Im Herzen der Stadtpolitik: Lernort Rathaus

  • Beim Projekttag „Lernort Rathaus“ nahmen die Schülerinnen und Schüler im Oberen Fletz die Plätze der Stadträte ein und starteten in eine „waschecht“ inszenierte Ratssitzung.
  • Gremienarbeit im Rahmen des Planspiels „Lernort Rathaus“ zeigten den Jugendlichen, wie politische Willensbildung abläuft.
  • Stadträtin und Stadtrat sein, das bedeutet auch, sich mit den zahlreichen und von der Verwaltung gut aufbereiteten Tischvorlagen auseinanderzusetzen.
  • Der Obere Fletz, wo der Stadtrat tagt, ist in der Regel nicht zugänglich. Die Jugendlichen verbrachten einen ganzen Vormittag dort voll Information, mit ernsten und heiteren Momenten.

„Am kommenden Dienstag unternehmen wir im Rahmen des Sozialkundeunterrichts einen Ausflug ins Rathaus. Geplant sind eine Führung durch das Gebäude, eine Fragestunde mit den Stadträten und zum Schluss ein Planspiel.“

Bei diesen Worten brach sofort eine Welle purer Freude im Klassenzimmer der 10c aus. Jede mögliche Abwechslung im jetzigen Alltag kann nur schön werden und großartige Erinnerungen und Erfahrungen im Gedächtnis der Schülerinnen und Schüler hinterlassen.

Die Voraussetzungen für den Vormittag waren perfekt: Gute Laune, Interesse und sogar ein schönes Wetter begleiteten die Gruppe. Nach einer kurzen Versammlung in den jeweiligen Klassenzimmern brachen die Klassen 10a und 10c Richtung Rathaus auf. Nach der Ankunft stellte sich Rathausführerin Frau Müller vor, die die Klassen anschließend durch das Rathaus führen und mit unzähligen Informationen versorgen konnte. Als erstes wurde der Untere Fletz betrachtet. Der Saal mit seinen Marmorsäulen bot Besonderheiten wie das Holocaust- und Kriegsgefallenen-Denkmal oder auch einen schönen Stadtplan aus Bronze. Anschließend bekam die Gruppe die Möglichkeit, die höchste Etage des Nordturms zu besuchen. Nach einem also doch recht anstrengenden Weg mit sehr vielen Treppen sah man die Innenstadt Augsburgs von ganz oben. Viele Schülerinnen und Schüler hielten diesen exklusiven Anblick mit Fotos fest.

Darauf besuchten wir einen Raum, in dem sich nichts außer einem riesigen Holzmodell der Stadt Augsburg befand. Auch das Modell, das besonders der Stadtplanung diente sorgte sowohl bei den Lehrerinnen als auch bei den Jugendlichen für riesiges Interesse, was man daran erkennten konnte, dass man sofort begann, eifrig nach Standorten wie der Schule oder gar dem eigenen Wohnort zu suchen. Die nächste Sehenswürdigkeit im Rathaus war der berühmte Goldene Saal. Nachdem Frau Müller zu diesem einige Fakten beleuchtet hatte, durften die Schülerinnen und Schüler ihn selbst erkunden. Gegen 9.30 Uhr betraten sie den Oberen Fletz, der den restlichen Vormittag eine wichtige Rolle spielen würde, und die Führung durch das Gebäude neigte sich dem Ende zu.

Nach einer kurzen Pause bis 9.45 Uhr begann die Fragestunde mit den Stadträten. Anwesend waren Sabrina Koch (Bündnis 90/Die Grünen), Margarete Heinrich (parteilos), Lars Vollmar (FDP), Dr. Friedrich Bauer (AfD) und Bernd Zitzelsberger (CSU). Nachdem sich die Stadträte und Stadträtinnen jeweils vorgestellt hatten, hatten die Jugendlichen die Chance, die Politiker zu befragen. Zunächst waren manche daran interessiert, wie man denn überhaupt beruflich in den Stadtrat gelangen kann und wie der Alltag als solcher aussieht. Aber auch spezifischere Fragen bspw. zur Klima- oder Pandemiepolitik wurden gestellt. Im Großen und Ganzen waren die Schülerinnen und Schüler mit den sehr ausführlichen Antworten der Politikerinnen und Politiker zufrieden.

  • Besetzt wurden auch die Plätze am Tisch der Bürgermeister und Referenten: Spätestens zu diesem Zeitpunkt gab es keinen Unterschied zu einer echten Stadtratssitzung mehr.

Nun stand auch schon der letzte Punkt des Tages an: das Planspiel. Das Thema der bevorstehenden Diskussion lautete: „Einführung eines kostenlosen Schülertickets für den ÖPNV“. Jeder Schülerin und jedem Schüler wurde eine Rolle als Stadträtin / Stadtrat, als Schülerin / Schüler, als Erziehungsberechtigte / Erziehungsberechtigter, als normaler Bürger oder als Mitarbeiterin / Mitarbeiter bei den Stadtwerken zugeteilt. Auch gab es einen Oberbürgermeister, der gemeinsam mit seinen Unterstützern die Diskussion leitete. Die Jugendlichen hatten das Gefühl, tatsächlich in einer Stadtratssitzung teilzunehmen, zum einen weil sie sich im Oberen Fletz befanden, wo auch die „echten“ Politiker arbeiten, und zum anderen weil sie deren Plätze einnehmen und sogar ihre Mikrofone benutzen durften. Nach einer gut einstündigen Diskussion mit Pro- und Contra-Argumenten teilte der fiktive Oberbürgermeister den Beschluss mit.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Ausflug sehr erfolgreich war: Die Schülerinnen und Schüler konnten zusammen Zeit verbringen und zudem das Rathaus sowohl räumlich als auch politisch näher kennenlernen und erkunden. Ein sehr gelungener Tag!