Zum 127. – ein Geburtstagsständchen für Brecht

  • Künstler, Literaturschaffende und Kunstvermittler rund um den Augsburg Lyriker Knut Schaflinger (rechts vom roten Brecht”) hatten sich an Brechts Geburtshaus zum 127. Geburtstag des großen Dichters versammelt. Mit dabei waren auch Kulturreferent Jürgen Enninger und rund 50 aufmerksame Zuhörer. (Foto: Arno Loeb)
  • Eine Szene aus Brechts Drama Die heilige Johanna der Schlachthöfe” hatte der Vertiefungskurs Deutsch von St. Stephan mitgebracht zu Brechts Geburtstag: Unter dem Geburtsfenster auf dem Lechkanal war das eine eindrucksvolle Erfahrung. (Foto: Arno Loeb)
  • Die Szenische Lesung” der siebenköpfigen Stephaner-Gruppe zeigte mit einfachen Mitteln, wie sich Brecht die gottgefällige Wohltätigkeit vorstellt, die in den Schlachthöfen Chicagos den ausgebeuteten Arbeitern angeboten wird. (Foto: Arno Loeb)
  • Helena Engel aus dem Vertiefungskurs Deutsch war eine starke Verkörperung von Brechts Heiliger Johanna”: Am Ende der ausgewählten Szene will sie mehr als nur Armenfürsorge betreiben, sondern verstehen, woher all die Ungerechtigkeiten und Elende in der Welt eigentlich herrühren. (Foto: Arno Loeb)

Am Montag den 10. Februar 2025 machte der Vertiefungskurs Deutsch der Q12 unter der Leitung von Matthias Ferber einen Ausflug in einen anderen Teil der Augsburger Altstadt, nämlich hinab ins Lechviertel, genauer gesagt in die Straße Auf dem Rain“, zum Geburtshaus von Bertolt Brecht. Anlass hierzu war eine kleine Feierlichkeit, die den 127. Geburtstag Brechts beging und an der sich der Vertiefungskurs engagiert beteiligte. Weitere Teilnehmer waren unter einigen anderen Augsburger Literaturenthusiasten auch der Kulturreferent der Stadt Augsburg Jürgen Korbinian Enninger, der selbst mit einem kleinen Beitrag zur aktuellen Lage in den USA und Bezügen zum Brecht’schen Werk glänzte.

Das ist insbesondere deshalb bemerkenswert, da gerade die Stadt Augsburg eine Zeit lang stark mit dem Erbe ihres berühmten Sohnes haderte, aufgrund dessen stark sozialistischer und teils kommunistischer Einstellung. Bertolt Brecht selbst wurde am 10. Februar 1898 in Augsburg geboren als erstgeborener Sohn einer Kaufmannsfamilie. Während des Ersten Weltkriegs verfasste er Gedichte, aber auch Prosatexte, die die Lage an der damaligen Heimatfront beschrieben. In der Zwischenkriegszeit wandelte er sich immer stärker hin zum Sozialisten, was sich natürlich vor allem in seinen Werken bemerkbar machte. Aufgrund dessen musste er auch vor den Nazis aus Deutschland fliehen und reiste dabei um die ganze Welt, um nach dem Kriege wieder nach Deutschland zurückzukehren, aber nicht in seine alte Heimat Augsburg. Als Sozialist ging er in die DDR nach Ost-Berlin, arbeitete als Regisseur an vielen Theatern und gründete schließlich auch sein eigenes. Im Jahre 1956 starb Bertolt Brecht und wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Ost-Berlin begraben.

Besagtes Geburtstagsständchen zum 127. dauerte etwa eine knappe Stunde und wurde vor den Türen des Brecht’schen Geburtshauses abgehalten. Immer wieder gesellten sich zu den von Anfang an Zuhörenden neue Passanten, die nur zufällig vorbeigekommen waren und interessiert den vorgetragenen Ausschnitten aus Brechts Werk lauschten. In entspannter und lockerer Atmosphäre wurde hier ein Querschnitt der Brecht’schen Literatur zum Besten gegeben. Es waren sowohl Liebeslyrik, romantische Liedtexte, als auch harte und harsche Rhetorik mit revolutionären Anklängen vertreten. Somit wurde ein tiefer Einblick ins literarische Schaffen Brechts gewährt, obgleich es sich nur um sehr kurze Ausschnitte handelte.

Der Vertiefungskurs Deutsch des Gymnasiums bei St. Stephan beeindruckte bei der Geburtstagsfeier des Peutinger-Gymnasiasten Brecht mit einer szenischen Lesung aus dessen Theaterstück Die heilige Johanna der Schlachthöfe“. Dieses spielt mit dem Gedanken der Versetzung der heiligen Johanna von Orleans, oder Jean d’ Arc, in die großen Schlachthöfe Chicagos in den 1930er Jahren. In dem vorgetragenen Auszug trifft Johanna zum einen auf die große Verzweiflung und Armut der Arbeiterklasse, als auch auf das Wegschauen und die Arroganz der christlichen Wohlfahrt, im Stück die Schwarzen Strohhüte” genannt, die zwar helfen wollen, deren Mitglieder aber eher ihr eigenes Gewissen beruhigen wollen und an der Ursache für das Elend der Arbeiterklasse vorbeisehen, beziehungsweise diese nicht genauer untersuchen, geschwiege denn aus der Welt schaffen wollen.

Der Vertiefungskurs bekam zum Schluss auch vieles an Lob und Anregungen für die gesprochene Darbietung der vielen teils recht langen Solopassagen und für die ebenfalls vorkommenden Chöre sowohl der schwarzen Strohhüte als auch der Arbeiter, und das gelungen Wechselspiel zwischen diesen beiden Formen, zurück. Diese waren eingebettet in viele anregende und freundliche Unterhaltungen im Nachhinein der Veranstaltung, welche Gelegenheit gaben etwas voneinander zu lernen und mit vielen Genießern der Brecht’schen Literatur in engeren Kontakt zu treten. Eine gelungene und angenehme Feier zum 127. Geburtstag eines so verdienten Augsburgers, obgleich es natürlich zum Schluss auch hieß: Los, zurück zur Schule!“