völlig unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Der Austausch untereinander war dabei ein wichtiger Bestandteil des Seminars — sowohl was die sozialen als auch was die kreativen Inhalte betrifft.