Sommer heißt Literatur im Klostergarten

  • Mit großer Geste las und erzählte die Autorin abwechselnd und ließ so die Protagonisten des Romans lebendig werden.
  • „Ich war Diener im Hause Hobbs“ lautet der Titel ihres aktuellen Romans – doch was es genau mit dem Kriminalfall in diesem Buch auf sich hat, verriet Rossbacher nicht.
  • In engem Kontakt zum Publikum erzählte sie von Krischi, der Hauptfigur, und seinen Freunden, sodass man sich sofort in den Text hineingezogen fühlte.
  • Das Streichquartett spielte Schubert, denn die Handlungsfäden des Romans nehmen durchaus Bezug auf dessen „Schwanengesang“.
  • Selbstverständlich signierte Vererna Rossbacher im Anschluss ihre Bücher.

Endlich war es so weit. Nach langen literarisch entbehrungsreichen Monaten durfte nunmehr am 8.7.2021 unter Berücksichtigung aller geforderten Hygieneauflagen wieder eine literarische Begegnung mit der Autorin Verena Rossbacher live stattfinden. Leider war uns der Wettergott nicht wohl gesonnen, sodass die Veranstaltung in die große Aula verlegt werden musste. Diesen kleinen Wermutstropfen vergaß man aber schnell, wenn man den Raum betrat, denn die Technikgruppe hatte alles daran gesetzt, durch eine warme Illumination dem Raum eine behagliche Atmosphäre zu verleihen.

Es war ein schlampiger Tag.

So beginnt der Roman „Ich war Diener im Hause Hobbs“ und wir Zuhörenden erfahren von einem Toten im Gartenhaus, den der Ich-Erzähler, Krischi Kauffmann, im Rahmen seiner Tätigkeit als Diener in der wohlhabenden Familie Hobbs eines Morgens auffindet. Rückblickend versucht er all die Ereignisse zusammenzutragen, die zu diesem Tod führten und hinterfragt dabei seine eigene (Schuld)Rolle. In diesem Zusammenhang erfahren wir, lebendig und überaus konturiert von Frau Rossbacher vorgelesen, von seinen Freunden Gösch, Olli und Isi und erleben hautnah deren Lebensumfeld in Feldkirch, einem kleinen Ort im Vorarlberg. Da wird eine bunte Marktszene an einem Samstagvormittag nicht zuletzt durch die durchaus komödiantisch angelegten Charaktere entworfen. Zuhörend schmeckt man geradezu die feilgebotenen saftigen Oliven und wähnt sich persönlich inmitten des schwatzhaften, lärmenden Dorfgeschehen. Subtiler Humor charakterisiert den gesamten Roman, der gleichsam mäandernd Rückblicke und Exkurse enthält, die das komplexe Geschehen – es geht ja letztlich um die Umstände des Todes – verständlich machen.

John Wray und die Wahrheit

Wenn Verena Rossbacher aufhört zu lesen, beginnt sie zu erzählen. Und da hofft man einfach, dass sie damit auch nicht aufhört, so sehr zieht sie die Zuhörenden in ihren Bann. So berichtet sie von dem zeitgenössischen US-amerikanisch-österreichischen Schriftsteller John Wray, der sich freute, dass er in ihrem Roman eine reizend angelegte Nebenrolle als liebenswürdiger Freund des Protagonisten erhielt. Literaturkritiker hingegen behaupteten dagegen, dass dies nicht stimme und sie, Rossbacher, Wray gar nicht kenne. Mit dieser kleinen Schnurre stellte sie einen eleganten Bezug zu der heiklen Kunst- und Kulturszene her, die sie gleichermaßen in dem Roman aufs Korn nimmt.

Und dann darf es Schubert sein

Eine ganz besondere Bewandtnis hat es mit dem Besuch der Schubertiade im Bregenzer Wald durch die Dame des Hauses, Bernadette Hobbs, auf sich, denn in der Heimat von Krischi liegen auch Fäden, die zu den anfänglich geschilderten Geschehnissen führten. So war es durchaus geplant, dass das Streichquartett (Hannah Hübner, In-Yu Kim, Leon-Benedikt Weber, Lysander Francescatti) diese Leseeinheit durch ein Ständchen von Schubert aus dem Liederzyklus „Schwanengesang“ einleiteten. Herrlich!

Ein wunderbarer Abend

In rund eineinhalb Stunden erfuhren wir so manches über Krischi, wussten aber immer noch nicht, wie es zu dem Tod von Herrn Hobbs kam. Wir erlebten eine leidenschaftliche und zugleich höchst nahbare liebenswürdige Autorin. Wir hörten den Musizierenden des Streichquartetts mit Freuden zu und waren hochbeglückt, dass wir alle wieder ein Stück literarische Normalität erleben konnten.