Norbert Gstrein liest im Klostergarten

  • Norbert Gstrein beschreibt die Rahmenbedingungen seines Romans.
  • Das Solemontana-Quartett, vier Schülerinnen und Schüler von St. Stephan, begleiteten den Abend mit heiteren und schwungvollen Quartetten.
  • Auch diese Amsel nahm im Klostergarten von St. Stephan an der Autorenlesung aufmerksam teil.
  • Zahlreiche interessierte Zuhörer genießen Lesung und Klostergarten an diesem lauen Sommerabend.
  • Schülerinnen aus der Q11 betreuen den Büchertisch.

Ein herrlicher Sommerabend bildete den atmosphärischen Rahmen, als wir den preisgekrönten Autor Norbert Gstrein im Rahmen der alljährlich stattfindenden sommerlichen Autorenbegegnungen im Klostergarten bei St. Stephan begrüßen durften. Der inzwischen in Hamburg lebende Gstrein zeigte sich überaus angetan von dem in voller Rosenblüte stehenden Garten inmitten der Stadt und der angenehmen Präsenz unserer Benediktinermönche und bekannte, selbst in einem Internat, nämlich bei den Kapuzinermönchen in Imst, zur Schule gegangen zu sein.

Die kommenden Jahre

Norbert Gstrein betonte eingangs, dass sein Roman keinesfalls ein Roman über die Flüchtlingskrise sei, dass dieser aber verschiedene Lesarten in sich berge. An diesem Abend wolle er gerade den Ich-Erzähler Richard in den Mittelpunkt stellen, ein beruflich erfolgreicher Mitvierziger, Glaziologe, der in verschiedener Hinsicht den Halt verliere, zu seinem Berufsgrundlage, den Gletschern, zu seiner Frau Natascha wie auch zu seiner Umwelt im allgemeinen. Der vermeintliche Erlösungsort heißt Kanada, den er aber letztlich nicht erreicht. Gstrein las dazu überaus beeindruckende, sprachlich berührende Partien aus seinem Roman vor. So erleidet beispielsweise der Ich-Erzähler einen, wie er selbst sagt, banalen Fahrradunfall, den er aber ins Abenteuerliche stilisiert. Er, Richard, selbst sei gleichsam ein Indianerhäuptling, dem das Pferd unter dem Hintern weggeschossen worden sei, so dass er jetzt seinen Verfolgern entkommen müsse. Als Zuhörer spürte man auf bedrückende Weise die Orientierungslosigkeit dieses Menschen, dessen Weltgrenzen sich gerade auflösen. Man erlebte die nachdenklich stimmende Fluchtgeschichte eines arrivierten Akademikers. Da der Roman drei Schlüsse hat, ist der Leser gehalten, sich entweder einen auszusuchen oder diese in Parallelität als drei verschiedene Wahrheiten zu lesen. Gstrein trug tatsächlich einen Schluss vor, in dem vage bleibt, ob der Ich-Erzähler uns Leben kommt. Ein weiterer bietet eine überaus erschreckende Variante, die aber auch an dieser Stelle nicht verraten werden soll.

Als Lesezugabe bot Norbert Gstrein einen Auszug aus einem Reisebericht, der ihn in die Weiten Amerikas nach Montana führte, der in der Literaturzeitschrift „Volltext“ erschien. In diesem Beitrag zeigte sich die besondere Fähigkeit Gstreins, Naturbeobachtungen aufs Feinste einzufangen und transparent werden zu lassen.

Bezaubernde Klänge des Streicherquartetts

Hannah Hübner, In-You Kim, Timon Gleißner und Leon Weber umrahmten auf wunderbare Weise unter anderem mit einem Auszug aus der „Kleinen Nachtmusik“ die Autorenlesung und ernteten großen Beifall. So endete die Lesung mit zauberhaften Tönen und entließ die zahlreichen Besucher wohlgestimmt in eine herrliche Sommernacht. Kurz, ein in vielfacher Hinsicht bereichernder Abend!