Wie Phoenix aus der Asche – Buchschätze gehoben und digitalisiert

  • Bibliotheksdirektor Dr. Karl-Georg Pfändtner begrüßte die Gäste zur Projektpräsentation des Digitalisierungsprojektes „Opera iucundissima“ im Lesesaal der Augsburger Staats- und Stadtbibliothek.
  • Vielschichtig führten die jugendlichen Teammitglieder der Projektgruppe vor, wie sich das Projekt von der Buchauswahl über den Scanvorgang bis zur interaktiven Webnavigation entwickelte und gestaltete.
  • Projektleiter StD Matthias Ferber zeigte an ausgewählten Beispielen aus den „Opera iucundissima“ – von griechischen über lateinische bis zu neulateinischen Autoren –, was die neu entstandene Augsburger Digitale Sammlung alles an Schätzen zu bieten hat.
  • Diplom-Bibliothekar Wolfgang Mayer, der IT-Beauftragte der Augsburger Bibliothek, hatte das Projektteam von St. Stephan über ein Jahr mit Rat und Tat zielsicher begleitet: Ihm gebührte am Abend der Projektpräsentation das abschließende Wort.
  • Die digitalisierten Buchschätze, zum großen Teil aus dem 16. Jahrhundert, waren im Anschluss an die Veranstaltung in repräsentativer Auswahl handgreiflich zu erleben.
  • Das kundige und interessierte Publikum hatte noch gute Gelegenheit zum Gedankenaustausch über „Opera iucundissima“, über wirklich spannende Werke der alten Meister.

Eine eindrucksvolle Präsentation der Ergebnisse ihres P-Seminars mit dem Titel „Mit Augsburger Antikenschätzen ins digitale Zeitalter“ bot die Schülergruppe Griechisch / Latein der Abiturklasse um StD Matthias Ferber am vergangenen Dienstagabend, 6. März 2018 in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg an der Schaezlerstraße.

Die ehrgeizig anvisierte Schallmauer von 30 Werken, die die 14 engagierten Teammitglieder mindestens ins Netz bringen wollten, wurde dabei durchbrochen. Frühe Drucke lateinischer und griechischer Autoren – meist aus dem 16. Jahrhundert – sind nun digitalisiert und damit online für jedermann weltweit verfügbar. Die Reihe beginnt bei Homer und reicht über Sallust, Vergil und Ovid bis zu Neulateinern wie Luther und Kopernikus.

Nach Grußworten vom Hausherrn, Bibliotheksdirektor Dr. Karl-Georg Pfändtner, und dem Lateinfachbetreuer von St. Stephan, Markus Müller, stellten einzelne Schüler ihr Projekt „opera iucundissima“ (spannende Lektüre) an diesem Abend der Öffentlichkeit vor. Sie zeigten dabei, wie mit Rückendeckung durch renommierte und rundum kompetente externe Partner (die Augsburger Stadtbibliothek und deren unverzichtbarer Bibliothekar und IT-Spezialist Wolfgang Mayer) kulturgeschichtlich Erstaunliches auf die Füße gestellt werden kann.

Bücherschätze der Augsburger Staats- und Stadtbibliothek und des Gymnasiums bei St. Stephan wurden von der Gruppe um Projektleiter Matthias Ferber so dem beschaulichen Archivschlummer entrissen und über das World Wide Web allen zugänglich gemacht.

Im Einzelnen erläuterten die Schüler ihre Vorgehensweise von der Begegnung mit den Bibliotheksschätzen bis zur zeitaufwändigen Arbeit am Hochleistungsscanner der Bibliothek, selbst an ein aussagekräftiges Logo mit Phönixflügeln und -flammen und der Augsburger Zirbelnuss wurde gedacht.

An einigen wenigen Einzelbeispielen verstand es zuletzt Matthias Ferber geschickt, die Neugier der Anwesenden auf das nun Zugängliche zu wecken: So bietet beispielsweise das digitalisierte Werk des Sixt Birck in seinen „Elementa“ ein religiöses Grundwissen seiner Zeit – quasi im Handbuchformat. Griechisches und lateinisches Vaterunser sind exemplarisch gegenübergestellt und belehren so den jungen zeitgenössischen Leser ethisch wie sprachlich. Manches gibt es auch in der schön illustrierten Vergil-Ausgabe von 1590 zu entdecken: etwa die erotische Begegnung zwischen Äneas und Dido in der gewitterumtosten Höhle auf einer Buchillustration oder eine Vergil zugeschriebene feinsinnige philosophische Betrachtung zum Buchstaben Y mit dem Verweis auf Herakles am Scheideweg. Oder was hat es mit Marcus Crassus auf sich, den ein Buchillustrator auf dem Titelbogen des griechischen Autors Lukian drastisch darstellt, wie ihm die Zunge herausgerissen wird? Freilich ein grausames Bild (aus Ciceros „De oratore“ III, I, 4), aber es bringt das geschilderte Vorhaben auf einen überzeitlichen Nenner: Auch der Mensch des 21. Jahrhunderts hängt geistesgeschichtlich nach wie vor am Tropf der Antike. Bis zum heutigen Tag konnte ihr niemand die Stimme rauben. Mag vielleicht die Zunge fehlen, so bringt doch – wie weiland auch der Buchdruck im 15. Jahrhundert die antiken Schriftsteller dem Vergessen entrissen und sie dem gelehrten Diskurs wieder zugänglich gemacht hat – dieses rundum gelungene Projekt der „opera iucundissima“ die alten Meister neu zur Sprache – mit modernsten technischen Mitteln versteht sich. Die digitale Sammlung der Augsburger Staats- und Stadtbibliothek hat mit diesem spektakulären Phoenixflug fraglos eine stattliche Bereicherung erfahren.

Virtueller Besuch unter www.sustb-augsburg.de absolut zu empfehlen!