Wenn Schüler zu Poeten werden

  • Gar nicht so einfach, eine Bühne nur mit der eigenen Stimme und einem Text zu füllen. Aber genau darum geht es beim Poetry Slam.
  • Moderator Horst Thieme, eine feste Größe in der Kulturszene Augsburgs, begrüßt das Publikum und macht Lust auf den bevorstehenden Abend.
  • Stolz auf das Geleistete und berührt vom Gehörten sind die Zehntklässlerinnen und Zehntklässler am Ende des Abends.

„Poetry!“, sagt der Moderator, „Slam!“, antwortet dann das Publikum – so war es letzten Samstag auf dem Grand Slam in Augsburg. Dort trafen sich um 20:00 Uhr einige Schülerinnen und Schüler der Klasse 10c sowie eine Schülerin aus der Klasse 10a. Begleitend waren die zwei verantwortlichen Deutschlehrerinnen Monika Reichert-Hafner und Melanie Jahn sowie zwei Eltern mit dabei.

Das Ganze geht lange zurück auf ein spannendes Projekt aus dem Deutschunterricht, bei dem in das Thema „Poetry Slam“, also eine Art modernen Dichter-Wettbewerb eingeführt wurde. Angefangen mit dem Ausprobieren verschiedener Stimmfarben und Formen von Texten, über Freewriting im Lettl-Museum und ein Coaching mit dem Schau­spieler Fabio Esposito bis hin zum Besuch eines Slams als krönenden Abschluss. Zwei der Schüler hatten den Mut sich auch auf der Vortragsliste dort einzuschreiben, womit die Möglichkeit bestand, in der Veranstaltung als Poeten ausgelost und aufgerufen zu werden.

Eindrucksvolle Kulisse und großartige Texte

Die Brechtbühne im alten Gaswerk, wo der Slam stattfand, imponierte mit seiner steilen Zuschauertribüne, aber auch mit der dadurch tief unten liegenden Bühne, womit die Sicht von überall ausgezeichnet war. Aber es ging selbstverständlich hier viel mehr um das Hören, denn eine der Regeln für den Poetry Slam ist es, dass man keine Hilfsmittel verwenden darf. Nur seinen Text und seine Stimme und eventuell noch ein wenig Gestik und Mimik. Auf der Bühne war mit roten Großbuchstaben das Wort „SLAM“ aufgestellt und an der Seite befand sich eine Leselampe, ein kleines Schubladenkästchen und ein Sessel. Das war der Ort für den Moderator Horst Thieme, wo er sich gemütlich hinsetzen konnte, während in der Mitte der Bühne, am Mikrofon, die „Slammer“ ihre Texte vortrugen.

Drei feste Gäste waren für den Abend eingeladen und kamen somit auf jeden Fall dran. Der Abend teilte sich jedoch in zwei Teile á vier Vortragende auf und somit waren fünf Plätze für sog. „Locals“ frei. Das sind diejenigen von hier, die sich auf besagte Liste setzen konnten. So durfte direkt am Anfang Gido, ein zufällig ausgewählter Zuschauer aus der ersten Reihe, ein Los aus dem Loskübel ziehen. Man hörte dann einen Text über den Unterschied zwischen: „immer mehr Wölfe leben in der Schweiz“ und „in der Schweiz leben immer mehr Wölfe“. Denken Sie mal drüber nach… Außerdem ging es über die Abenteuer eines Kiffenden sowie ein wenig Philosophie. Aber das Beste am ersten Teil war natürlich der Text von Luca Wiegmann aus der Klasse 10c über einen „besonderen Wind“, den er super vortrug. Die Stephanerinnen und Stephaner waren alle hellauf begeistert.

In der Pause machten wir schon ein paar Fotos und konnten schon mal die Bühne ein wenig genauer beäugen. Vor allem aber gönnte man sich etwas zu trinken und man plauderte ein wenig. Nach 20 Minuten ging es weiter mit den letzten vier Vortragenden. Man hörte nun einen sehr verstörenden Text über das Zerstören von Sachgütern, um eine Gefahr von sich und anderen abzuwenden. Zuerst ein Saxofon, dann ein männliches Glied – naja, auch wie die kleinsten Kleinigkeiten zu einem Riesenstreit ausarten können… Weiter ein sehr tiefsinniger und intellektuell höchst anspruchsvoller Text über den Fetisch Demokratie sowie ein anderer über den Horror des Abgebens einer Semesterarbeit und die Droge Kaffee. Ganz zum Schluss wurde dann auch noch Moritz Blank aus der Klasse 10c als „Local“ ausgewählt. Man könnte ihn „Philosophie – absurd“ nennen. Auch hier jubilierten die Stephanerinnen und Stephaner.

Einzug ins Finale und Prämierung der Texte

Doch dann wurde ausgewertet, wer ins Finale kommen sollte, mithilfe der Lautstärke des Applauses. Es waren – wer hätte es gedacht – die drei eingeladenen Gäste, jetzt mit Texten über Selbstliebe, einen Auszug aus der Triklogie und den Hass auf eine ehemalige Mitschülerin. Dann konnte der Sieger – wieder mit Applaus gekürt werden und bekam einen Büchergutschein sowie eine Flasche Sekt. Auch ein Sieger unter den „Locals“ wurde erkoren, und hier war es der Älteste, aus Hamburg. Er erhielt ein Notizbuch, um weiter Texte zu schreiben. Dann wurde angestoßen und gratuliert, es wurde applaudiert! Selbstverständlich wurde auch noch ein kleines Fotoshooting veranstaltet. So endete dann der spannende und freudige Abend um etwa 23:00 Uhr nach einem kleinen Fotoshooting. Ein grandioses Erlebnis!