Lernort im amerikanischen Augsburg

  • Die Projekt-Teilnehmerinnen der „Lernmittelbücherei“ nutzten mit Herrn Bender die Gelegenheit, sich im Sheridan-Park umzusehen.
  • Der ACFA – American Car Friends Augsburg – hat eine zugängliche Sammlung an Militärfahrzeugen in Halle 116 zusammengetragen.

Im Zuge der Projekttage, erkundete das Projekt „Lernmittelbücherei“ mit Herrn Bender am Mittwoch das Sheridan-Areal und die Halle 116. Neben den bestehenden alten Gebäuden konnte die Gruppe die Halle 116 besichtigen, und dabei Einblicke in die bestehenden, eingelagerten Exponate zur Geschichte der Amerikaner in Augsburg (Verein AIA – Amerikaner in Augsburg), Amerikanische Straßenkreuzer (ACFA – American Car Friends Augsburg) gewinnen. Diverse Schautafeln zur Zeit der Zwangsarbeiter, zum Leben der Amerikaner während der Besatzungszeit, zum Wandel von einem militärische genutzten Gelände in ein Mischgebiet von Gewerbebetrieben, einem großzügig angelegten Park, und einem neuen Wohngebiet fanden reges Interesse. Im ersten Stock konnten wir schließlich die ehemaligen Räumlichkeiten der Library, die eine der bedeutendsten im süddeutschen Raum war, begehen.

Die „Halle 116“ in der ehemaligen Sheridan-Kaserne

Die Halle 116, ein unscheinbares Gebäude für den normalen Passanten, verbirgt eine äußerst umfassende Hintergrundgeschichte, die es auch noch heute verdient, Gehör zu finden. Das Gebäude wurde, wie man vermutet, in 1936/37 als Teil einer Luftnachrichtenkaserne erbaut und diente bis zum Jahr 1944 als Fahrzeughalle. Danach, unter dem Regime des Nationalsozialismus, wurde sie zu einem KZ-Außenlager, dem KZ in Dachau zugehörig, umfunktioniert mitsamt Wachmannschaft und Stacheldraht.

Wie auch in allen anderen Konzentrationslagern zu dieser Zeit warendie Lebens- und Arbeitsbedingungen in Halle 116 bodenlos. So musste das Augsburger Standesamt aufgrund fehlender Hygiene, Unterernährung und mangelnder Fürsorge auch dort 75 Tote verzeichnen, bis 1945 das Lager von den amerikanischen Truppen aufgelöst wurde,.

Nach Kriegsende bezogen die US-Streitkräfte die Luftnachrichtenkaserne und fassten sie mit den angrenzenden Infanterie- und der Heeresnachrichtenkasernen zur Sheridan-Kaserne zusammen. Bis zum Abzug der Amerikaner im Jahr 1998 wurde sie u. a. als Garage, Werkstatt und Bibliothek genutzt. Auf Beschluss des Stadtrats soll die Halle 116 erhalten bleiben und darin ein Lern- und Erinnerungsort entstehen. Ob und wie sie als Gedenkstätte des KZ-Außenlagers – aber auch zur Erinnerung an die Besatzungszeit der Amerikaner – eingerichtet werden soll, wird derzeit viel diskutiert.

In diesem Kontext wird sich das Projekt-Seminar von Herrn Bender nächstes Jahr auf die Spuren der Amerikaner, nicht nur in der Halle 116, sondern in ganz Augsburg machen und hoffentlich noch manche anderen Kuriositäten aus der Vergangenheit aufdecken.