Literarisches Wiegenfest: B.B. zum 128. Geburtstag
“Wir feiern Bert Brecht. Wir leihen uns seine Worte – und wir geben ihm unsere Stimme.”
Vor 128 Jahren kam Bertolt Brecht in der Augsburger Altstadt zur Welt: Am 10. Februar 1898 wurde er im Haus Auf dem Rain 7 geboren, wo heute das Brechthaus als Gedenkort für den großen Augsburger Dichter seinen Sitz hat. Und 128 Jahre später feiern wir immer noch seinen Geburtstag.
Trotz der immer noch andauernden Winterkälte versammelten sich Jung und Alt aus einem Kreis Augsburger Literaturschaffender am 10. Februar 2026 vor seinem Haus, um sich seine Worte auzuleihen und füreinander hörbar zu machen. Unterschiedlichste Texte und Gedichte Brechts wurden von einer Autorin, einer Schauspielerin und Sängerin, einem Musiker, einem Buchhändler, einem Journalisten, dem Kulturreferenten der Stadt Augsburg Jürgen Enninger und auch von ein paar Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums bei St. Stephan vorgetragen: Sechs junge Erwachsene aus dem Kreis des Oberstufentheaters hatten unter Leitung von Matthias Ferber ihren Geburtstags-Beitrag vorbereitet.
Sängerin Karla Andrä startete die Geburtstagslesung um 11 Uhr auf den Holzbohlen über dem Hinteren Lech und stimmte uns wunderbar mit ihrem Gesang ein. Die abwechslungsreichen Auftritte der Beteiligten passten zu den unterschiedlichen Texten Brechts. Von seinen Keuner-Parabeln bis hin zu seinem Gedicht „Die Bücherverbrennung” wurden wir beeindruckt von Brechts weiter Spannbreite an Werken. Obwohl vor gut hundert Jahren geschrieben, scheinen sie noch immer zeitgenössisch zu sein.
Wir, die Schülerinnen und Schüler des Oberstufentheaters, hatten den “Neinsager”, ein frühes Lehrstück Brechts, in gekürzter Version vorbereitet. Auf die für uns am wichtigsten erschienenen Inhalte beschränkt, boten wir eine siebenminütige Performance, die, zu unserer Freude, mit viel Begeisterung des Publikums aufgenommen wurde.
Was der „Neinsager“ für mich aussagt: Man muss nicht fraglos das akzeptieren, was schon immer gemacht wurde. Man darf nicht vor Veränderungen zurückschrecken, sondern bereit sein, Neues auszuprobieren: „Wer a sagt, der muss nicht b sagen. Er kann auch erkennen, dass a falsch war.”
Brecht war aber nicht der einzige, der an diesem Tag Geburtstag begehen durfte. Auch ein älterer Herr aus dem Publikum, der extra aus Stuttgart angereist war, feierte an diesem Tag seinen 86. Geburtstag und wollte ihn wenigstens einmal in seinem Leben im Augsburger Brechthaus verbringen. Umso schöner, dass er diesen Tag mit literarischen Gaben aus Brechts Werken feiern konnte.