Quod bene certasti, sit tibi maxima laus

  • Schulleiter Alexander Wolf überreicht den drei erfolgreichen Teilnehmern in der zweiten Runde des „Landeswettbewerbs Alte Sprachen“ ihre Urkunden und Preise.
  • Maximilian Schäffer, Luca Gaurieder und Benedikt Schätzle präsentieren freudig ihre Auszeichnungen: Für jeden gab es alle drei auf dem Bild zu sehenden Bücher als Buchgeschenk.

Dieser lateinische Spruch stand auf der Urkunde für die drei Teilnehmer der zweiten Runde am Landeswettbewerb Alte Sprachen des Gymnasiums bei St. Stephan zu lesen. Den Schritt dorthin hatten Benedikt Schätzle in Latein sowie Luca Gaurieder und Maximilian Schäffer in Griechisch im Laufe des Wettbewerbs im Zeitraum der elften und zwölften Klasse erreichen können.

Eigentlich hätten die ersten Runden beider Sprachen bereits im März 2021 an der Schule stattfinden sollen, jedoch machte den leistungswilligen Schülern – zu diesem Zeitpunkt in beiden Sprachen etwa rund fünfundzwanzig Altsprachler – die Pandemie einen Strich durch die Rechnung und so trug man den ersten Durchgang Ende Juni aus. Hierbei bestanden die Aufgaben aus einem Übersetzungstext und einem Zusatzteil mit Grundwissens- und Erschließungsaufgaben, die vor allem durch ihre klugen Aktualisierungen bestechen konnten. Wer hat schließlich schon einmal Nachrichten in altgriechischer Sprache gelesen? Oder wer hat sich bereits mit der lateinischen Enzyklika Papst Franziskus´ zur Corona-Entwicklung auseinandergesetzt? Derlei Aufgaben mussten die Lateiner und Griechen in dieser durchaus anspruchsvollen ersten Runde bewältigen. Aus deren Ergebnissen wurden einige wenige ausgewählt, die zu weiterer Prüfung nach München übersandt wurden.

Monate vergingen, ehe diejenigen Teilnehmer bekannt gegeben wurden, die in einer zweiten Runde noch einmal gegeneinander antreten durften. Diese hate zum Ziel – in Ergänzung um einige weiterführende Aufgaben – einen Text umfassend in inhaltlicher, stilistischer, formaler und sprachlicher Hinsicht interpretieren.

In Latein konnte Benedikt Schätzle seine Gedanken zu einem Ausschnitt aus der Aeneis des römischen Dichters Vergil zu Papier bringen, der sich um die Liebesbeziehung zwischen Aeneas und der karthagischen Königin Dido drehte. Gleichzeitig musste er anhand eines Zeitungskommentars zum Thema „Gerüchte im Internet“ eine Aktualisierung dieses antiken Textes vornehmen.

Die Griechen – Luca Gaurieder und Maximilian Schäffer – wagten sich an den frühen griechischen Dichter Hesiod heran und konnten es hier mit dem Proöm seines wohl bedeutendsten Werks, der „Theogonie“, aufnehmen. Dabei war auch verlangt, bekannte Vergleichsmöglichkeiten aus der griechischen Literatur heranzuziehen, nichts bot sich dabei freilich besser an als die Proömien aus Ilias und Odyssee. Wie Hesiod durch die Musen inspiriert wird, so sollten sich die beiden Teilnehmer anschließend darüber Gedanken machen, welche Möglichkeiten der Inspiration in der heutigen Zeit angeboten werden und deren Effektivität beurteilen.

Nur allzu verständlich, dass nach mehreren Stunden der Arbeit die Köpfe rauchten und die Hände von zahlreichen beschriebenen Seiten schmerzten.

  • Non vicisse dolet, sed certavisse decorum: Quod bene certasti, sit tibi maxima laus. – Nicht gesiegt zu haben, schmerzt, aber wettgeeifert zu haben ist ehrenvoll. Weil du dich gut geschlagen hast, gebührt dir größtes Lob. – Ein Blick auf die lateinische Urkunde im „Landeswettbewerb Alte Sprachen 2020/22“

Non vicisse dolet – um dieses Verb nochmals aufzugreifen – stand dann als erster Satz auf der Urkunde geschrieben, die den drei Teilnehmern für ihre Leistungen Ende März durch Schulleiter Alexander Wolf überreicht wurden. Für die dritte Runde in München hatte es leider nicht mehr gereicht. Dennoch war das Erreichen der zweiten Runde durch gleich drei Schüler des Gymnasiums bei St. Stephan in der Gesamtbilanz ein voller Erfolg, immerhin waren nur je fünfzig Schüler bayernweit überhaupt für diesen Teil des Wettbewerbs qualifiziert gewesen.

Und so war es umso erfreulicher, nach über einem Jahr die Buchpreise und die Urkunden für die verdienten Leistungen in den Händen halten zu dürfen.