Thomas Meyer liest aus „Wolkenbruchs wunderliche Reise …“

  • Der Toyota Previa – er spielt eine besondere Rolle in dem Roman
  • Trotz „Pflichtveranstaltung“ sprang der Funke auf die Zehntklässler über.
  • Thomas Meyers Vorleseexemplar
  • Thomas Meyer liest.

„Sind Sie freiwillig hier oder ist das eine Pflichtveranstaltung?“

Als der Schweizer Schriftsteller Thomas Meyer zu Beginn seiner Lesung an die in der Kleinen Aula versammelten Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 die Frage: „Sind Sie freiwillig hier oder ist das eine Pflichtveranstaltung?“ stellt, hat er bereits alle Aufmerksamkeit gewonnen. In unglaublich frischer Manier erzählt der in Zürich lebende und arbeitende Autor zunächst ein bisschen darüber, wie er zum Schreiben gekommen sei, welch wunderliche Wendungen sein Leben genommen habe (nach einem abgebrochenen Studium der Jurisprudenz arbeitete er als Texter in Werbeagenturen und als Reporter in Redaktionen), ehe er mit seinem Debütroman „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“ 2012 reüssierte. Dieser ungewöhnliche Roman wurde zum Bestseller, im Herbst 2018 wird die Verfilmung des Romans in die Kinos kommen.

Jiddisch und Standardsprache – geht denn das?

Und dann legte Meyer los und las. Er führte uns ein in das jüdische Alltagsleben eines jungen orthodoxen Juden namens Motte, der sich nur schwer gegen seine dominante mame (Mutter) wehren kann, die ihm immer wieder neue Heiratskandidatinnen präsentiert. Allerdings kann er sich mit diesen nicht anfreunden, ähneln sie doch allzu stark seiner eher wohlbeleibten mame, und haben ein ausladendes tuches (Hinterteil). Und dann gibt es noch Laura, eine Mitstudentin, leider aber eine schikse (nichtjüdische Frau). Zahlreiche Verwicklungen bahnen sich an, mit denen sich Motte auseinandersetzen muss, ehe er sich klar wird, wie er sein Leben leben möchte. Rasant, spritzig und mit unglaublichem Witz und feinsinniger Finesse las Thomas Meyer vor, jüdische Wendungen, kaum ausgesprochen, entfalteten ihre ganze Kraft. Wenn ein Wort tatsächlich unklar zu sein schien, so erklärte er es eindrucksvoll. Und schließlich erfuhren wir, wie viele „Juden in einen Toyota Previa passen“. Es sind „neun große und zwei kleine Juden“, wie Thomas Meyer eindringlich schalkhaft darlegte, denn der Toyota Previa verfügt über vier Sitzreihen, ein Auto, das in dem Roman eine besondere Rolle spielt.

Was haben Ihre Eltern gesagt, als Sie sich das erste Tattoo haben stechen lassen?

Nach einer Stunde Vorlesezeit stand Thomas Meyer den faszinierten Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort. Auch wich er durchaus persönliche Fragen nicht aus und beantwortete sie ehrlich und mit großer Natürlichkeit. Sein erstes Tattoo ließ er sich 1993 stechen und seine Eltern waren nicht begeistert, wie er freimütig bekannte. Auch gestand er, dass der Roman möglicherweise Parallelen zu seiner eigenen Biographie haben könnte.

Kurz, eine interessante und gleichermaßen unterhaltsame Autorenbegegnung, die auf wunderlich wunderbare Weise zeitgenössische Literatur vermittelte.