Phönix-Novitäten (XVIII): Ein wiedererweckter Brunnen
Der mythische Vogel Phönix, das Wappentier von Kloster und Schule St. Stephan, verkörpert selbst aufs Anschaulichste, wie Abgestorbenes und Verlorenes wiederbelebt und wiedererweckt wird – eingefangen im Bild des Flügeltiers, das aus der eigenen Asche verjüngt und neu belebt ersteht.
Im Projektseminar Architektur der Jahrgangsstufe 11 unter der Leitung von Kunstlehrkraft Melanie Schmidbauer-Krupp wurde eine solche Wiedererweckungs-Geschichte zum Thema einer architektonischen Planungs- und Gestaltungsübung: Der seit Jahrzehnten abgeschaltete Brunnen in der Wiesenfläche auf dem Stephansplatz vor dem Klostergebäude, somit zugleich an der Südseite der Schule gelegen, sollte wiederbelebt werden. Die Jugendlichen sollten Ideen entwickeln, wie die leblose Brunnenschale, in der ein kleiner Steinhügel als Träger einer Fontäne noch sein Dasein fristet, wiederbelebt werden könnte.
Die beiden Vorschläge, die im Seminar erarbeitet wurden und hier vorgestellt werden, gehen ganz klar davon aus, dass vor Kloster und Schule nur das gemeinsame Wappentier, von König Ludwig im 19. Jahrhundert beiden Institutionen als Symbolzeichen verliehen, diese Brunnenbelebung übernehmen kann: Der Phönix.
In Elias’ Entwurf erhebt sich ein Phönix mit weit aufgespannten Flügeln, an denen Musikinstrumente aller Art angebracht sind: Aus Blasinstrumenten von Saxophon über Horn bis Fagott fließen lebendige Wasserströme in achtfacher Zahl in das Wasserbecken und bringen Plätschern und Rauschen, die „Wassermusik” eines Brunnens, zurück an den Stephansplatz, an dem in Schule und Kloster das Musizieren eine ganz traditionsreiche Heimat hat.
Der Entwurf von Nils und Rafael geht stärker von der Feuernatur des Symbolvogels Phönix aus: Ihr Phönix ist aus großflächigem spiegelungsfähigem Gewebe- oder Folienmaterial gebildet. Aus der Brunnenschale steigen durch Beleuchtungstechnik Feuerfarben in rot-orangenen Farbtönen auf, die das im Abheben befindliche Tier reflektiert, verstärkt und vervielfacht.
Der Phönix als optisches und akustisches Erlebnis kehrt in beiden Entwürfen kraftvoll zurück an den Stephansplatz!