Surreal und voller Antike: Bei Lettl im Museum

  • Wolfgang Lettl wurde vor 100 Jahren geboren. Im Augsburger Schaezlerpalais wird daher eine Retrospektive gezeigt.
  • Lettls Sohn Florian führte die Stephanerklasse durch die Schau: Im ersten Saal mit den frühen Pariser und Augsburger Stadtansichten führte er sie an Lettls Lebenswerk heran.
  • Auf der Suche nach den Details: Mit Bildausschnitt-Karten und Handys machten sich die Teams an die Erkundung der gehängten Bilder.

Im Augsburger Schaezlerpalais läuft derzeit – anlässlich des 100. Geburtstags – eine Schau mit einer Werkauswahl des Augsburger Surrealisten Wolfgang Lettl. Sein Sohn Florian Lettl stand als Begleiter für die Modellklasse 9c bereit: Im Rahmen des Faches „Griechenland und Europa“ begegneten die Schülerinnen und Schüler den Stationen von Lettls Werk, sahen sich in seine Bildwelten ein und gingen einigen antiken Motiven auf den Grund, die breite Interpretationsansätze boten. Denn eines wurde schnell klar: Surrealismus liefert keine Eindeutigkeit des Bildverstehens, sondern führt den Betrachter in die Tiefe seiner eigenen Vorstellungs- und Gefühlswelten.

Florian Lettl führte die Jugendlichen sehr dicht in die Lebensgeschichte seines Vaters ein, der zur sogenannten „Verlorenen Generation“ gehörte und während seiner Wehrmachtszeit in Paris zum Malen kam. Das Erlebnis der zerbombten Augsburger Innenstadt mit den Erfahrungen des Fragmentierten, Isolierten und Herausgerissenen schuf die Brücke zur surrealistischen Malerei.

Mit Hilfe von „Fragmenten“ aus den Bildern der Ausstellung zogen die Schülerinnen und Schüler anschließend in Zweierteams durch die Räume des Schaezlerpalais: Jeder Fund eines Bildausschnittes wurde mit dem Smartphone dokumentiert, so dass alle in kurzer Zeit die Schau im Überblick und in Details durchforstet hatten. Im Anschluss daran wurden einzelne Motive herausgehoben wie der Fährmann Charon im Bild „Faces“ (2005), der Büßer Sisyphos im Bild „Gipfeltreffen“ (1991) oder der Dichter Vergil in „Vergil in der Unterwelt“ (2005). Stets führten die Reflexionen über Motive und Einzelbeobachtungen zu facettenreichen Gedanken über das Gesamtbild.

  • „Die Schlacht bei Salamis“ (1973) zitiert den griechischen Freiheitskampf gegen die Perser – und ist doch voll von Anspielungen auf Ägypten, die Maya-Kultur oder das für Schüler sehr vertraute „Schiffle-Versenken“.

Dem ungewöhnlichen Bild „Die Schlacht bei Salamis“ (1973) widmete sich die Gruppe zuletzt ausführlich und holte manche überraschende Beobachtung ans Licht – hervorgehend aus der Verknüpfung von geschichtlich-antikem Wissen und emotionalem Empfinden. Florian Lettl meinte da nur noch: „Jetzt habe selbst ich noch etwas Neues dazugelernt.“