Höhlengleichnis – digital entdecken

  • Platons Höhlengleichnis fand 2021 im Kontext von dunklen Kacheln eines Jitsi-Meetings statt. Der Aufstieg zum Licht wirkte wie eine Metapher unserer Tage …

Die Darbietung des Höhlengleichnisses von Platon durch die Griechisch-Schülerinnen und -Schüler der Oberstufe für die Interessierten aus der 10. Jahrgangsstufe ist seit jeher fester Bestandteil im Fach Griechisch. Unter normalen Umständen hätte dies freilich im Planetarium des Gymnasiums stattgefunden, gerade um mit der Dunkelheit das Gefühl der Höhle deutlicher zu vermitteln. Doch da sich diese Jahrgangsstufen immer noch im Distanzunterricht befinden, setzten sich einige engagierte Schüler aus Q11 und Q12 zum Ziel, dieses Projekt zu digitalisieren und im Rahmen einer Jitsi-Konferenz den Schülern näherzubringen.

Dazu mussten zahlreiche Veränderungen am bewährten System vorgenommen, technische (Un-)Möglichkeiten ausgelotet und Methoden gefunden werden, wie trotz der Distanz zueinander direkte Kommunikation entstehen kann. In mehreren Video-Sitzungen im Vorfeld entstand ein neues Konzept, das die beibehaltenen Inhalte und die Chancen des Digitalen in sich vereinte.

Am Dienstag, den 09. Februar 2021 fanden sich schließlich die Präsentierenden, Griechisch-Lehrer und die Schüler der 10. Klasse in einem Online-Raum ein, um der Präsentation beizuwohnen. Zunächst wurden in einem knapp einstündigen Vortrag die Inhalte des Höhlengleichnisses erläutert, aber nicht ohne die Vordenker Platons und die Übertragung in unsere heutige Zeit zu vergessen. Zwei Filmbeiträge trugen zur anschaulichen Visualisierung bei.

Doch tatsächlich lag der große Gewinn auf den sich anschließenden sechzig Minuten, in denen Schüler und Lehrkräfte das Gehörte reflektierten und dabei noch weitere Schritte gingen, um die Vor- und Nachteile dieser platonischen Gedankenkonzeption zu eruieren und schließlich allgemein die Lehre Platons zu durchdenken und ihr praktische Umsetzung zu hinterfragen. Besonders schön war an dieser Stelle freilich, dass ganz unterschiedliche Meinungen zu Tage traten und die verschiedentlichen Anschauungen in der Unterhaltung nebeneinander gelegt werden konnten. Gerade was die Übertragung der platonischen Ideen auf die heutige Zeit anging und damit auch die praktische Umsetzung seiner Lehre tangierte, bestachen die Meinungsvielfalt und die hochwertigen Beiträge. Dabei blieb die Gruppe längst nicht bei Platon als alleinigem Denker stehen, sondern marschierte mit Parmenides, Sokrates, Nietzsche und vielen anderen mehr gewissermaßen einmal quer durch die Philosophiegeschichte, was die Denkprozesse komplexer und anregender werden ließ.

Nach diesen gehaltvollen zwei Stunden war sicherlich reichhaltiger Stoff zum Nachdenken für jeden Einzelnen geliefert worden. Gerade in Zeiten, in denen die Frage nach dem Sinn und nach der Wahrheit neue Dimensionen erreicht, war es deshalb im Sinne des „Höhlengleichnis-Teams“ wichtig, dieses Projekt auf neuen digitalen Wegen nach wie vor auszurichten.

Herzlichen Dank an alle Mitwirkenden und Zuhörer!