Gönn dir! Moderne Bildung ohne Verfallsdatum

  • LEV-Landesvorsitzende Birgit Bretthauer, Elternbeirats-Mitglied Dietlind Stiesch und St. Stephans stellvertretende Elternbeirats-Vorsitzende Carolin Nordmeyer (von links) waren zu Gast beim Jubiläums-Festakt in der Münchner Glyptothek: Gefeiert wurden 25 Jahre „Arbeitskreis Humanistisches Gymnasium“.

Verwurzelt in den Ideen des klassischen Altertums, fest mit beiden Beinen in der Realität des „Jetzt“ stehend – so könnte man humanistische Bildung heute beschreiben.

Eine Bildungsform, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, sein Streben nach Individualität in der Verantwortung für die Gemeinschaft, sein Streben nach Wissen, nach Erkenntnisgewinn. Eine Bildungsform, in der kritisches Denken und Hinterfragen von scheinbaren Gewissheiten essentiell sind, in der Toleranz und Teamgeist zu Hause sind. Eine Bildungsform, in der die grundlegenden Methoden wissenschaftlichen Arbeitens von These – Beobachtung – Beweis verortet sind.

Altmodisch? Nein, hochaktuell!

Der „Arbeitskreis Humanistisches Gymnasium“, dem wir als Elternbeirat seit fast zwei Jahren angehören, hat sich zur Aufgabe gemacht, das humanistische Bildungsideal mit einem vielfältigen Zusatzprogramm erlebbar zu machen: hochkarätige interdisziplinäre Vortragsveranstaltungen und Diskussionen, „Latein zum Anfassen“ für interessierte Viertklässlerinnen und Viertklässler, der Pegalogos-Wettbewerb für Griechisch, bei dem kreative Umsetzungen die Nase vorn haben, Exkursionen und Studienfahrten für Mitglieder.

Zum Festakt seines 25-jährigen Bestehens hatte der „AK Hum“ in die Glyptothek nach München geladen: Der perfekte Ort für diese Veranstaltung. Die schlichten Ziegelmauern lassen der zeitlosen Schönheit der antiken Exponate den Vortritt. Die eindrucksvolle Beleuchtung erweckt die Skulpturen scheinbar zum Leben, die eigene Phantasie breitet ihre Flügel aus. Dass zudem mit der Sonderausstellung des Architekten und Künstlers Santiago Calatrava zeitgenössische moderne Kunst ins Spannungsverhältnis zu den Antiken tritt, war ein besonderes Glücksmoment.

Der leitende Sammlungsdirektor der Glyptothek Dr. Florian Knauß begrüßte als Hausherr die versammelten Gäste – unser Gymnasium bei St. Stephan war durch Schulleiter Alexander Wolf sowie die EB-Mitglieder Carolin Nordmeyer, Dietlind Stiesch (Schul-Arbeitskreis Humanistische Bildung) und die LEV-Landesvorsitzender Birgit Bretthauer vertreten – und gab an Dr. Peter Römisch, den Vorsitzenden des „Arbeitskreises Humanistisches Gymnasium“, weiter, der charmant und sehr persönlich einen Kurzabriss der 25-jährigen Geschichte des AK gab und den Anspruch der humanistischen Bildung auf den Punkt brachte: „Es geht um nichts Geringeres, als sich zurechtzufinden in einer immer undurchschaubareren Welt.“ Staatsminister Prof. Dr. Michael Piazolo bekräftigte in seinem Grußwort die feste Verankerung des humanistischen Gymnasiums in Bayern und sicherte unter dem Applaus der Anwesenden seine weitere Unterstützung zu.

Der Festvortrag von Prof. Dr. Susanne Muth (Humboldt Universität Berlin) zum Thema „Politische Kommunikation ohne Internet, Radio und TV – Öffentliche Ansprachen auf dem antiken Forum Romanum“ zeigte die Aktualität des modernen Wissenschaftsdiskurses in einem interdisziplinären Team. Eine anhand bauakustischer Daten erstellte Computersimulation von Ciceros dritter Rede gegen Catilina, gehalten vor dem Volk am 3. Dezember 63 v. Chr. auf dem Forum Romanum, riss die Fragestellung auf, wie Kommunikation denn ganz praktisch möglich war. Wie konnten die brandaktuellen politischen Informationen das Volk erreichen, wenn die einzige technische Unterstützung ein erhöhtes Rednerpult war? Wie konnten zehntausende Menschen zeitgleich informiert werden, wenn Umgebungsgeräusche ein gezieltes Zuhören fast unmöglich machten? Wie geschliffen und unmissverständlich musste die Redekunst sein, damit ein Stille-Post-Effekt sie nicht verwässerte?

Die spannende Reise aufs Forum Romanum endete mit vielen offenen Fragen, die beim anschließenden Empfang für einiges an Diskussionsstoff sorgten.

Musisch umrahmt wurden die Redebeiträge vom antiken Chor des Wilhelmsgymnasiums München mit einem Ausschnitt aus Euripides’ „Medea“ sowie einem Streichquartett von St. Stephan, das von Mozarts C-Dur-Quartett bis zu „Heinzelmännchens Wachparade“ eine wunderbare Auflockerung bot.

Zum Ende des Festaktes präsentierte Dr. Peter Römisch die aufwändig gestaltete Festschrift (zu beziehen unter info@klassische-bildung.de), in der Beiträge von prominenten Fürsprecherinnen und Fürsprechern der humanistischen Bildung (z. B. Prof. Dr. Harald Lesch, Prof. Julian Nida-Rümelin), aber auch von Schülerinnen und Schülern zu finden sind. Auch unser Elternbeirats-Mitglied Carolin Nordmeyer hat mit einem Beitrag unter dem Titel „Humanistischer Familienrat“, der hier abgerufen werden kann, an der Festschrift mitgewirkt.