Leihgeräte: Ein Baustein der Digitalisierung

  • Margit Drexler aus dem Sekretariat bei der Ausgabe der jüngst bereitgestellten Schülernotebooks: Zwei Tage gaben sich im Sekretariat die leihenden Familien die Klinke in die Hand.

Die letzten Tage war Sekretärin Margit Drexler rund um die Uhr beschäftigt mit der Aushändigung von originalverpackten Notebooks. Da herrschte fast ein Gefühl von Elektronik-Großhandel, als innerhalb weniger Sekretariatsstunden weit über dreißig Geräte an Schülerinnen und Schüler übergeben werden konnten. Oft geht es um Familien mit mehreren Kindern, oft bringt das überraschende Homeoffice der Eltern den Gerätebestand eines Haushaltes an die Grenzen – und zuletzt tat die Ankündigung von Wechselunterricht mit halben Gruppen im häuslichen Distanzunterricht ein Übriges, um die Bedeutung der Geräteausstattung von Gymnasiastinnen und Gymnasiasten klar zu machen. Und seit der Schulschließung im Frühjahr ist deutlich geworden: Ein Handy reicht nicht, um digitalen Unterricht erfolgreich mitzuvollziehen.

Um dem wenig differenzierten Schlagwort von der „Digitalisierung“ Leben einzuhauchen, war schon länger klar, dass Schülerinnen und Schüler im Bedarfsfall schnell und unkompliziert auf Computer zurückgreifen können müssen. Nur dann kann „Lernen daheim“ im Distanzunterricht für alle gelingen. Im Kontext des Digitalpakts der Bundesregierung greift nun das „Sofortausstattungsprogramm“, mit dem die Schulaufwandsträger an alle Schulen Schülerleihgeräte bringen können.

Die Zahlen sind beeindruckend: Für den Aufbau eines Leihgerätepools an den Schulen hat der Bund kurzfristig 500 Mio. € zur Beschaffung von Schülerleihgeräten bereitgestellt, von denen nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel 77,8 Mio. € auf den Freistaat Bayern entfallen. Mit Beschluss des Schul-Digitalisierungsgipfels vom 23. Juli 2020 hat der Freistaat die Fördersumme um weitere 30 Mio. € aus Landesmitteln auf insgesamt 107,8 Mio. € aufgestockt. Auf Augsburg entfielen rund 1,6 Mio. € für 2.300 Schülerlaptops. Auch diese Zahl wurde klug aufgeschlüsselt nach Stadtgebiet, Schulart und Lernbedarf. Auf St. Stephan entfielen in diesem ausdifferenzierten Verfahren 42 Geräte vom Typ Fujitsu Lifebook A359 FHD.

Von der Mittelfreigabe bis zur Geräteausgabe gab es eine Fülle von Zwischenschritten: Augsburg als Schulaufwandsträger musste für den Großauftrag eine europaweite Ausschreibung durchführen. Dass mit dem Augsburger IT-Dienstleister Netz16 zuletzt ein Partner vor Ort den Auftrag erhielt, kann als Glücksfall gelten und sorgt für kurze Wege. Die Geräte sind in puncto Software mit Win 10 Pro ausgestattet und kommen originalverpackt und zugleich unmittelbar einsatzbereit an die Schulen. Softwarewartung und Funktionsprüfungen, die an den Schulen etwa durch Informatiklehrkräfte gar nicht zu leisten wären, übernimmt der Sachaufwandsträger. Eine alte Forderung der Pädagogen, dass nicht nur Hardware, sondern auch Service und Wartung zu einem Gerätebestand gehören, ist damit erstmals erfüllt. Zeitgleich wurde im Referat für Bildung und Migration ein Musterleihvertrag entwickelt, der die Schulen auch auf der komplexen Ebene des Vertragsrechts und des Datenschutzes entlastet. An St. Stephan musste also die Elterninformation, die Prüfung des Bedarfs und die sauber dokumentierte Ausgabe der Geräte umgesetzt werden.

Bei dieser ersten Geräte-Tranche überstieg der Bedarf rasch die Verfügbarkeit der 42 zugewiesenen Geräte. Dennoch war im gesamten Prozess spürbar, dass mit diesem Geräte-Pool in zahlreichen Familien echte Engpässe abgefangen werden, so dass auch bei Einschränkungen im regulären Unterrichtsbetrieb – wie etwa im Distanzunterricht – der Bildungs- und Erziehungsauftrag erfüllt werden kann. Mit der schulinternen Maßgabe, dass das „Lernen daheim“ über die Lernplattform mebis (für Lernmaterialien und Aufgabeneinreichung) und die Konferenzsoftware Jitsi (insbesondere für Fragestunden und den direkten Kontakt) strukturiert wird, ist St. Stephan gut aufgestellt. Mit Jitsi hat die Schule ein Digitalwerkzeug zur Verfügung, das datenschutzkonform ist, in Pullach bei München seine Server stehen hat und zeitlich unbefristet zur Verfügung steht. Der Vertragsabschluss kam übrigens zustande, da ein Schülervater für die ersten Monate mit einer großzügigen Spende die Finanzierung ermöglichte.

Digitalisierung ist ein Prozess mit vielen kleinen Schritten, in dem Aufgaben, Verantwortungen und Kosten fair und zukunftsfest geteilt werden müssen. Umso erfreulicher ist die dankbare Mail einer Mutter nach der Geräteausleihe: „Alles hat reibungslos geklappt!“ – So dürfte es immer sein.