Zwischen Geschichte und Großstadtflair

  • Mit dem Stichwort Berlinfahrt” verbinden viele zunächst ganz automatisch einen Besuch des Deutschen Bundestags im Reichstagsgebäude.
  • Für Besuchergruppen ist der Plenarsaal zu vielen Zeiten zugänglich, auch wenn keine Beratungen stattfinden.
  • Hansjörg Durz, CSU-Politiker und direkt gewählter Bundestags-Abgeordneter des Wahlkreises Augsburg-Land, begrüßte die Augsburger Schülerinnen und Schüler zu einem interessanten Abgeordnetengespräch.
  • Im nördlichen Lichthof ist gerade nachts das Kunstwerk Der Bevölkerung” von Hans Haacke sehenswert: Das bewusste Gegenstück zum Reichstagsgiebel mit der Inschrift Dem deutschen Volke”. Im Lichthof haben seit dem Jahr 2000 über 500 Abgeordnete Erde aus ihrem Stimmkreis abgelegt, so dass ein gesamtdeutsches Beet entstanden ist.
  • Im Europäischen Haus” weitete sich der Blick über die Bundesrepublik hinaus auf die gesamte Europäische Union.
  • Unweit des Brandenburger Tores liegt die große Steinfläche des Holocaust-Denkmals – ein Areal mit unvermeidlicher Botschaft.
  • Die Wannsee-Villa, in der 1942 die Ermordung der europäischen Juden besprochen wurde, beherbergt heute eine Gedenkstätte mit vielfältigem Bildungsangebot: Die Stephanergruppe …
  • … setzte sich hier intensiv mit Aspekten des Holocaust auseinander. Die Villa bleibt ein schmerzliches Mahnmal deutscher Verbrechen.

Eine Woche voller Kontraste und bewegender Begegnungen

Vom 23. bis zum 27. März 2026 tauchten 48 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 tief in das Herz der deutschen Hauptstadt ein. Bereits um sechs Uhr in der Früh starteten wir vom Messeparkplatz zu unserer inzwischen dritten Berlin-Fahrt. Unser Programm war dabei so vielseitig wie Berlin selbst: Ein Spagat zwischen der dunklen Geschichte des 20. Jahrhunderts und dem pulsierenden Leben der Metropole von heute.

Geschichte hautnah: Von der NS-Zeit bis zur Stasi-Haft

Ein Schwerpunkt unserer Fahrt lag auf der kritischen Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit. Besonders eindrücklich war der Besuch in der Gedenkstätte Hohenschönhausen. Dort, im ehemaligen zentralen Untersuchungsgefängnis der Stasi, wurde durch die Führungen der Zeitzeugen erschreckend klar, welche Methoden zur Unterdrückung politisch Andersdenkender genutzt wurden. Im krassen Gegensatz dazu stand der Besuch im Museum Deutscher Widerstand im Bendlerblock. Hier setzten wir uns intensiv mit den Männern und Frauen auseinander, die unter Einsatz ihres Lebens gegen das NS-Régime aufbegehrten, auch Jugendliche riskierten mitunter alles, um Widerstand zu leisten. Ein weiterer, tief bewegender Ort war die Villa Wannsee. Der Besuch der Gedenk- und Bildungsstätte am Ort der Wannsee-Konferenz machte uns die bürokratische Kälte und die systematische Planung des Holocaust auf beklemmende Weise bewusst.

Politik und Kultur: Berlin von seiner glanzvollen Seite

Dass Berlin auch ein Zentrum der Macht und Kultur ist, konnten wir täglich erleben. Im Bundestag erhielten wir spannende Einblicke in die Arbeit unserer Volksvertreter. Besonders gewinnbringend war das Abgeordnetengespräch mit Hansjörg Durz, der den Wahlkreis Augsburg-Land als Mitglied des Deutschen Bundestages vertritt. Nach einer Führung im Plenarsaal genossen wir den Blick über das nächtliche Regierungsviertel von der Reichstagskuppel aus. Ein weiterer politischer Höhepunkt war der Besuch in der Multimedia-Ausstellung Erlebnis Europa. Hier konnten wir interaktiv in die europäische Politik eintauchen und erleben, wie Entscheidungsprozesse in der EU funktionieren.

  • An der Bernauer Straße zeigt eine offene Stelen-Linie den einstigen Verlauf der innerdeutschen Grenze mitten in Berlin. Für die Jugendliche wurde hier vieles sichtbar, was zunächst nur bloßes Geschichtswissen zu sein scheint.
  • Die von der DDR stillgelegten Bahnhöfe in der Mauerzone können heute in Führungen besucht werden: Die Zeit ist stehen geblieben.
  • Tunnel auf dieser Strecke bleiben bis heute vermauert – und sind Orte widerständiger Spraykunst geworden.
  • Bis heute trägt Berlin die Narben der deutsch-deutschen Teilung in sich – und die Augsburger Reisegruppe war dem auf der Spur.
  • In der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen wird erlebbar, wie die DDR-Staatssicherheit ein ganzes Volk unter ständige Beobachtung und Überwachung setzte.
  • Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Bendlerblock, in der Stauffenbergs Attentat vom 20. Juli 1944 eingeordnet und kontextualisiert wird, gehörte auch zu den Besuchsstationen der Berlinfahrt.
  • Blinded by delight” war eines der kulturellen Highlights der Berlinfahrt: Im Friedrichstadt-Palast wurde für die Stephanerinnen und Stephaner eine bewegende Reise in die Welt der Träume und des Glücks” (so die Theaterwerbung) erlebbar, auf einer der größten Bühnen der Welt.
  • Berlinbesuche rufen ins Museum: Im Alten Museum” mit seiner Antikensammlung ist die Welt der Griechen, Etrusker und Römer in exzellenten Exponaten mit Händen zu greifen.
  • Ein Opernbesuch rundet das Programm auf Berlinniveau” ab: Verdis Aida” in der Deutschen Oper bewies nachdrücklich, was die Berliner Bühnen bieten können.

Auch kulturell wurde einiges geboten: Wir ließen uns von der beeindruckenden Inszenierung der Oper Aida verzaubern und erlebten im Friedrichstadt-Palast die Show Blinded by delight, die uns mit ihrer Technik und Ästhetik staunen ließ. Schließlich bot uns ein kurzer Abstecher ins Alte Museum zudem die Möglichkeit, in die Welt der Antike einzutauchen.

Berlin bei Nacht und von unten

Natürlich kam auch das echte Berlin-Gefühl nicht zu kurz. Wir erkundeten die Stadtgeschichte mal anders, indem wir den Berliner Geisterbahnhöfen in der Nähe der Bernauer Straße nachgingen – jenen Stationen, die während der Teilung im Dornröschenschlaf lagen. Und für das nötige Entertainment sorgte eine ausgelassene Nacht im Matrix-Club, wo wir gemeinsam das Berliner Nachtleben unsicher machten und tanzten, bis das Licht anging.

Die Berlin-Fahrt war für uns weit mehr als nur ein Ausflug. Sie war ein intensives Geschichts- und Kulturtraining, das von uns allen auch einiges abverlangte. Der stetige Wechsel zwischen den Zeugnissen menschlicher Grausamkeit und den Möglichkeiten einer offenen, demokratischen Gesellschaft hat uns vor Augen geführt, dass historische Verantwortung ganz konkret ist.