Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

  • Durch das Programm des Abiturientenkonzerts führten mit feinen, persönlichen Gedanken Christina Bauer und Polina Monteanu.
  • Oboenduo als gelungener Auftakt im warmen Abendlicht: Anna Mangold und Sophie Olbrich mit Vivaldi.
  • Madeleine König brachte Albinonis „Adagio“ in einem Arrangement für Harfe zu Gehör.
  • Blick ins Orchester: An diesem Abend gibt es von Bach bis Saint-Saëns vielerlei Partituren zu meistern.
  • Tobias Schwandtner sang aus Bachs „Matthäuspassion“ die Arie „Mache dich, mein Herze, rein“.
  • Mit Haydns Cellokonzert in C-Dur brachte Tobias Tarlosy nicht nur ein Allegro molto zu Gehör, sondern viel Feuer, Farbe und Herzblut.

„… und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

Ein Zitat, ursprünglich aus der Feder Hermann Hesses stammend, das nicht nur die Zeugnisverleihung des Abiturjahrgangs 2019 wie ein roter Faden zu begleiten schien, sondern das bereits am Abiturkonzert am Abend zuvor Fuß gefasst hatte. Eine neue, scheinbar letzte „Stufe“ bildete auch dieses Konzert ab im musikalischen Werdegang der Absolventinnen und des Absolventen, die nun zum Großteil acht Jahre lang Mitglieder eines stephanischen Orchesters gewesen waren.

Eingeleitet wurde der Abend – neben der gewitzten Moderation durch Kristina Bauer und Polina Munteanu, die geschmackvoll durch den Abend führten und einen Einblick in Leben und Pläne der Absolventen gewährten – mit einem Oboenkonzert Vivaldis, gespielt von dem langjährigen Duo Anna Mangold und Sophie Olbrich. Wo beide sich unterscheiden, vereint sie doch ihre Liebe zur Musik, der sie womöglich noch beruflich nachgehen werden. Der melancholische Zusammenklang der beiden Holzbläser entpuppte sich alsbald als ein wahrer Ohrenschmaus für die gebannten Zuhörer und es war unübersehbar, dass der Erfolg, den die beiden Damen mit diesem Stück bereits beim Empfang der japanischen Musiker im Mai diesen Jahres gefeiert hatten, sich an diesem Abend erneut ankündigte.

Von Holz- und Saiteninstrumenten und mancher Einzigartigkeit

Von Holz- zu Saiteninstrument wurde das Publikum nahtlos übergeleitet zur Solistin Madeleine König und Albinonis Adagio in G-Moll, einem Stück, ursprünglich für Orgel in Streicherbegleitung komponiert und nun von Christine Pemsl für Harfe arrangiert. Kennen und lieben gelernt hatte Madeleine den himmlischen Klang des Stückes auf einer CD Xavier de Maistres, ihres Lieblingsharfenisten. Nach dem gescheiterten Versuch, diesem das Arrangement zu entlocken, nahmen Madeleine und ihre Harfenlehrerin die Dinge in die eigene Hand und bezauberten mit dem Endergebnis. Mit Madeleine verlässt nun die vorerst letzte Harfe das Symphonieorchester und der Woah-Effekt, der sich spätestens mit dem ersten Zupfen auf den Gesichtern der Zuhörer (meist aber bereits mit dem Transport der Harfe auf die Bühne) abzeichnet, wird wohl bis zum Eintritt eines Neuzugangs ausbleiben.

Ebenfalls durch Einzigartigkeit bestach der langjährige Domsingknabe Nicolas Schwandner, der sich an die bekannte, aus der Matthäuspassion stammenden, Arie „Mache dich mein Herze rein“ heranwagte und erfolgreicher nicht hätte sein können. Nicolas musikalische Karriere endete allerdings nicht im Geringsten mit diesem Abend, hat er doch vor, im nächsten Jahr ein Freiwilliges Soziales Jahr bei den Augsburger Domsingknaben anzutreten und mit ihnen auch auf große Reise zu gehen.

Dass Florian Tarlosy immer wieder wahlweise mit seinem Gesangstalent oder auch mit seiner Celloakrobatik beeindrucken kann, ist jedem regelmäßigen Besucher der Cäcilien-Konzerte bereits bekannt. Dass Florian aber nicht nur akustisch, sondern auch mit seiner Ausstrahlung und mit dem Grinsen, das mit jedem neuen Ton breiter wird, punktet, wurde dem Publikum mit seiner diesjährigen Interpretation des Cello-Konzerts in C-Dur von Haydn bewusst. Und während ein Lächeln bekannterweise das Lächeln anderer provoziert, blieben bei diesem Vortrag gleichzeitig nicht alle Augen trocken.

  • Cécile Chaminades „Concertino“ klingt fein und unscheinbar, fordert aber hohes Können: Für Hannah Säckler kein Problem, sondern ein spürbarer Reiz.
  • In der Pause hatte an diesem warmen Tag die SMV alle Hände voll zu tun, um das Getränkeangebot zu meistern. Es gelang zur Zufriedenheit aller.
  • Clara Sandmann zeigte in Saint-Saëns Klavierkonzert g-Moll, was aus einem Flügel alles an Empfindungen herausgeholt werden kann.
  • Mit dem „Allegro molto appassionato“ aus Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-Moll ließ Polina Monteanu ihr emminentes Können an der Geige aufleuchten.
  • Den Musikpreis 2019 durfte Stifter Rudolf Reisch (Abs. 1976) „für herausragende Leistungen im Bereich der Musik“ an Hannah Säckler und Jule Wrensch vergeben.
  • Zum Abschluss gab’s noch die Wagner-Ouvertüre aus den „Meistersingern von Nürnberg“ mit dem Großen Orchester

„Starke Frauen“ beim Musikpreis des Jahres 2019

Eine starke Frau spielt eine starke Frau – mit Hannah Säcklers Vortrag des bekannten Flötenkonzerts von Cécile Chaminade könnte diese Aussage wahrer nicht sein. Ihrer Zeit voraus, komponierte Chaminade das Werk bereits 1902, doch auch 2019 ist es an Finesse, an melodisch-harmonischem Wohlklang sowie an technischem Anspruch kaum zu überbieten. Doch nicht nur durch ihren wunderbaren Soloauftritt stach Hannah an jenem Abend hervor. Selbst starke Frauen, wurde in diesem Jahr an Hannah Säckler und Jule Wrensch der von Familie Reisch großzügig zur Verfügung gestellte Preis für „herausragende Leistungen im Bereich der Musik“ verliehen. Beide hatten sich nicht nur jahrelang in Chor und Orchester engagiert, sondern auch stets im Hintergrund für Struktur und Ordnung im Notenarchiv und für die Ausstattung der Ensemblemitglieder mit T-Shirts gesorgt.

Einen wahren Gänsehautmoment erfuhren die Zuhörer daraufhin mit dem alleinstehenden Klavierauftritt des Abends, mit dem von Clara Sandmann vorgetragenen Klavierkonzert Nr. 2 des Franzosen Camille Saint-Saëns. Kaum ein Stück forderte mehr Aufmerksamkeit, mehr Konzentration und mehr Zusammenhalt von den Orchestermitgliedern. Umso mehr stach Clara heraus, der es gelang, mit ihrem himmlischen Spiel lose Stränge zusammenzuführen und Saint-Saëns zum Leben zu erwecken. Claras auswendiges und musikalisch-künstlerisches Spiel sowie die anfängliche Unfähigkeit des Orchesters, bis acht zu zählen, resultierten letztendlich in einem Musizieren über den Rand des Notenblattes hinaus und in die Sphäre wahren Zusammenspiels hinein.

„Last but not least“ oder eher strategisch als letzte Solistin des Abends platziert, garantierte Polina Munteanu mit ihrem Vortrag des bekannten Violinkonzertes in E-Moll von Mendelssohn, dass dieser Abend dem Publikum im Gehör (und damit im Gedächtnis) bleiben würde. Die Jungstudentin des Fachs Musik, die eine Karriere als Kammermusikerin anstrebt und dafür bereits alle erdenklichen Vorbereitungen getroffen hat, versetzte die Zuhörer mit ihren schnellen Läufen und ihrem makellosen wie gleichsam gefühlvollen Spiel in eine Trance. Somit führte Polina den Abend in einen gebührenden Abschluss und offenbarte dem Publikum ein letztes Mal das breite Spektrum der Fähigkeiten des Abiturjahrgangs 2019.

Meistersinger-Ouvertüre

Einen (vorerst) letzten Applaus auf der Bühne des Kleinen Goldenen Saals durfte unser Jahrgang mit dem gemeinsamen, krönenden Abschluss, mit der Meistersinger-Ouvertüre Wagners genießen. Diese war bereits im Zusammenspiel mit den japanischen Gastmusikern im Mai 2019 in kleinerer Besetzung, aber im größeren Goldenen Saal erprobt worden.

Wie allerdings auch Madeleine König in ihrer stellvertretenden Dankesrede an unseren Maestro Ulrich Graba, die begleitet wurde von der Heiligsprechung Bachs und weiteren kleinen Geschenken als Ausdruck der Dankbarkeit, die wir für dessen jahrelange Unterstützung und Zuwendung verspüren, zu bemerken wusste, würde der nächste Applaus auf dieser Bühne nicht lange auf sich warten lassen – spätestens am nächsten Morgen bei der Zeugnisverleihung dann also.

Und so verlassen wir, der Abiturjahrgang 2019, Sie und Euch, liebe Schüler, Lehrer, Eltern, liebe Leser und Zuhörer, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Aber seien Sie versichert: We’ll be back.