Südenglandfahrt 2018 – Eindrücke aus Cornwall und London

  • Die Südengland-Gruppe stellt sich – 1108 Kilometer von zu Hause entfernt – an Land’s End zum Gruppenbild zusammen.
  • Eindrücke auf der Fahrt durch den Eurotunnel
  • Die „HMS Victory“, das Schlachtschiff Nelsons von Trafalgar, kann in Portsmouth besichtigt werden.
  • Die drei „Education Leaders“ haben vor Stonehenge alles im Blick.
  • Eden Project: Im Inneren des Bioms des tropischen Regenwaldes kann man unter der Glaskuppel in die Höhe steigen.
  • So schmiegt sich das Eden Project in die Landschaft ein: Im Bild ist das Rainforest Biome zu sehen.

Am Donnerstag, den 13. September 2018 stiegen 28 Schülerinnen und Schüler sowie die drei begleitenden Lehrkräfte Herr Weighardt, Herr Graba und Frau Hoffmann am frühen Abend in den Bus, der sie in den darauffolgenden Tagen über den Kanal und durch Südengland fahren würde.

Erster Halt der Studienfahrt: Die Küstenstadt Brighton mit einem so einladenden Kieselstrand, dass zwei unserer Schüler trotz der Lufttemperatur von 17° C bereits in den Ärmelkanal sprangen, noch bevor das Gepäck auf den Zimmern der Jugendherberge verstaut war. Der Rest der Reisegruppe nutzte die gut zweistündige Pause vor der Besichtigung des im indischen Stil erbauten Royal Pavilion, um sich nach der Nacht im Bus und der Passage des Eurotunnels die Beine auf dem Brighton Pier und der angrenzenden Strandpromenade zu vertreten, und um ein erstes original englisches Mittagessen zu kaufen. Beim Verspeisen von Fish and Chips stellten viele Mitglieder unserer Reisegruppe fest, dass Brightoner Seemöwen sehr aggressiv und essensneidisch sein können.

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen der englischen Geschichte und gemäß dem Motto einer Studienfahrt lernten sowohl Schüler als auch Lehrer viel dazu. Zuerst in Portsmouth bei der Besichtigung der HMS Victory, dem Flaggschiff von Vizeadmiral Nelson in der Schlacht von Trafalgar. So erklärte z. B. unser Reiseleiter, Herr Weighardt, den umstehenden Schülern, dass Nelson, der in dieser Schlacht gefallen war und ein Staatsbegräbnis erhalten sollte, zum Zwecke der Konservierung in ein Fass voller Brandy gelegt wurde. Laut einem der anwesenden Ordner seien außerdem nur zwei der über einhundert Kanonen an Bord heutzutage nicht aus Plastik – unnötig zu erwähnen, dass die Schüler begeistert nach diesen suchten.

Als deutlich strenger stellten sich wenige Stunden später die Ordner in Stonehenge heraus. Jede begleitende Lehrkraft musste als Erkennungszeichen eine Warnweste mit der Aufschrift „Educational Leader“ tragen und durfte die ihr zugeteilten Schülerinnen und Schüler auf keinen Fall aus den Augen lassen. Auch dann nicht, als die Reisegruppe „the Stones“ längst verlassen hatte und aus dem Zubringerbus gestiegen war – kaum waren die Schüler im Souvenirladen verschwunden, wurden wir Lehrer auch schon von einer Ordnerin getadelt, die Schüler auch im Laden und sowieso ständig unter Aufsicht zu halten. „Even on the toilet?“ – „YES!“ Auf diese Aussage hin ging es ohne Umweg über die Toilette direkt zum Bus und weiter nach Salisbury, wo die aus dem Film „Die Säulen der Erde“ bekannte Salisbury Cathedral sowie die in einem Nebengebäude ausgestellte Magna Carta besichtigt wurden.

  • Wie Stonehenge entstanden sein könnte …
  • Innenansicht von Salisbury Cathedral, bekannt aus dem Film „Die Säulen der Erde“: Hier wird die „Magna Carta“ aufbewahrt.

Von der Geschichte zur Kultur Englands, mit nächstem Halt in Bristol, wo wir am Samstagabend einige Einblicke in die englische Ausgehkultur erhielten. Äußerst freizügige Abendgarderobe, überdimensionale High-Heels – und dazwischen zahlreiche Obdachlose, die von oben bis unten in eine Decke eingewickelt auf der Straße übernachteten. Die Überbleibsel der Partynacht waren selbst am nächsten Morgen während der Stadtführung noch zu sehen. Auf dem Weg vom Binnenhafen Bristols über verschiedene Graffiti-Werke des Streetart-Künstlers Banksy zu den sog. Christmas Steps und zurück zum Hafen stolperte die Reisegruppe regelmäßig an Tischen mit leeren Gläsern vorbei, die noch niemand weggeräumt hatte.

Zwei Aspekte sind bei einer Studienfahrt nach Südengland unbedingt zu berücksichtigen.
Erstens: Die Fahrt steht und fällt mit Bus und Busfahrer. Auf dem Weg zum Minack Theatre hoch über den Klippen von Porthcurno passierte der Reisebus Straßen von solcher Enge, dass Feldwege in Deutschland dagegen wie Autobahnen anmuten. Unser Busfahrer blieb jedoch gelassen und fand sogar zweimal Gelegenheit, den Bus unter solchen Bedingungen zu wenden, was ihm von Seiten der Schüler donnernden Applaus einbrachte.

  • Das „Minack Theatre“ in Cornwall liegt direkt am Wasser.
  • Porthcurno Beach mit Lehrer Ingo Weighardt, der die Fahrt nach Südengland organisiert hatte
  • So zeigt sich der Blick aufs Meer von Land’s End aus.
  • Ebbe bei heiterem Wetter im Hafen von St. Ives setzt die Boote auf Sand.

Zweitens: Irgendwie muss es einem Reiseleiter mindestens so gut wie Herrn Weighardt gelingen, Petrus zu bestechen. Während der gesamten Fahrt verzog sich gelegentlich fallender Nieselregen, sobald die Stephaner den Bus verließen. Am Montag, den 17. September 2018 lichtete sich kurz vor der Ankunft bei The Minack sogar der Nebel und gab den Blick frei auf raue Klippen, Porthcurno Beach und die angrenzende Celtic Sea.
Wie zu erwarten nutzten auch hier einige Schüler die Gelegenheit, im Meer zu baden. Und um festzustellen, dass Sand bei 17° C Lufttemperatur nicht gut auf der Haut trocknet, aus diesem Grund nur sehr schwer abzuwischen ist und somit den Rest des Tages in den Schuhen verbleibt. Allerdings ließ sich kein Stephaner von ein bisschen Sand in den Schuhen den für den Nachmittag geplanten Klippenrundgang in Land’s End, dem südwestlichsten Flecken Englands, oder den Besuch im malerischen Küstenstädtchen St. Ives vermiesen, wo Touristen gelegentlich den einen oder anderen Seehund beobachten können.

Dienstag, 18.09.2018, Eden Project: Viele der Schüler bedauerten, dass dem letzten Stop vor der Ankunft in London nicht mehr als einige Stunden Zeit gewidmet werden konnte, so beeindruckend fanden sie den Nachbau verschiedener Klimazonen. Das Zentrum der Anlage bilden zwei Kuppelbauten, das Mediterranean Biome und das noch etwas größere Rainforest Biome – ein riesiges Gewächshaus mit allerlei tropischen Pflanzen und dem zugehörigen tropischen Klima. So bestand die Hauptsorge einiger Mitglieder der Reisegruppe nach dem Erklimmen der nur über eine wackelige Treppe erreichbaren Aussichtsplattform hoch über den Palmen und Bananenstauden darin, bei 28,8° C und 77% Luftfeuchtigkeit die Linse ihres Fotoapparates lange genug sauber zu halten, um den Augenblick digital festhalten zu können.

Bis zur abendlichen Einfahrt in Londonwaren alle Kameras wieder voll funktionsfähig. Und so wurde eifrig fotografiert, während der Bus im feierabendlichen Stau langsam in Richtung Jugendherberge an der Themse rollte. Die Zeit wurde u. a. dadurch verkürzt, dass Herr Weighardt als Ortskundiger einige Anekdoten zur Londoner Skyline zum Besten gab. Weitere Hotspots und Geheimtipps lernten interessierte Schüler bei einer privaten Stadtführung am nächsten Tag kennen, während der Rest der Reisegruppe die Hauptstadt Englands in Kleingruppen auf eigene Faust erkundete. Abends bestand die Möglichkeit, das Musical „Kinky Boots“ zu besuchen und zu staunen, wie junge Männer in High-Heels, die manche Frau in Verlegenheit bringen würden, über die Bühne tanzen.

  • Beim Kryptographie-Workshop über die deutsche Enigma-Maschine, die Dechiffriermaschine aus dem Zweiten Weltkrieg, in Blechtley Park steht eine Original-Enigma zur Verfügung.
  • St. Pauls Cathedral ist in London ein echter Blickfang.
  • Die begleitenden Lehrkräfte Ulrich Graba, Ingo Weighardt und Julia Hoffmann vor der modernen Skyline von London
  • Abschiedsblicke auf Londons Skyline mit Tower Bridge und Walkie Talkie.

Abgerundet wurde die Studienfahrt von einem Besuch in Bletchley Park, dem Ort, wo u. a. Alan Turing daran arbeitete, im Zweiten Weltkrieg die deutsche Verschlüsselungsmaschine Enigma zu knacken – womit Bletchley Park letztendlich dazu beigetragen hat, den Zweiten Weltkrieg um etwa zwei Jahre zu verkürzen und somit unzählig viele Leben zu retten, wie wir von unserer Fremdenführerin erfuhren. Anschließend durften die Schülerinnen und Schüler im Rahmen eines Workshops erste Einblicke in den Fachbereich der Kryptographie sammeln und sich eigenständig auf dem Gelände umsehen, bevor es zurück in den Bus und in Richtung Fähre und Heimat ging.