Projekt! Perfekt! Respekt!
St. Stephans Projektwoche in der letzten Schulwoche ist schon gut eingespielt und etabliert – und zugleich immer wieder neu und überraschend. Die Jahrgangsstufe 5 bleibt mit dem Pilgerprojekt „Gemeinsam auf dem Weg” noch ganz im Klassenverband. Die Jahrgangsstufe 6 mischt sich bereits beim Themenprojekt „Wasser”. Und die Jahrgangsstufe 7 führt in Kleingruppen durch einen ganzen Kosmos von Workshops unter dem Motto „Schrift”.
In der Mittelstufe macht sich die Jahrgangsstufe 8 an Themen heran, die unter dem Stichort der „Alltagskompetenzen” vielseitig zu Bewegung und Gesundheit, Ernährung und Haushalt oder Umweltverhalten beitragen. Dabei durchmischen sich diese Gruppen bereits mit Schülerinnen und Schülern aus den Jahrgangsstufen 9 bis 12. Insgesamt bieten die Projekttage viel an Sport (Beachvolleyball, Bouldern, Tennis, Schafkopf), Handwerklich-Praktischem (Stricken und Häkeln, Upcycling, Veganes und vegetarisches Kochen), Künstlerisch-Kreativem (Handlettering, Urban Sketching, Tanzen) und Informativem (Erste Hilfe, Jugendstrafrecht, geograpische Karten, Sexuelle Bildung und Identität).
Und dann gibt es noch die festen Gruppen wie Großes Orchester, Blasorchester und Nachwuchsorchester Sinfonietta, die auf Probentagen in Memhölz sind, Gitarrenensemble, Lernmittelbücherei und Technikgruppe, die alle auf ihre Weise intensive Arbeitseinheiten gestalten. Die Gruppe der Bühnentechnik half mit, die Computerräume aufzuräumen, angesammelte Altlasten in großer Zahl zu entsorgen und den Computerraum Neubau für die anstehende Innensanierung (der dringlich ersehnte neue Linoleum-Fußboden wird endlich in den Sommerferien verlegt) vorzubereiten.
Das kühnste Projekt war die Kompletträumung der Zentralbibliothek, auch hier wird in den ersten Augusttagen die Entkernung beginnen, damit die Neugestaltung und Neuausstattung bis zum Herbst gelingen kann. Mit einem Kernteam von Zoe und Valentin aus der Q12 und vielen Mithelfern aus den festen Arbeitsgruppen sowie rund um Hausmeister Zoltan Fugel gelang es, den gesamten Buchbestand zu verlegen sowie alle Regale und Möbel auszulagern und zu entfernen und den Raum den Handwerkern zu übergeben.
Projekttage heißt: Erfahrungsräume öffnen sich jenseits aller Fachlehrpläne, praktisches Anpacken führt zu Erfahrungen, gemeinsam geht vieles deutlich besser und macht Freude! Perfekttage! Respekttage!
Von der Probenfreizeit in Memhölz im Oberallgäu, die Teil der Projekttage ist, berichtet im Folgenden Bettina Schleusing. Ihre Darstellung nennt sie „Eindrücke eines Memhölzneulings”.
Nachts auf dem (nicht ganz kahlen) Berge
Es ist kurz vor 22 Uhr irgendwo im Allgäu. Aus den geöffneten Fenstern des Hauses Schönstatt in Memhölz dringt halblautes Lachen. Ganz oben übt jemand Geige und auch eine Flöte und von ganz fern eine Klarinette sind zu hören. Aus dem Haus heraus zieht ein kleiner, aber stetiger Strom Jugendlicher in Richtung Bergkuppe. Manche haben schon ihre Handyleuchten an, die ein bisschen wie Irrlichter aussehen. Was haben sie vor? Hexensabbat? Oder ist es doch nur der Spielplatz?
Die Stimmung bei den Orchesterprobentagen in Memhölz lässt sich Uneingeweihten nur schwer vermitteln. 140 Kinder und Jugendliche in einem Haus? Nur vier Lehrkräfte als Aufsicht? Das muss doch im Chaos enden! Tut es aber nicht.
Woran das liegt? Alle haben eine gemeinsame Leidenschaft und ein gemeinsames Ziel: Musik und die Vorbereitung des letzten Konzerts im Schuljahr, der Sommerserenade. Neben der titelgebenden „Nacht auf dem kahlen Berge“ von Mussorgski steht u. a. auch die Rheinische Sinfonie von Robert Schumann auf dem wie immer anspruchsvollen Programm. Für einen Abend reist der Chef der Augsburger Philharmoniker, Domonkos Héja, an, der den Mussorgski beim Konzert dirigieren wird. Für das Orchester eine ungemein bereichernde Erfahrung.
Zwei Stockwerke über dem Symphonieorchester proben die Bläser. Von Star Wars über Queen, den Böhmischen Traum bis hin zu „Bella Napoli“ von Roy Bianco und den Abbrunzati Boys ist hier für jeden Musikgeschmack etwas dabei. Auch Schulleiter Alexander Wolf ist für eine Nacht angereist, um mit seinem Blasorchester zu arbeiten.
Die Tage sind durchgetaktet. Von 9 bis 20 Uhr wird geprobt, mit nur wenigen Pausen. Alles wissen, was sie zu tun haben. Wenn die Ensembles gemeinsam musizieren, entsteht eine Energie, die man zuweilen durch Türen und Mauern spürt.
Trotzdem ist Zeit für anderes. Nicht alle sind immer besetzt. Das Haus bietet viele Möglichkeiten für Spiel und Sport. Immer sind welche auf dem Trampolin, an der Zipline oder beim Tischtennis. Freilich schlafen nachts nicht immer alle. Natürlich muss manchmal eine Zimmerparty aufgelöst werden. Das gehört dazu. Trotzdem tragen alle ihr Teil dazu bei, dass diese Fahrt gelingt und für viele Schülerinnen und Schüler das Highlight ist, auf dass sie sich schon das ganze Jahr freuen. Nicht zuletzt liegt das auch an Sabine Alber, die Herz und Seele der Fahrt ist. Ohne ihr „Zimmer-Tetris“, ihren Wasserkocher, ihre Fahrten in den nächsten Supermarkt oder in die Apotheke und ihr liebevolles Verständnis für die Kinder und Jugendlichen wäre es in Memhölz nur halb so schön. Dafür vielen Dank und auf ein Neues auf’m Berg!